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Essay Neopolis

Was passiert mit den Menschenrechten, wenn der Anthropozentrismus aufgegeben wird?

Hannah Arendt stand den universellen Menschenrechten äußerst skeptisch gegenüber: Wer, wenn nicht ein funktionaler Rechtsstaat demokratischer Verfassung, könnte sie schon als allgemeines Recht allen Menschen garantieren? Das mangelnde »Recht, Rechte zu haben« hat heute viele Fürsprecher verloren. Wer jetzt auch noch fordert, die Zentralität des Menschen aufzugeben, bewegt sich in eine Bringschuld: Welches ethisch-rechtliche Argument soll in Zukunft gegen Genozide und massenhafte Verbrechen gegen die Menschlichkeit ins Feld geführt werden, wenn der Anthropozentrismus aufgegeben wird? Es war historisch gesehen schließlich neben den ungeheuerlichen Verbrechen der Nazis die Vorstellung der herausragenden Besonderheit des Menschen, aus der die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte hervorgegangen ist.

Der Holocaust und die übrigen monströsen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs machten es evident, dass eine rechtliche Lösung zu finden war, die der Formel „Nie wieder!“ Bindungskraft gäbe. Mit der Charta der Vereinten Nationen wurde noch 1945 die UNO gegründet, gefolgt von der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Dezember 1948. Das funktionale, praktische und juristische Problem der Menschenrechte war damit aber nicht gelöst, weshalb eine Reihe weiterer, flankierender Organisationen gegründet wurden. In Europa war das die Gründung des Europarats (Conseil d’Europe / Council of Europe) 1949, als Sub-Organisation der UNO unter anderem das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) 1950, sowie eine breite Palette sogenannter Menschenrechtsorganisationen, unter denen Amnesty International (gegr. 1961) und Human Rights Watch (gegr. 1978) die bekanntesten sind.

In den aufstrebenden Demokratien Europas konnte nach den genozidalen Barbareien des Zweiten Weltkriegs die Schwere der de facto mangelnden Durchsetzbarkeit der Menschenrechte lange hintergründig bleiben: Im Inneren herrschte eine weitgehend funktionierende Rechtsstaatlichkeit vor, als deren Korrektive die freie Presse und eine ausgeprägte Zivilgesellschaft zu funktionieren schienen. Klaffte auch immer schon ein Golf zwischen Sein (nach Außen) und Schein (im Inneren), so gehört es dennoch zu den historischen Errungenschaften des globalen Westens und Nordens, Asylgesetzgebungen und Flüchtlingsschutzverordnungen hervorgebracht zu haben, die in den Menschenrechten ankerten und viele Lebensläufe nachhaltig veränderten.

Paradoxerweise konnten Staaten wie die USA – um nur das wichtigste Beispiel zu nennen – Kriege führen und Konflikte befeuern, die Menschenrechtsverletzungen hervorbrachten, aber dennoch als intakte Demokratie im Inneren gelten. Im Verbund mit wirtschaftlicher Prosperität entfalteten sie nach außen trotzdem enorme Strahlkraft und Attraktivität: Sie verfügten über Soft Power. Auch west-, mittel- und nordeuropäische Länder galten nach dem Zweiten Weltkrieg unzähligen Dissidenten, Exilanten, Flüchtlingen und Einwanderern als ideale Destination. Wer vor Verfolgungen und Überwachung in einer Diktatur sicher sein wollte und es sich leisten konnte, wählte das Exil in Paris, London oder Stockholm. Sogar Deutschland, das den Zweiten Weltkrieg zu verantworten hatte und dessen ungeheuerliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Folge den Begriff Genozid hervorbrachten, hatte bis 1993 eine vorbildliche Asylgesetzgebung und wandelte sich vom international geächteten Verbrecherstaat zu einem Einwanderungsland. Das Grundgesetz der BRD schreibt im Artikel 1 die Unantastbarkeit der Menschenwürde und die Unverletzlichkeit und Unveräußerlichkeit der Menschenrechte fest.

Heute erscheinen sich alle vermeintlichen Gewissheiten aufzulösen. Die USA befinden sich in den Fängen eines demagogisch versierten, populistisch an die Macht gekommenen, oligarchischen Regimes. Weltweit stehen autokratische Männer mit zweifelhaften, aber offenbar überzeugenden Versprechungen von Stärke und Stabilität in der Gunst der öffentlichen Meinungen. Neopatriarchal verstandene Religionen und Identitätsentwürfe mit anthropozentrischen Schöpfungsgeschichten, Evolutionserzählungen und Reproduktionskulten sind en vogue. Im postfaschistischen Deutschland versprechen rechtspopulistische und rechtsradikale Akteure eine demagogisch zurechtgebastelte „Alternative“, die keine einzige, faktengeprüfte Antwort auf die Herausforderungen des anthropogenen Klimawandels beinhaltet. Die Liste von Phänomenen der Auokratisierung und des Neopopulismus ist schier endlos. Die Autokratisierungswelle ist beim Schreiben dieses Beitrags voll im Gange, während Westeuropa unter einem sogenannten Hitzedom unter nie dagewesenen Rekordtemperaturen im Juni ächzt. Um die universellen Menschenrechte und eine grundsätzliche Abkehr von den Ursachen des anthropogenen Klimawandels mit seinen katastrophalen Folgen ist es keinem der oben genannten Neopopulisten bestellt.

