Hannah Arendt stand den universellen Menschenrechten äußerst skeptisch gegenüber: Wer, wenn nicht ein funktionaler Rechtsstaat demokratischer Verfassung, könnte sie schon als allgemeines Recht allen Menschen garantieren? Das mangelnde »Recht, Rechte zu haben« hat heute viele Fürsprecher verloren. Wer jetzt auch noch fordert, die Zentralität des Menschen aufzugeben, bewegt sich in eine Bringschuld: Welches ethisch-rechtliche Argument soll in Zukunft gegen Genozide und massenhafte Verbrechen gegen die Menschlichkeit ins Feld geführt werden, wenn der Anthropozentrismus aufgegeben wird? Es war historisch gesehen schließlich neben den ungeheuerlichen Verbrechen der Nazis die Vorstellung der herausragenden Besonderheit des Menschen, aus der die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte hervorgegangen ist.WeiterlesenWas passiert mit den Menschenrechten, wenn der Anthropozentrismus aufgegeben wird?
Schlagwort: Interspezifische Sicherheit
»Wir Menschen gleichen unseren Mitbewohnern auf der Erde. Wir können der Natur kein Ende setzen, sondern nur zu einer Bedrohung für uns selbst werden. Die Vorstellung, wir könnten alles Leben zerstören, einschließlich der Bakterien, die in den Wassertanks von Kernkraftwerken oder in siedend heißen Quellen gedeihen, ist lächerlich.« Dieses Zitat stammt von Lynn Margulis, der 2011 verstorbenen Evolutionsbiologin, die durch ihr lebenslanges Studium von Bakterien eine wissenschaftliche Revolution bewirkt hat. Man könnte auch sagen: Diese allerkleinsten Lebewesen haben durch Margulis‘ Vermittlung unser Denken und Wissen über Evolution grundlegend verändert. Um Lynn Margulis geht es in dieser essayistischen Rezension ihres Buches »Der symbiotische Planet – oder wie die Evolution wirklich verlief«, das auch ein wissenschaftliches Plädoyer für die Gaia-Hypothese ist.WeiterlesenLynn Margulis: Der symbiotische Planet
Der Begriff Anthropozän navigiert seit der Jahrtausendwende durch die Öffentlichkeit, ausgehend von der Geologie und benachbarten Gefilden des Wissenschaftsdiskurses. Inzwischen hat das Anthropozän weite Verbreitung gefunden. Überall bietet es sich an, als neuer Epochenbegriff endlich alles erfassen zu können, was mit dem menschengemachten Klimawandel zu tun hat. Doch begrifflich bleibt es umstritten. Interdisziplinäre Wissenschaftler:innen begegnen dem Anthropozän mit Skepsis, gar Ablehnung: Wieder einmal wird der namensgebende Mensch (anthropos) zu stark ins Zentrum von Terra gerückt, so die Kritik. Wer diese gut nachvollziehbaren Einwände besser verstehen will und neugierig auf alternative Vorschläge ist, findet in Donna Haraways Buch »Unruhig bleiben: Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän« eine unverzichtbare, aber auch stark befrachtete Orientierungshilfe.WeiterlesenDonna Haraway: Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän
Dieser Text wurde im Open Source Format der »Berliner Zeitung« veröffentlicht und folgt einem vorher (26.02.2026) auf Englisch in »The Amargi« veröffentlichten Beitrag. Während die ganze Welt kurz vor den Luftangriffen der USA und Israels auf Iran über die Resilienz des dortigen Regimes spekulierte, erörterte ich die Frage, warum der besorgniserregende Grundwasserbankrott zwischen Zagros und Chorasan gar nicht in die Diskussionen einbezogen wird. Dabei ist die Grundwasserfrage eine der fundamentalsten Fragen für jedes politische Gemeinwesen, besonders in ariden Gebieten. Deswegen handelt es sich hierbei um einen »blinden Fleck« in der Resilienzdebatte, wie ich argumentiere. Ist das islamistische Regime im Iran reif für den Sturz? Ja, glauben die Frauen und Männer in der iranischen Diaspora. Trotz der unaussprechlichen Gräueltaten, die die Revolutionsgarde im Januar begangen hat, halten sie an dieser Hoffnung fest. WeiterlesenIran: Der mächtigste Feind des Mullah-Regimes sind nicht die USA
