Worum geht es am 9. Mai in Treptow heute, nachdem das von den Erbauern konzeptualisierte Narrativ einer kommunistischen, säkularen Ewigkeit obsolet geworden ist? Die Einschätzungen gehen stark auseinander: Die einen meinen, dass es sich um ein „russisches Volksfest“ handelt, während die nächsten finden, es gehe in erster Linie um eine russische Propagandaschlacht. Wie ich in den folgenden Absätzen zuerst am Beispiel des quasi-religiösen Zeremoniells und einer Neuauflage der sowjetischen Idee heldenhafter Unsterblichkeit zeige, spielen bei den Festteilnehmern symbolische Kontinuitäten ebenso eine Rolle wie neu verbastelte Versatzstücke und Praktiken aus dem Spektrum der Religion. Die Frage, worum es hier neben dem Aussähen und Einhegen von Misstrauen eigentlich geht, so meine Behauptung, lässt sich durch die Heterogenität der Assemblage gar nicht eindeutig beantworten, weil ganz offenkundig völlig unterschiedliche Anliegen und Interessen die unterschiedlichen Teilnehmer zum Treptower Ehrenmal führen.WeiterlesenDie Misstrauensgemeinschaften von Treptow (4): Kosmopolitisierung, Superdiversität und Autokratisierung in Berlin
Schlagwort: Recep Tayyip Erdoğan
Kennen Sie das auch? Alle sprechen bei populistischen Autokratisierern von »Charisma« — und Sie können beim Gedanken an Trump, Orbán, Erdoğan, Netanyahu und wie sie alle heißen gar nichts damit anfangen? Wieso kann man diesen Leuten eigentlich überhaupt zuhören? Das Unverständnis könnte daran liegen, nicht empfänglich für demagogische Rede zu sein. Trotzdem sollten wir wissen, was die Kennzeichen von Demagogie sind, denn sie ist gefährlich. Sie kann Gesellschaften schwer schädigen und ihre Institutionen zerstören. Populisten kommen nämlich über Demagogie an die Macht. Und sie kommen, um zu bleiben – denn wenn sie gehen, müssen sie meistens ins Gefängnis. Wer ihre Machtergreifung verhindern will, muss also rechtzeitig handeln und bei Demagogie ansetzen. Dieser Beitrag fasst die Hauptmerkmale von Demagogie zusammen und zeigt zwei kurze Ausschnitte aus einem jugoslawisch-serbischen und einem türkischen Beispiel. WeiterlesenDemagogie
The following text was originally published by The Amargi on 25 January 2026. I am grateful to the Amargi team for proofreading, copy-editing and the smooth cooperation. In my contribution, I approach a topic central to my research project on neopopulism in the anthropocene: We badly need a new concept of security, one that is both human-centred and embracing non-human life—or what I call »inter-specific security«. WeiterlesenHow Rojava Underscores the Need for a New Security Paradigm in Europe
Wie schwer es den meisten Kommentatoren nach wie vor fällt, Eindeutigkeiten bei eindeutigem Namen zu nennen, aber auch ambivalente Komplizenschaften als solche zu dechiffrieren und zu erklären, das zeigt einmal mehr der Raubüberfall des US-Regimes auf das ressourcenreiche Venezuela. Das Land lag bis gestern jahrelang fest im Griff des populistischen Maduro-Regimes. „Frei“ ist Venezuela nun aber nicht — auch wenn willfährige Schönwetterkommentare eine solche Prognose mit geringster Überzeugungskraft zu lavieren versuchen.WeiterlesenReaktionen auf den Raubüberfall des US-Regimes auf Venezuela
In diesem Vortrag am 4. 12. 2024 wird es um die türkische Einflussnahme in Bosnien-Herzegowina, historische und politische Hintergründe sowie Auswirkungen in Deutschland gehen. Anschließend tauschen wir uns über eigene Beobachtungen aus und diskutieren, wie die türkischen Einflüsse auf hiesige Jugendliche wirken und zu bewerten sind. Dr. Thomas Schad ist Historiker mit den Schwerpunkten Südosteuropa / Türkei / Deutschland. In seiner Dissertation hat er den Zusammenhang zwischen muslimischer Emigration aus Jugoslawien in die Türkei, der öffentlichen Diplomatie des AKP-Regimes auf dem Balkan und den globalen Kontext des Neopopulismus erforscht.WeiterlesenVeranstaltung: Was will die Türkei in Bosnien?
Um zu möglichen Lösungen der bosnischen Stabilokratie zu gelangen, muss zuvor noch auf ihre Vorgeschichte sowie ihre Genese in Krieg und Nachkrieg eingegangen werden. Eine wesentliche Rolle im bosnischen Haus in der Stabilokratie spielen alte und neue ‚internacionalci‘. WeiterlesenDas bosnische Haus in der Stabilokratie (2): alte und neue Internacionalci
Während die spannungsgeladene Atmosphäre rund um die Wahlen im Mai inzwischen merklich heruntergekühlt ist, fragt dieser Beitrag noch einmal nach der bleibenden Bedeutung des Wahlverlaufs und seiner Ergebnisse. Dabei wird eine seltener beschriebene Perspektive auf die neopopulistischen Aspekte der Wahlen eingenommen: Alle türkischen Wahlkämpfe der letzten Jahre wurden nicht nur in der Türkei ausgetragen, sondern auch auf dem Balkan, in Deutschland, in den Niederlanden, den USA und weiteren Bühnen. Damit nimmt die Entwicklung in der Türkei auch Einfluss auf die Bildung öffentlicher Meinungen und Haltungen zu Demokratie in den genannten Ländern und ihren Gesellschaften. Wie auch in anderen neopopulistischen Dynamiken kommt es zu einer Weitung und Veränderung des Diskursraums.WeiterlesenDer Nachhall der türkischen Präsidentschaftswahlen 2023 in Berlin
Dieser Beitrag untersucht Parallelen in der Entwicklung autokratischer Herrschaft in Russland und der Türkei. Anhand der Aktivitäten beider Regime auf dem Westlichen Balkan werden einige der wichtigsten Herausforderungen für die liberale Demokratie aufgezeigt, wobei drei Hauptthesen verfolgt werden: Erstens sind revisionistische, neopopulistische Regime mit den genuinen Interessen der liberalen Demokratie unvereinbar (…)WeiterlesenAutokratisches Lernen: Parallelen des russischen und türkischen Neopopulismus (Südosteuropa Mitteilungen 5-6/2022)
Über die Lehrveranstaltung Geschichtsrevisionismus ist eine markante diskursive Strategie neopopulistischer Regime, die in den letzten Jahren verstärkt zu beobachten ist. Insbesondere im Krieg des Putin-Regimes gegen die Ukraine wird sie als Legitimationsgrundlage bemüht. Dennoch handelt es sich bei Geschichtsrevisionismus um ein Phänomen, das keineswegs erst im 21. Jahrhundert auftritt: Revisionismus ist so alt wie die…WeiterlesenSyllabus: Populismus, Revision und Geschichtsrevisionismus in Europa