Jetzt melden sich also auch noch Stimmen, die fordern, den Anthropozentrismus — die zentrale Stellung des Menschen über allen übrigen Lebewesen — zu revidieren. Die Allgemeinen Menschenrechte sind jedoch ein Zeigerphänomen des Anthropozentrismus, wonach sich im Grunde alles um die Menschheit und die Würde des Menschen dreht. Was soll aber auf die universellen Menschenrechte folgen, wenn man ihren Anker lichtet? Welche Richtung ist einzuschlagen, wenn verhindert werden soll, dass keinerlei Norm mehr zwischen den Klimawandelfolgen und den zweifellos kommenden Ressourcenkonflikten von ungekannten Ausmaßen steht? Ist es wirklich ratsam, das ganze Haus einzureißen, ohne eine bezugsfertige, klimaresiliente Alternative bereitzustellen?

Demographie und Evolutionsbiologie: Potenzial für genozidale Exzesse

Ich will diese Diskussion mit einem kurzen Rückblick auf eine Evolutionsbiologin und Denkerin beginnen, die als wichtige Referenz für Vertreter:innen mehr-als-menschlicher oder interspezifischer Sicherheit gilt. Wie in der Rezension von Lynn Margulis’ Buch Der symbiotische Planet – oder wie die Evolition wirklich verlief schon angesprochen, waren einige Aussagen der verdienten Autorin und Evolutionsbiologin in der Tat kontrovers. In einem Nachruf des Laborjournals wird dies auch ungeschönt wiedergegeben – so zum Beispiel Margulis‘ unhaltbare Aussagen zu HIV und Aids. Margulis hatte etwa behauptet, Aids werde nicht durch das HI-Virus ausgelöst, sondern sei eine neue Form der Syphilis, die von Spirochäten verursacht werde. Bedenkt man, dass Spirochäten gewissermaßen die „Lieblingsbakterien“ von Margulis waren, liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um eine Form professioneller Deformation handeln könnte. Es ist heute nicht eine Sache der Meinung, sondern der Fakten, dass Margulis mit ihrer Vermutung falsch lag. Zu ihren Ideen in der Gesamtbilanz wird im Nachruf des Laborjournals festgestellt:

Richtig waren sie sicher nicht immer — aber das ist durchaus normal in der Wissenschaft. Andere große Köpfe haben neben ihren echten Pioniertaten bisweilen noch größeren Schrott produziert als Lynn Margulis (sic!), siehe etwa Isaac Newton oder Linus Pauling. Dennoch werden sie heute zu Recht für ihre „wahren“ Erkenntnisse gefeiert.1

Natürlich ist die Reihe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlen, die große Beiträge geleistet haben, die andererseits aber auch den Stoff für Instrumentalisierungen durch autokratische und menschenfeindliche Regime geliefert haben, noch sehr viel länger. Es kommt schließlich nicht nur darauf an, welche Abwege die jeweiligen Wissenschaftler:innen selbst eingeschlagen haben. Oft war viel folgenreicher, was andere Personen noch Jahre oder Jahrzehnte nach ihrem Tod daraus gemacht haben. Man denke nur an Darwins Evolutionsbiologie mit dem Prinzip der Selektion, die als verballhorntes „Recht des Stärkeren“ (bzw. Herbert Spencers „Survival of the fittest“) von den deutschen Nazis als pseudo-wissenschaftliche Legitimationsgrundlage für die Ideologie der Eugenik („Rassenhygiene“) ihrer Genozide gegen Juden, Roma und Sinti sowie gegen behinderte Menschen, Homosexuelle und andere Bevölkerungsgruppen missbraucht wurde.

Ohne Margulis irgendeine Absicht in dieser Richtung unterstellen zu müssen, bergen einige ihrer Aussagen zumindest das Potenzial für neuen Sprengstoff, der nicht erst in ferner Zukunft bedrohlich für die Menschheit sein kann. Graduelle Bedrohungsszenarien – damit meine ich: zunächst für vulnerable Gruppen von Menschen, schließlich für große Massen – erscheinen durchaus vorstellbar und realistisch, indem biologistische Argumente erneut politisch eingespannt und missbraucht werden. Man muss sich dazu nur einmal einige relativ realistische Migrationsszenarien der Klimawandelfolgen vor Augen führen.