This text was originally published by The Amargi on 26 February 2026. In the text, I argue that freshwater bankruptcy is a missing variable in manifold forecasts about the Islamic Republic’s stability. Geopolitics and repression matter, but so do aquifers, seasons, and decades of water mismanagement that have turned potable water into a strategic limit on daily life. Is the Islamist regime of Iran ripe for fall? Many voices in the Iranian diaspora firmly stand to this prospect, despite the unspeakable atrocities committed by the IRGC in January. As a German-Iranian activist recently put it (shared in a video on Instagram), the regime “will not live to see next year”, pointing to the Iranian New Year (Nowruz) on March 20-21. Spring is an important reminder that the regime’s fate has more to do with weather and seasons than widespread (geo-)political forecasts may suggest. The impact of climate change on current developments is treated largely as a blind spot, yet climate distress and Iran’s water bankruptcy are the primary reasons why the Iranian regime is, in effect, unsustainable.WeiterlesenFreshwater Bankruptcy as the Blind Spot in Iran Forecasts
Normale Wissenschaft (normal science) ist ein analytischer Begriff, den Thomas S. Kuhn schon Anfang der 1960er Jahre geprägt hat, und zwar in der Prägung des größeren Überbegriffs Paradigma. Paradigmen (Paradigmata) beschreiben eine grundsätzliche Übereinkunft dessen, was sag- und denkbar ist, nachdem es sich in einem erprobten Rahmen bewährt hatte: Nicht umsonst sprechen wir von (Wissenschafts-)Disziplinen.…WeiterlesenNormale Wissenschaft und das iranische Geleit: Hier ist gar nichts mehr »normal«
Heute ist der 27. Januar, der Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee. Zum Glück, so muss man angesichts der Absonderlichkeiten unserer Gegenwart hinzufügen, ist heute mit einer Kaskade von Wortmeldungen und Erinnerungsappellen an die Terrorherrschaft der Nazis und den ersten industriell verübten Völkermord der Geschichte zu rechnen. Ich vertraue darauf, dass…WeiterlesenVom Holocaust zu den Aporien der Außenpolitik: Warum Arendts »Recht, Rechte zu haben« heute Einspruch verlangt
Daniel Schreiber hat es wieder einmal geschafft: In gewohntem Duktus und nur zwei Jahre nach seinem letzten Buch »Allein« hat er seinen neuen Personal Essay »Liebe! Ein Aufruf« veröffentlicht. Er verfolgt damit ein großes Ziel: Er will Licht und Hoffnung für die auf verfahrene Weise niedertriebige Dynamik in liberalen Demokratien stiften. Ich muss wohl kaum eigens begründen, warum dies gerade in diesen lichtarmen Tagen von besonders großem Wert ist. Ob es ihm gelingt, diesem Treiben ausgerechnet mit Liebe etwas entgegenzusetzen?WeiterlesenResponse Paper: Liebe! Ein Aufruf (Daniel Schreiber)
Nach dem sechsteiligen Podcast „Die Peter Thiel Story“ frage ich mich in diesem Beitrag, was mit dem Mythos großer Intelligenz, mit der späten Enzauberung des Silicon Valleys als Hort der Freiheit sowie der Rolle pseudoreligiöser Kategorien im neopopulistischen, oligarchischen und destruktiven Geleit auf geopolitischer Bühne anzufangen ist. Am Ende bleiben zwei offene Fragen: Wie sollten liberale, prodemokratische Verfechter universeller Menschenrechte mit Religion umgehen? Wie kann es gelingen, die Wirkmächtigkeit metaphysischer Kategorien dem neurechten, illiberalen Handlungsraum effektiver als bisher zu entkoppeln?WeiterlesenResponse Paper: Die Peter Thiel Story (Podcast)








