Dieser Text wurde im Open Source Format der »Berliner Zeitung« veröffentlicht und folgt einem vorher (26.02.2026) auf Englisch in »The Amargi« veröffentlichten Beitrag. Während die ganze Welt kurz vor den Luftangriffen der USA und Israels auf Iran über die Resilienz des dortigen Regimes spekulierte, erörterte ich die Frage, warum der besorgniserregende Grundwasserbankrott zwischen Zagros und Chorasan gar nicht in die Diskussionen einbezogen wird. Dabei ist die Grundwasserfrage eine der fundamentalsten Fragen für jedes politische Gemeinwesen, besonders in ariden Gebieten. Deswegen handelt es sich hierbei um einen »blinden Fleck« in der Resilienzdebatte, wie ich argumentiere.WeiterlesenIran: Der mächtigste Feind des Mullah-Regimes sind nicht die USA
Schlagwort: Klimawandel
Historiker führen gerne das Wort der Longue durée (lange Dauer) und beziehen sich dabei auf den französischen Historiker Fernand Braudel. Dieser hat mit dem Begriff eine Unterscheidung zur Ebene der mittleren Dauer (Moyenne durée) und der Ereignis-Ebene (événément) getroffen, wobei sich die longue durée durch besonders konstante, lang anhaltende Gegebenheiten oder Konstellationen von Akteuren im Zusammenspiel mit Landschaft, Umwelt, Klima und anderen Faktoren auszeichnet. Kann die Baustoffgeschichte, die ein fester Faktor in der Menschheitsgeschichte seit der Sesshaftwerdung ist, auch als Phänomen der longue durée gelten?WeiterlesenDie vier Säulen der fossilen Zivilisation (5): Longue durée und Materialität der anthropogenen Masse
In Teil 2 (Ökologie und einstürzende Neubauten) werden die bereits genannten Schattenseiten der Zement- und Betonproduktion vertieft behandelt, wozu es zunächst einmal nötig ist, sich mit den Eigenschaften der Rohstoffe zu beschäftigen. A propos „einstürzende Neubauten“ – und was ich hier nicht vertiefen werde: einen nicht unbeträchtlichen Anteil des Bauaufkommens macht die Instandhaltung von Gebäuden…WeiterlesenDie vier Säulen der fossilen Zivilisation (2): Ökologie und einstürzende Neubauten
Im Alltag sind wir ständig von Zement und Beton umgeben, die meisten von uns wohnen in Gebäuden aus diesen Baustoffen. Sie machen den schwersten Teil unserer sogenannten »anthropogenen Masse« aus – ohne, dass uns das ständig bewusst ist. Zement war in einer frühen Version schon den Römern bekannt, die aus dem Opus Caementitium unter anderem das Pantheon errichtet haben. Doch die Grundstoffe, aus denen Zement erst produziert werden muss, haben eine noch sehr viel ältere Geschichte, die unter anderem in Rüdersdorf bei Berlin zu Tage treten. Wer sich mit der Geschichte des Anthropozäns beschäftigen will, muss eigentlich bis ins Erdmittelalter zurückgehen.WeiterlesenDie vier Säulen der fossilen Zivilisation (1): Vom Pantheon zum Plattenbau
Die Beschäftigung mit Baustoffen kann helfen, den Blick für eigentliche, dingliche Fragen zu schärfen. Die nichtdingliche Sphäre scheint gerade die Oberhand über das Verständnis materieller Zusammenhänge zu gewinnen, was sich nicht zuletzt in den Grabenkämpfen des politischen Felds eindeutig beobachten lässt. In der Welt der polarisierten öffentlichen Meinungen läuft es immer auf eine Entscheidung zwischen Richtig/Gut oder Falsch/Schlecht hinaus. In der Frage des Bauens ist es sehr viel komplizierter, gleichzeitig ist kaum ein Thema relevanter. Einfache Antworten verbitten sich allein angesichts der zunehmenden Obdachlosigkeit und baufälliger Infrastruktur. Für Rechtspopulisten, ihre Nachahmer und Trittbrettfahrer mag es ein leichtes und billiges Spiel sein, mit ein paar gesottenen Sprüchen von den eigentlichen Problemen abzulenken. Für seriöse Akteure stellt hingegen kaum ein Thema eine größere Herausforderung dar als das Thema des Bauens und der Baustoffe im Anthropozän.WeiterlesenDie vier Säulen der fossilen Zivilisation: Das Beispiel Zement und Beton