Die Klimawandelfolgenforschung verwendet den Begriff der inhabitablen Zonen, um Gebiete zu bezeichnen, in denen es in Zukunft unmöglich sein wird, dauerhaft zu wohnen. Weite Teile Südasiens mit Indien und Pakistan als extrem dicht besiedelte Länder, der Mittlere Osten und Nordafrika unter Einschluss der gesamten Arabischen Halbinsel und des Persischen Golfs, die gesamte Sahelzone Afrikas und weitere subsaharische Gebiete, aber auch austrocknendende, tropische Zonen Brasiliens werden dazu gerechnet. Es ist absolut klar und nachvollziehbar, dass die Menschen aus diesen inhabitablen Zonen versuchen werden, sich in habitable Zonen zu flüchten, wo sie aller Voraussicht nach nicht mit offenen Armen empfangen werden – um es harmlos auszudrücken. Wir sehen diese Konflikte heute bereits sehr konkret am Horizont aufziehen – etwa in der Drohung des Irans, als Reaktion auf die US-Angriffe die Meerwasserentsalzungsanlagen der hyperariden Golfstaaten zu zerstören. Obwohl diese Staaten momentan als sehr wohlhabend gelten, wären sie ohne diese Anlagen auf einmal unbewohnbar.

Doch was passiert, wenn aus anderen Gründen die Wasserversorgung zusammenbricht, die Temperaturen nicht über enormen Energieverbrauch (und CO2-Ausstoß) gemildert werden können und auch Deals mit autokratischen Gatekeepers, die Flüchtlinge vor der Weitermigration in Richtung größtmöglicher Habitabilität zurückhalten, wegbrechen oder überfordert sind? Wie wahrscheinlich und durchsetzbar wäre es, um es ganz unverblümt an die Wand zu malen, dass an den Außengrenzen der habitablen Zonen Schießbefehle erteilt werden? Ich denke nicht, dass dies nach den Entwicklungen der letzten Jahrzehnte viele Menschen unvorstellbar finden.

Und damit komme ich zurück zu Lynn Margulis, deren evolutionsbiologische Forschunsgergebnisse gewissemaßen ambivalent nutzbar sind: Wer es darauf anlegt, könnte menschenfeindliche Schlüsse daraus ziehen. Bei zynischer Lesart birgt das folgende Zitat – in die Hände faschistischer Ideologen geraten – das Potenzial, Genozide zu legitimieren, weil das menschliche Bevölkerungswachstum darin problematisiert wird. Die Berechtigung menschlicher Präsenz könnte über die Instrumentalisierung direkt oder indirekt delegitimiert werden, wie wir aus der Geschichte wissen. Ich hebe einige Stellen fett hervor:

„Gaia in ihrer ganzen symbiogenetischen Pracht ist von ihrem Wesen her expansiv, raffiniert, ästhetisch, uralt und äußerst widerstandsfähig. Kein Einschlag eines Planetoiden, keine Atombombenexplosion hat Gaia als Ganzes jemals ernsthaft bedroht. Wir Menschen beweisen unsere Dominanz bisher nur auf eine einzige Art: durch Ausbreitung. Wir sind nach wie vor unverschämt, grob und unmündig, auch wenn wir immer zahlreicher werden. Unsere Zähigkeit ist eine Wahnvorstellung. Haben wir so viel Klugheit und Disziplin, dass wir unserem Hang zu unbeschränkter Vermehrung widerstehen werden? Die Erde wird nicht zulassen, dass unsere Bevölkerung immer weiter zunimmt. Unbegrenzt wachsende Populationen von Bakterien, Heuschrecken, Küchenschaben oder Gräsern brechen immer irgendwann zusammen, erstickt in ihren eigenen Abfällen, die eine Folge von Übervölkerung und Nahrungsmangel sind.“2

Ich muss die Schlussfolgerungen nicht genauer ausführen, denn es ist bekannt, dass ganz ähnliche Hygiene-Metaphern und biologistische Argumente oder Vergleiche in der Moderne oft pervertiert wurden, um massenhafte Gewalt zu legitimieren. Das demographische Argument, dass man dem Bevölkerungswachstum entgegentreten müsse, wird seit Jahrzehnten in diversen Narrativen zur Überbevölkerung adressiert und ist dahingehend nichts neues. Teils wurde der Entwicklung des demogaphischen Wachstums auch schon direkt durch antinatalistische Maßnahmen begegnet, wie etwa durch die frühere Ein-Kind-Politik in China. Die Menschheit hat längst bewiesen, dass Genozide kein unwahrscheinliches Szenario darstellen, ob in der Geschichte oder in der Gegenwart. Wie die rassistische Lebensraum-Ideologie als einer der Grundpfeiler der deutschen Nazis zeigte, können Ressourcenfragen relativ leicht und bis zur Unkenntlichkeit und Unauftrennbarkeit mit identitären „Argumenten“ verquickt werden – mit katastrophalen Folgen für die betroffene, schwächere Bevölkerungsgruppe.

