Misstrauensgemeinschaften ist ein Begriff, den der Soziologe Aladin El-Mafaalani jüngst geprägt hat. Besonders hochkomplexe Gesellschaften sind auf eine großes Maß von Vertrauen angewiesen, während dieses immer stärker vom Misstrauen verdrängt wird. Zunehmende Kontrollmaßnahmen können Vertrauen funktional nicht ersetzen, wie in einem Umkehrschluss zum Lenin zugeschriebenen Satz „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Eher verstärken sie das Misstrauen, dessen Zunahme insgesamt immer wahrscheinlicher werde. Neu an der aktuellen Misstrauenskonjunktur ist, dass sich unter den Misstrauischen Misstrauensgemeinschaften bilden, die durch den Wegfall alter Gatekeeper ein erhöhtes Gefühl von Selbstwirksamkeit spüren. Um diese problematische Entwicklung für demokratische Gemeinwesen geht es in El-Mafaalanis neuem Buch.WeiterlesenAladin El-Mafaalani: Misstrauensgemeinschaften
Schlagwort: Eva Illouz
Wählen benachteiligte Gruppen in demokratischen Gesellschaften ihren eigenen Henker? Sind Menschen fehlgeleitet, wenn sie in vermeintlichen oder echten Krisenzeiten für Populisten stimmen? Anlass gibt es genug, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, auch wenn es in vielen Ländern längst nicht mehr um Wahlen geht, wie am eindrucksvollsten die Verheerungen des Populismus in den USA zeigen. Der Begriff der »fehlgeleiteten Ideologie« bietet sich als eine Möglichkeit an, Erklärungen für den Erfolg von Populisten zu bündeln. Quasi als Gegenteil der viel beschworenen Wissensgesellschaft basieren hohe Zustimmungswerte für Populisten auf der erfolgreichen Konstruktion von »Pseudo-Umwelten«. Das Erfolgsrezept ist ein Cocktail aus Wissenschaftsfeindlichkeit, Vermarktung von Gefühlen auf sozialen Medien und Streuung von populistischem Gegenwissen.WeiterlesenFehlgeleitete Ideologie (I): Wie wissenschaftsfeindliche Populisten mit viel Gefühl Pseudo-Umwelten herstellen
Emotionen und Affekte bilden Triebfedern des neopopulistischen Progresses weltweit. Wie in der Logik des Geschichtsrevisionismus, wo Gefühle über Fakten herrschen, regiert der Populismus über ein niedertriebiges Affektregister. Ressentiment nimmt dabei eine prominente Stellung ein. Sowohl Eva Illouz als auch Cynthia Fleury tragen in ihren Arbeiten wichtige Erkenntnisse bei zum Verständnis darüber, warum gerade von Ungleichheit gebeutelte Demokratien so anfällig für kollektive Ressentiments sind.WeiterlesenRessentiment als protofaschistische Triebfeder bei Eva Illouz und Cynthia Fleury
Ist der »Rock Bottom« Moment für pluralistische Demokratien hinsichtlich ihrer digitalen Unmündigkeit und mangelnden Souveränität nun endgültig erreicht, auf gesamtgesellschaftlicher wie auf staatlicher Ebene? Wohin es führt, wenn ein Staat und seine Gesellschaft sich nicht effektiv gegen die Oligarchisierung von Big Tech-Plattformkapitalisten wehren und diese das Ruder in vormals staatlichen Domänen übernehmen, wird ausgerechnet am mächtigsten demokratischen Staat der Welt nun erschreckend klar. In der Diskussion schlage ich ein paar Ideen für konkrete Maßnahmen zur Demokratieförderung vor, die sich nicht auf Löscharbeiten und Symptomeindämmung beschränken.WeiterlesenBig Tech und Demokratieschädigung: Nehmen wir digitale Mündigkeit endlich ernst!
Daniel Schreiber hat es wieder einmal geschafft: In gewohntem Duktus und nur zwei Jahre nach seinem letzten Buch »Allein« hat er seinen neuen Personal Essay »Liebe! Ein Aufruf« veröffentlicht. Er verfolgt damit ein großes Ziel: Er will Licht und Hoffnung für die auf verfahrene Weise niedertriebige Dynamik in liberalen Demokratien stiften. Ich muss wohl kaum eigens begründen, warum dies gerade in diesen lichtarmen Tagen von besonders großem Wert ist. Ob es ihm gelingt, diesem Treiben ausgerechnet mit Liebe etwas entgegenzusetzen?WeiterlesenResponse Paper: Liebe! Ein Aufruf (Daniel Schreiber)




