Ist der »Rock Bottom« Moment für pluralistische Demokratien hinsichtlich ihrer digitalen Unmündigkeit und mangelnden Souveränität nun endgültig erreicht, auf gesamtgesellschaftlicher wie auf staatlicher Ebene? Wohin es führt, wenn ein Staat und seine Gesellschaft sich nicht effektiv gegen die Oligarchisierung von Big Tech-Plattformkapitalisten wehren und diese das Ruder in vormals staatlichen Domänen übernehmen, wird ausgerechnet am mächtigsten demokratischen Staat der Welt nun erschreckend klar. In der Diskussion schlage ich ein paar Ideen für konkrete Maßnahmen zur Demokratieförderung vor, die sich nicht auf Löscharbeiten und Symptomeindämmung beschränken.WeiterlesenBig Tech und Demokratieschädigung: Nehmen wir digitale Mündigkeit endlich ernst!
Kategorie: Neovox
Public Diplomacy erfährt gerade durch die Angriffe auf die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann neue Aufmerksamkeit, weil neben individuellen Meinungen orchestriert erscheinende Diffamierungsstrategien zum Einsatz kommen. Dabei geht es wenig darum, was die Journalistin tatsächlich gesagt oder gemeint hat. Die Auseinandersetzung auf Plattformen wie Instagram spiegelt auf Kosten der Journalistin vielmehr ein Kampffeld mit zwei Haupteinsätzen wieder: Zum einen geht es um identitätsgebundene, selektive Solidarität, wodurch Solidarität als Wert an sich verwässert wird. Zum anderen kämpfen identitäre Akteure unterschiedlicher Couleur, zwischen Pop-Islamisten und Hasbara-Aktivisten, um Aufmerksamkeit für sich selbst und ihre eingeengte Sicht. Die Herausforderung besteht darin, nicht aus Identitätsgründen an Kritik zu sparen und Solidarität von Identität zu entkoppeln. Unsere Gesellschaft braucht dringend Vertrauen, und das ist nur über die Verpflichtung auf die allgemeinen, universellen Menschenrechte zu erreichen. Eines von zahlreichen Plädoyers gegen Identitätspolitik.WeiterlesenZwischen Hasbara und Pop-Islamismus: Solidarität als diskursives Schlachtfeld
Die berauschende Wirkung der Betrachtung Amerikas nach der Mamdani-Wahl mag eine spezifisch deutsche Note haben. Sie stillt aber bestimmt auch ein globales Bedürfnis nach Hoffnung, nach Feelgood, und zwar so, wie es Drogen tun: zur Selbstmedikation gegen die Übertrumpung. Doch wie fair ist es, Zohran Mamdani mit den Erwartungen an einen Heilsbringer zu überfrachten? Was ist vom journalistischen Echo zu halten – und welche Gefahren drohen aus einer waffenstarrenden und polarisierten Gesellschaft?WeiterlesenDie Waffen aus „High School Radical“ und der optimistische Blick auf Zohran Mamdani: widersprüchliche Nachrichten aus den USA
Das aktuelle Beispiel eines soeben erschienenen Tagesschau-Interviews zur jüngsten Israel/Iran-Eskalation offenbart im Kontrast zu einem gleichzeitig veröffentlichten Guardian-Artikel über Absicht und Grund des Netanjahu-Regimes zum neuerlichen Waffengang nicht nur einen Mangel an faktischer Kontextualisierung, sondern verdient vor allem pragmalinguistische Analyse. So können sprechaktliche Absicht leichter identifiziert, fundierte mediale Empfehlungen in einem globalen, neopopulistischen Kontext ausgesprochen werden. Neben dem Vergleich erweisen sich die Sprachakttheorie und das Feld der Verheckungsstrategien als geeignete Mittel. Der Beitrag erscheint im Kapitel NEOVOX, wo es um sprachliche Charakteristika entgrenzter, neopopulistischer Diskurse geht.WeiterlesenWirklichkeitsbeugung (II): Sprechakt und Heckenausdrücke im Presse-Echo zur Israel/Iran-Eskalation
Ständig reden alle von Storytelling. Zentrales Motiv dabei: die Heldenreise. Aber was sind heute Helden? Sind diese nicht suspekt und gefährlich? Wie „postheroisch“ ist unsere Gesellschaft? Andererseits: Wie sind die Erfolge der Tech-Oligarchen einzuordnen, die im Storytelling des Meinungsjournalismus als „Bros“ bezeichnet werden, aber sich selbst wie Helden inszenieren? Demokraten haben ihnen oft nicht mehr als Pessimismus und Selbstkasteiung entgegenzusetzen. Es ist eine Win-Lose-Beziehung.WeiterlesenHelden, „Bros“, Oligarchen: euer Pessimismus, ihr Ambrosia
GRM: Brainfuck ist der erste Teil einer dystopischen Trilogie einer durch den Neoliberalismus heruntergewirtschafteten Welt. Die Hauptprotagonisten des Romans sind vier Jugendliche namens Hannah, Karen, Don und Peter. Ein ganz zentrales Thema in GRM ist das Überwachungssystem. Die Überwachung funktioniert über Chips, die den Menschen eingepflanzt werden, aber auch über die weitreichende Pazifizierung der Gesellschaft, die über ein Grundeinkommen und Ausflüchte in Virtual Reality ruhig gestellt wird.WeiterlesenRezension: Sibylle Bergs Dystopie GRM Brainfuck
Mit dem Meinungskapitalismus ist noch ein weiteres Problemfeld eng verbunden, das der Historiker und Philosoph Justin E. H. Smith als Aufmerksamkeitskrise bezeichnet hat. Im Gegensatz zu Studien, die sich hauptsächlich mit den technischen Eigenschaften von Manipulation durch Plattform-Algorithmen beschäftigen, beschreibt Smith in seinem Essay die Folgen für die menschliche Urteilsfähigkeit, die aus Sucht, Abhängigkeitsverhältnissen und verminderter Konzentrationsfähigkeit entstehen.WeiterlesenCrisis of attention: vom Touchscreen in die Verwirrung
Der Begriff Meinungskapitalismus ist kein etablierter Begriff. Er wird in diesem Open Science Projekt in Anlehnung an den Begriff des Plattformkapitalismus verwendet, der ab ca. 2014 im deutschsprachigen Raum auftaucht und durch Nick Srnicek 2016 das erste Mal in seinem Buch Plattform-Kapitalismus theoretisch konzeptualisiert worden ist. Ich werde versuchen, in diesem ersten Beitrag den Zusammenhang zwischen der streng binären Meinungsbildung im digitalisierten öffentlichen Raum einerseits und der Art und Logik ihrer Erzeugungsweise über sogenannte „Social Media“ andererseits aufzuzeigen. WeiterlesenWas ist Plattform- und Meinungskapitalismus?