In diesem Zusammenhang müssen, ausgehend von der Gaia-Hypothese und der Forderung nach Aufgabe des menschlichen Exzeptionalismus und Anthropozentrismus, die Menschenrechtsfrage und ihre Aporien neu diskutiert werden. Hier gilt es natürlich außerdem gleichzeitig, sich der realen Problematik der schieren Zahl von Menschen, aber auch „ihrer“ Tiere (wie Rindern), zu stellen, ohne katastrophalen Szenarien den Weg zu ebnen. Unter den Aporien ist zunächst das zu verstehen, was Hannah Arendt schon als problematisch angeführt hatte, nämlich die mangelnde Umsetzbarkeit bzw. Absicherung der Menschenrechte außerhalb nationalstaatlich verfasster Gemeinwesen. Doch die Neuauflage der Aporien verschärft sich noch einmal ganz grundlegend, wenn sich das Prinzip von Staatlichkeit verändert, parastaatliche oder suprastaatliche Oligarchien nationalstaatliche Hoheitsbereiche übernehmen (wie in den USA) und die ethisch-moralische und metaphysische Grundlage der Menschenrechte in Frage gestellt wird. Ich sehe mich natürlich selbst mit diesem Problem konfrontiert, denn ich bin überzeugt von der Notwendigkeit interspezifischer und mehr-als-menschlicher Sicherheit.

Gegen menschlichen Exzeptionalismus und Anthropozentrismus argumentieren nicht nur Lynn Margulis und James Lovelock, sondern auch andere Vertreterinnen und Vertreter der Gaia-Hypothese, darunter Donna Haraway, Isabelle Stengers und Bruno Latour3, aber auch zahlreiche weitere Vertreter von Tierrechten oder auch des Posthumanismus; so ist es sogar zur Formulierung sogenannter »Posthumrechte« gekommen.4 Das Problemfeld des sogenannten Transhumanismus und der „dunklen Prophetie“ von machtvollen Vertretern der heutigen Tech-Eliten in den USA, zum Beispiel Peter Thiels, ist damit noch gar nicht angesprochen.5

Was wir bisher haben – sofern von Haben in diesem Zusammenhang die Rede sein kann – sind die Menschenrechte mitsamt ihrer schon von Hannah Arendt problematisierten Aporien: Das Recht, Rechte zu haben war de facto von Anfang an Bürgerinnen und Bürgern vorbehalten, die eine erweiterte Version der Menschenrechte in Gestalt der Bürgerrechte ihres Rechtsstaats hinter sich wussten (genauer dazu im Beitrag vom 28. Januar 2026).6 Wer nicht zu dieser privilegierten Gruppe zählte, konnte seit jeher Opfer von Entrechtung und Gewalt werden – ohne, dass die dafür Verantwortlichen effektiv zur Rechenschaft gezogen oder ihre Verbrechen gar rechtzeitig durch Intervention gestoppt werden konnten. Von interspezifischen Rechten oder mehr-als-menschlichen Sicherheiten ist in traditionellen Sicherheitskonzepten, in deren Zentrum Nationalstaaten stehen (ob Rechtsstaaten oder nicht), gar keine Rede.

Die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen ist im Prinzip ein Zeigerphänomen des Anthropozentrismus. In der Allgemeinen Menschenrechtserklärung dominiert einzig und allein das Menschliche, wobei Humanität, Humanismus und Menschenrechte entweder aus der Sphäre verschiedener Weltreligionen abstrahiert oder über eine Ersatztranszendenz wie den kantianischen Universalismus legitimiert werden. Das Ganze funktioniert nicht sehr gut, wie die aktuellen geopolitischen und auch nationalstaatlichen Entwicklungen zeigen – und für die Zukunft verheißt es gar nichts Gutes, wenn nun auch noch die Reste des gedanklich-rechtlichen Gebäudes ersatzlos eingerissen werden sollten. Die im Namen der universellen Menschenrechte errichteten Institutionen – zum Beispiel der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg oder die Adhoc-/Sonderstrafgerichtshöfe für Kriegsverbrechen – erscheinen heute fragiler denn je. An dieser Realität gemessen dürfen sich die Palästinenserinnen und Palästinenser zum Beispiel nicht die geringste Hoffnung machen, dass ihnen die genannten Institutionen Gerechtigkeit bringen könnten.

Gleichzeitig werden Menschenrechte von rechts-identitärer wie von „linker“, identitätspolitischer Seite verwässert, diffamiert oder zu einer Angelegenheit selektiver Sympathiebekundung degradiert. Die Hochkonjunktur von Identität hat allerdings auch zu einer lebhaften intellektuellen Auseinandersetzung und gedanklichen Verteidigung der Menschenrechte geführt, die in einer Hinsicht fruchtbar für die Politisierung der Gaia-Hypothese sein könnte. Der Philosoph Omri Boehm hat beispielsweise einen eindringlichen, durchaus überzeugenden Aufruf zu einem radikalen Universalismus verfasst, dessen wichtigster Aspekt sein Verweis auf die Notwendigkeit einer metaphysischen Autorität oberhalb der Menschenrechte und des Menschen ist. Ähnlich wie seinerzeit Kant, der es geschafft hatte, eine metaphysische Ethik außerhalb der Religion und des abrahamitisch-göttlichen Nomos zu formulieren, ohne das Gebäude der Religion insgesamt einzureißen, müsste es auch heute gelingen, zu einem radikalen Universalismus zu gelangen, der nicht so tut, als könne je der Mensch die oberste Autorität sein. Ratio allein und damit das selbstvernehmliche Alleinstellungsmerkmal des Menschen, so Boehm, werde immer früher oder später daran scheitern, dass die menschliche Autorität irgendwann missbraucht oder delegitimiert und damit wertlos werde. Auch wenn Boehm keine abschließende Antwort im Sinne einer umfassenden, interspezifischen Lösung geben kann, so trifft der damit grundsätzlich doch den entscheidenden Punkt: Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, der universell, global, erdsystemisch ist.7