In diesem Abschnitt will ich die Hauptunterschiede und Merkmale der Wald- und Forsttypen Altersklassenwald, Plenterwald und Dauerwald herausarbeiten — angefangen bei den problematischen Übertragungen aus der Agrar- in die Forstwissenschaft. Wie die knappe Rückschau auf das schon seit über 100 Jahren bestehende Konzept der Dauerwaldidee Alfred Möllers zeigt, tragen unsere Wirtschaftsforste besonders unter den heutigen Bedingungen und Kalamitäten an den Folgen dieser Fehlübertragungen. Höchste Zeit, vom Prinzip der „Holzäcker“ wegzukommen.WeiterlesenAltersklassenwald, Plenterwald, Dauerwald: zu echten Alternativen (Response Paper, Teil III)
Im vorangegangenen Response Paper zu Wilhelm Bodes Waldendzeit habe ich bereits viele zentrale Aspekte angesprochen, die in diesem zweiten Teil noch einmal an einigen Stellen vertieft werden sollen. In Abschnitt 2 werde ich auf das Problem falsch verstandener Waldliebe eingehen, das Bode an mehreren Stellen aufgreift und kritisiert. Dazu gehören auch Forderungen nach Renaturierung des…WeiterlesenWaldendzeit von Wilhelm Bode (Response Paper, Teil II)
Im Heine-Projekt geht es natürlich um Heinrich Heine, aber im Speziellen um einen Blick aus der gegenwärtigen, oft zitierten „Zeitenwende“ auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, die in der Historiographie auch als Sattelzeit bezeichnet wird. Es offenbaren sich nicht nur Parallelen zur Reaktion, die den Aufstieg des Neopopulismus begleitet, sondern auch erstaunliche Erkenntnisse zu umweltpolitischen Weichenstellungen, die sich erst über den Umweg der Metaphernanalyse erschließen.WeiterlesenDas Heine-Projekt: Blick aus der aktuellen Wendezeit auf eine historische Sattelzeit
Die Wälder und Forste Mitteleuropas sind so bedroht wie noch nie. Wilhelm Bode fordert in seinem Essay „Waldendzeit“ (2024) deswegen eine „kopernikanische Wende der Forstwirtschaft“ und der Waldbauwissenschaft — und zwar sofort. Mit dem Konzept der Dauerwaldwirtschaft Alfred Möllers aus den 1920er Jahren schlägt er eine sehr konkrete Alternative zu den bestehenden Altersklassenwäldern vor. Besonders interessant ist der Essay durch seine Zugänge zur Kunstgeschichte und verbreitete Waldbilder seit der Romantik und darüber hinaus.WeiterlesenWaldendzeit von Wilhelm Bode (Response Paper, Teil I)
Obwohl dieses Forschungsprojekt keine Studie des Klimawandels an sich ist, nimmt die Perspektive des Projekts die naturräumlichen Veränderungen als mehr als eine Begleiterscheinung wahr: aufgrund der Singularität und des schieren Ausmaßes der progressiven Klimakatastrophe muss von einer epochalen Wende hin zu einem neuen Zeitalter die Rede sein (Benner/Lax/Crutzen†/Pöschl/Lelieveld/Brauch 2021; Mauelshagen 2012; Bubenzer/Gebhardt/Keppler 2019; Pyritz &…WeiterlesenMeta-Katastrophe Klima und Neopopulismus
In Europa und weltweit geht es aus klimatischer Sicht in diesem Juli 2023 vor allem heiß her — und in politischer und touristischer Hinsicht drunter und drüber. Mit einer globalen Durchschnittstemperatur von sensationellen 17 Grad Celsius war es noch nie so heiß wie in diesem Jahr. Die Werte des Südwinters, der Antarktis und der Arktis sind darin schon eingerechnet und nehmen dieser Temperatur jede Milde. Doch wie so oft zählt am stärksten der subjektive Eindruck — und je nach Standort kann dieser unterschiedlich ausfallen. Weiterlesen„Aufgeheiztes Klima“: der Diskurs über Erderwärmung, europäischen Tourismus und Migration
„(…) wir sind uns nicht sicher über die Beschaffenheit oder, besser, die Konsistenz der Welt, in der wir handeln sollen. Sie ist uns fremd geworden. Wir sind buchstäblich „nicht mehr bei uns“. Ungeachtet der Bewegungen und Gegenbewegungen der vorangegangenen Epochen kann man sagen, dass sie „wussten, wo sie hingehen“, da sie sich modernisierten.“
(Bruno Latour und Nikolaj Schultz)WeiterlesenTheorien & Methoden (2): Zeitenwende, Metamorphose der Welt und Anthropozän
Fear is a survival response. Fear makes us run, it makes us leap, it can make us act superhuman. But we need somewhere to run to. Without that, the fear is only paralyzing. Angst ist eine Überlebensreaktion. Angst lässt uns rennen, sie lässt uns springen, sie kann uns übermenschlich handeln lassen. Aber wir brauchen einen…WeiterlesenKlima und Wissenschaft: die Kunst der richtigen Vermittlung