Grundsätzliche Probleme mit Paradigmenwechsel

Aber wie sähe dieser Paradigmenwechsel genau aus, ohne ideologisch oder spirituell zu verklumpen? Wäre der Kern der Gaia-Hypothese, also das Prinzip der „streng naturwissenschaftlichen“ Homöostase eines Geflechts aus interdependenten Ökosystemen, wie es Lovelock formuliert hat, die wahre Erkenntnis, an der sich alle Politiken fortan orientieren sollten? Ich denke, im Kern trifft es das. Wie kann sich ein solches Denken durchsetzen, während populistische Wahlkampfslogans Erfolge feiern, die sich dezidiert gegen Naturschutz aussprechen?1Wie während des Verfassens dieses Beitrags auf Wahlkampfplakaten der CDU in Berlin zu lesen ist. Link: Auto verbieten? Verboten! Nein zum Volksbegehren „Berlin autofrei Könnte man die Balance von Terra oder Gaia zu einer Art höchster, metaphysischer Autorität ausstatten? Und wenn ja: Wie gelänge der Paradigmenwechsel? Ich bin davon überzeugt, dass Boehms Forderung nach radikalem Universalismus eine richtige Forderung ist, sofern sie eine erdsystemische, interspezifische Lösung umfasst. Im Grunde steht nichts anderes hinter dem Wort Universalismus.

Margulis’ „wahre Erkenntnisse“ jedenfalls, wie im Nachruf angesprochen, haben bereits zu einem Paradigmenwechsel im kleineren Rahmen beigetragen, auch wenn die Autorin das Wort »Paradigma« im vorliegenden Buch (im Gegensatz zum Interview im Anschluss) nicht verwendet. Trotzdem beschreiben ihre autobiographischen Erfahrungen mit der starren Taxonomie und ihre erkämpften Errungenschaften im wissenschaftlichen Feld ziemlich genau die Logik dessen, was Thomas S. Kuhn in seiner »Struktur wissenschaftlicher Revolution« als normale Wissenschaft, als ihre Krise und schließlich den Vorgang des Paradigmenwechsels bezeichnet hat. Bemerkenswerterweise äußerte sich Lynn Margulis in einem Interview von 2002 (wiedergegeben als Teil des Nachrufs des Laborjournals) direkt zu Thomas Kuhn, zur Frage des Paradigmas und zum viel weniger bekannten Autor Ludwik Fleck:8

„Es gab einen fantastischen polnischen Juden, Ludwik Fleck. Er hat auf deutsch ein Buch geschrieben, „Die Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache“. Thomas Kuhn etwa, der später eine Art Standardwerk über die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen schrieb, kannte es. Und er hat zugegeben, dass er die meisten seiner Ideen von Fleck hat. Meiner Meinung nach hat er alle Ideen von ihm. Fleck zeigt beispielsweise auf, dass jeder Wissenschaftler innerhalb seines Denk-Kollektivs arbeitet. Er zeigt, dass kontroverse Dinge vor allem dort Schlachten verursachen, wo Denkstile lange sehr ähnlich waren. Wie bei Bruderkriegen.“9

Ist die Gaia-Hypothese von der Homöostase und Propriozeption heute tatsächlich noch ein solches »kontroverses Ding«, nachdem die serielle Endosymbiontentheorie weitgehend Anerkennung und Eingang in Schulbücher gefunden hat – wenn man einmal von kreationistischen Regimen und Revisionisten absieht? Zumindest ist ihr Gaia-Kapitel, das sie wie einen offenen Arbeitsauftrag an den Schluss des Buches gesetzt hat, von anhaltender Relevanz.

Gaia ist meines Erachtens ohne Zweifel eine wichtige Referenzidee für alle, die sich mit dem Für und Wider des Begriffs »Anthropozän« auseinandersetzen – und denen an einer politischen Lösung und Erweiterung anthropozentrischer Sicherheitsparadigmen gelegen ist. Denn wenn es ein wissenschaftlich fundiertes, interspezifisches oder mehr-als-menschliches Sicherheitsparadigma geben soll, dann muss es auf eine konkrete, praxisbezogene Vorstellung des Erdsystems referieren. Rein theoretische, philosophische Abhandlungen genügen wahrscheinlich in der Praxis ebenso wenig, wie gruppenbezogene, identitätsbasierte Solidarität den Planeten retten können.

Interspezifische Sicherheit, mehr-als-menschliche Sicherheit oder Abkehr vom Anthropozentrismus stellen bislang, gelinde gesagt, randständige Ideen dar. Noch nicht einmal in der Historiographie – wo man in mehr-als-menschlicher Geschichte eigentlich ein vielversprechendes, durchaus untererforschtes Feld sehen und sich gierig auf neue Forschungsvorhaben stürzen müsste – haben sich Forschungsdesigns durchgesetzt, die dem Anthropozentrismus ein Ende bereiten würden. Immer wieder lese ich von neuen Forschungsvorhaben, in denen es um rein menschliche Angelegenheiten gehen soll. Ich weiß, dass es hart und vielleicht auch vernichtend klingen mag, aber ich frage mich tatsächlich, wohin anthopozentrische Fragestellungen heute noch führen sollen.

Berücksichtigt man, dass alle Klimaziele, Konferenzen und Vereinbarungen weitgehend Lippenbekenntnisse geblieben oder sogar immer vehementeren Angriffen ausgesetzt sind, dann sind diese neuen Ideen tatsächlich das „kontroverse Ding“ der Gegenwart. Auf Sicherheitskonferenzen oder dem männerischen Parkett nervöser Außen- und Geopolitik vom Schlage der gegenwärtigen Regime der USA, der Russländischen Föderation, Indiens und Pakistans, der Golfstaaten und des Irans, Chinas, der Türkei und vieler weiterer Staaten werden derlei Ideen gar nicht erst ernst genommen. Oft genug wird das Treiben sekundiert von der Politikberatung, die „geopolitische Interessen“ wie den arktischen Ressourcenreichtum direkt oder indirekt einfach trotzdem weiterhin so behandelt, als könnte es in Zukunft noch darum gehen. Auch wenn die Erdsystemforschung nicht mehr wirklich „neu“ ist und sehr vieles über den anthropogenen Klimawandel bekannt ist, bleiben Konzepte dazu – fast erscheint es wie Trotzigkeit – neue Ideen. Über neue Ideen schrieb Margulis:

„Jede neue Idee stößt auf Kritik, insbesondere in der Naturwissenschaft, wo Kritik in Form begutachteter Veröffentlichungen und wiederholbarer Experimente institutionalisiert ist. Die Vorstellung von Gaia erfordert, dass Geochemiker, Atmosphärenchemiker und auch Meteorologen naturwissenschaftliche Kenntnisse außerhalb ihres eigenen Fachgebiets besitzen. Sie müssen sich mit Biologie und insbesondere mit Mikrobiologie befassen. Aber akademische Apartheid lässt den Widerstand aufleben. Die Anerkennung von Gaia würde zu einem Vorgehen zwingen, zu dem die Menschen in verwandten Disziplinen nicht bereit sind.“10

Nicht bereit sein: Meiner Ansicht nach betrifft diese Herausforderung, oder, in Margulis’ drastischeren Worten: »akademische Apartheid«, die Geistes- und Sozialwissenschaften noch stärker als die Naturwissenschaften. Hier sind die Herausforderungen und Berührungsängste mit Sicherheit noch größer als innerhalb der MINT-Fächer. In einem Interview mit Margulis, das in einem Nachruf des Laborjournals nachgedruckt wurde, erklärt sie einen Teil der Schwierigkeiten, die mit neuen Erkenntnissen einhergehen, mit Verständnisschwierigkeiten:

Mein erstes Paper wurde abgelehnt und ging verloren. Es ging wirklich verloren. Zum großen Teil, weil die Editoren und Gutachter nur das sehen können, was genau in ihr Format passt. Und wenn es in Form und Inhalt eben nicht passt, dann sehen sie es nicht einmal. Sie legen es auf ihren Schreibtisch und vergessen es. Das Problem ist, wenn Sie versuchen, etwas wirklich Neues zu sagen, dann müssen sie es mit Worten sagen, die alt sind. Das ist sehr schwierig. Wenn Sie es in den alten Worten sagen, dann heißt es: „Was ist daran neu?“ Wenn Sie neue Worte finden, etwa Neologien machen, dann heißt es: „Was ist das für ein Unsinn?“ Es wird nicht verstanden.11

Ich frage mich, was diese Verständnisschwierigkeiten erst für die vor uns stehende Aufgabe bedeuten muss, eine sozialwissenschaftliche Disziplin wie die Wirtschaftswissenschaft mit mikrobiologisch und evolutionsbiologisch fundierten Erdsystemtheorien wie der Gaia-Hypothese zu versöhnen? Wie soll es gelingen, das Theorem des Wirtschaftswachstums – welches vielen Ökonomen und Politikern wie ein unverrückbares, sogar sinnstiftendes Kernmodul ihres wirtschaftlichen Denkens erscheint – mit erdsystemischen Tatsachenbeobachtungen wie der Keeling-Kurve, der Endlichkeit fossiler Energiequellen, der drohenden Wechselwirkungen zwischen der Atlantischen Umwälzströmung (AMOC / Golfstrom), den bereits stattfindenden und künftigen Klimakriegen, Genozid-Szenarien und Migrationsbewegungen zu vereinbaren?12

Die Herausforderung ist gewaltig, weil sie systemisch ist und weil es sich bei der Phantasie des endlosen Wachstums um eine fehlgeleitete Ideologie par excellence handelt: Wie Ulrike Herrmann in ihrem Buch Das Ende des Kapitalismus überzeugend argumentiert, ist Kapitalismus, dem immer Wachstum inhärent ist, gar nicht mit Klimaschutz vereinbar. Auch grünes Wachstum sei ausgeschlossen; stattdessen schlägt sie „grünes Schrumpfen“ vor.13 Bedenkt man, wie radikal und gleichzeitig fundiert Herrmanns Forderungen tatsächlich sind – viel radikaler und fundierter als kommunistische Ideologien und realsozialistische Projekte des 20. Jahrhunderts, die zu äußerst nervösen Reaktionen kapitalistischer Systeme geführt haben! – dann ist es eigentlich ganz erstaunlich, dass es um diese und zahlreiche weitere Publikationen, die zu ganz ähnlichen Schlüssen gelangen, bisher so ruhig geblieben ist.

Eine Erklärung dafür dürfte sein, dass das bestehende Paradigma ausgesprochen resilient ist und sich seine Vertreter für erhaben halten (aus welchen abwegigen, meist materiell verbrämten Gründen auch immer): Fürsprecher traditioneller Sicherheit scheinen sich entweder nicht darüber im Klaren zu sein, dass viele ihrer Grundfesten zukunftslos sind – oder es ist ihnen einfach egal. Auch zur Zählebigkeit alter Paradigmata, die im Lichte der genannten Tatsachenbeobachtungen zunehmend bizarr erscheinen, fand Margulis im Interview von 2002 Worte, die ganz klar einen Paradigmenwechsel postulieren:

„Zum Paradigmenwechsel kommt es, wenn mehr und mehr Daten akkumulieren. Und in diesem Fall sieht die Klassifizierung absurd aus. Sie ist bizarr. Sie hat nichts mit der Wissenschaft zu tun, nur mit der sozialen Organisation der Wissenschaftler. Wenn man dann beginnt, die Wissenschaft anzuschauen und nicht die Leute und das Soziale — dann fällt das Gebäude auseinander.“14

Festzustellen, dass wir uns längst in einer Situation befinden, die nicht anders als bizarr zu bezeichnen ist, kommt einem Stating the obvious gleich. Denn was kann es bizarreres geben als der nervöse Taumel des Trump-Regimes in Bezug auf Grönland, um nur das wirklich allerplakativste Beispiel zu nennen? Da steht die Aussicht eines zunehmend eisfreien Polarmeers mit freier Schiffspassage und zugänglicher, vorher eisbedeckter Landmassen im Raum – verursacht durch den emissionsgetriebenen Klimawandel – und Trump und seinen Tech-Bros fällt nichts besseres ein, als auf noch mehr Emissionsverbrennung durch die Inbesitznahme und Ausbeutung grönländischer Ressourcen zu spekulieren? Doch das ist nur die eine Seite. Denn ganz gleich, wie viele Regime sich noch dazu entscheiden wollen, zu einer einfältigen Weltsicht einer patriarchalen, extraktivistischen Ordnung zurückzukehren, um ihr zukunftsloses Paradigma am Leben zu halten: The news is out. Alles scheint eine Frage der Zeit zu sein – und ob diese Zeit für den Menschen als Spezies noch ausreicht. Abschließen will ich mit folgendem Zitat von Margulis, das sich freilich höchstens wie ein schwacher Trost lesen lässt:

„In der Regel muss man dazu warten, bis jemand stirbt. Ich erinnere mich daran, als wir in Boston Plattentektonik unterrichteten. Die Senior Members der Fakultät hassten Plattentektonik. Sie fanden, es gibt keine Beweise dafür, sie hatten andere lächerliche Ideen. Ehe sie starben, war jedoch niemand in der Lage, wirklich Plattentektonik zu unterrichten. Es gibt nur wenige Beispiele dafür, dass die alten Leute ihre Meinung ändern. Es gibt ein paar Ausnahmen, aber in der Regel sind es nicht die alten Leute, die die großen Beiträge leisten.“15

Fußnoten

1 Laborjournal: „Lynn Margulis: Nachruf und Interview « Laborjournal Blog“ (24.11.2011), https://www.laborjournal.de/blog/?p=3870 (abgerufen am 30.04.2026). Vgl. auch Kutschera, Ulrich: „Lynn Margulis: Symbiogenesis‐Theorie und Anti‐Darwinismus“, in: Biol. Unserer Zeit 42/1 (2012), S. 67–70.

2 Margulis: Der symbiotische Planet oder Wie die Evolution wirklich verlief, S. 168-169.; Mit dieser Problematik setzt sich auch Donna Haraway in »Unruhig bleiben« auseinander, wenn auch bedauerlicherweise nur in den Anmerkungen, obwohl diese Frage von enormer Bedeutung ist. Im letzten Kapitel von »Unruhig bleiben« bilden die von ihr entworfenen Kompostistengemeinschaften über fünf Generationen hinweg Drei-Eltern-Beziehungen anstatt Ein-Kind-Familien, um das Bevölkerungswachstum im Laufe der vier Jahrhunderte um mehrere Milliarden von Menschen zu senken. Vgl. Haraway, Donna: Unruhig bleiben: Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän, übers. von. Karin Harrasser, 1. Auflage Aufl., Weinheim: Campus Verlag 2018, S. Anmerkung 19 (Kapitel 8), 299.

3 Latour, Bruno: Kampf um Gaia: acht Vorträge über das neue Klimaregime, übers. von. Achim Russer und Bernd Schwibs, 3. Auflage Aufl., Berlin: Suhrkamp 2023 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2350); Löffler, Petra: „Gaias Fortune. Kosmopolitik und Ökologie der Praktiken bei Latour und Stengers“, in: Friedrich, Alexander u. a. (Hrsg.): , meson press 2018; Stengers, Isabelle: „Accepting the Reality of Gaia“, in: Hamilton, Clive, Christophe Bonneuil und François Gemenne (Hrsg.): Anthr. Glob. Environ. Crisis, 1. Aufl., Routledge 2015, S. 134–144.

4 Vgl. Evans, Woody: „Derechos posthumanos: Dimensiones de los mundos transhumanos“, in: Teknokultura 12/2 (2015), S. 373–384.

5 Jäger, Michael: „Endzeitfaschismus im All: Was denken Peter Thiel, JD Vance und Yarvin wirklich?“, in: Freitag , https://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/endzeitfaschismus-im-all-was-denken-peter-thiel-jd-vance-und-yarvin-wirklich (abgerufen am 18.02.2026); Herbelot, Aurelie: „Elon Musks Neuralink und die Ideologie des Transhumanismus: Was hat er vor?“, in: Freitag , https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/elon-musks-neuralink-und-die-ideologie-des-transhumanismus-eine-traumverbindung (abgerufen am 18.02.2026); Herbelot, Aurelie: „Rechte Tech-Ideologien: Wie die NRx-Bewegung Einfluss auf die Politik nimmt“, in: Freitag , https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-monarchie-2-0-ist-nur-einen-klick-entfernt (abgerufen am 18.02.2026).

6 Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft, München / Zürich: Piper 2003; Arendt, Hannah und Andreas Wirthensohn: Die Freiheit, frei zu sein, Deutsche Erstausgabe, 2. Auflage Aufl., München: dtv 2018 (dtv 14651); Heuer, Wolfgang, Bernd Heiter und Stefanie Rosenmüller (Hrsg.): Arendt-Handbuch, Stuttgart: J.B. Metzler 2011.

7 Boehm, Omri: Radikaler Universalismus: jenseits von Identität, übers. von. Michael Adrian, Berlin: Propyläen 2022; Boehm, Omri: Israel – eine Utopie, übers. von. Michael Adrian, 3. Auflage Aufl., Berlin: Propyläen 2023; Neiman, Susan: Links ≠ woke, übers. von. Christiana Goldmann, aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, 5. Auflage Aufl., Berlin: Hanser 2024; „Aleida Assmann und Susan Neiman zur Causa Mbembe – Die Welt reparieren, ohne zu relativieren“ (2020); Mounk, Yascha: Im Zeitalter der Identität Der Aufstieg einer gefährlichen Idee, übers. von. Helmut Dierlamm und Sabine Reinhardus, 1. Auflage 2024, ungekürzte Ausgabe Aufl., Stuttgart: Klett-Cotta 2024; McWhorter, John H.: Die Erwählten wie der neue Antirassismus die Gesellschaft spaltet, übers. von. Kirsten Riesselmann, 1. Auflage Aufl., Hamburg: Hoffmann und Campe 2023.

8 Kuhn, Thomas S.: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, übers. von. Hermann Vetter, Zweite revidierte und um das Postskriptum von 1969 ergänzte Auflage, 27. Auflage Aufl., Frankfurt am Main: Suhrkamp 2023 (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 25), S. 25–36; 79 ff.

9 Laborjournal: „Lynn Margulis: Nachruf und Interview « Laborjournal Blog“; Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache: Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv, 3. Aufl Aufl., Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994 (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 312).

10 Margulis: Der symbiotische Planet oder Wie die Evolution wirklich verlief, S. 164-165.

11 Laborjournal: „Lynn Margulis: Nachruf und Interview « Laborjournal Blog“.

12 In meinem Studium der Osteuropastudien war in der Teildisziplin Wirtschaftswissenschaft N. Gregoy Mankiw’s Lehrbuch »Principles of Economics« ein Standardlehrbuch, in dem Economic Growth, also Wachstum, völlig unhinterfragt als substanziell gelehrt wurde, und ich fürchte, dieses und weitere Lehrwerke, wie Paul A. Samuelson’s und William D. Nordhaus’ Lehrbuch »Economics«, werden in immer neuen Auflagen weiter gelehrt. Mankiw, N. Gregory: Principles of economics, 2nd ed Aufl., Fort Worth, TX: Harcourt College Publishers 2001, S. 529 ff.; Samuelson, Paul Anthony und William D. Nordhaus: Economics, Seventeenth edition, international edition Aufl., Boston: McGraw-Hill/Irwin 2001, S. 411 ff.

13 Herrmann, Ulrike: Das Ende des Kapitalismus: warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden, 5. Auflage Aufl., Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch 2022.

14 Laborjournal: „Lynn Margulis: Nachruf und Interview « Laborjournal Blog“.

15 Ebd.

Referenzen

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