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Essay Neopolis

Was passiert mit den Menschenrechten, wenn der Anthropozentrismus aufgegeben wird?

Hannah Arendt stand den universellen Menschenrechten äußerst skeptisch gegenüber: Wer, wenn nicht ein funktionaler Rechtsstaat demokratischer Verfassung, könnte sie schon als allgemeines Recht allen Menschen garantieren? Das mangelnde »Recht, Rechte zu haben« hat heute viele Fürsprecher verloren. Wer jetzt auch noch fordert, die Zentralität des Menschen aufzugeben, bewegt sich in eine Bringschuld: Welches ethisch-rechtliche Argument soll in Zukunft gegen Genozide und massenhafte Verbrechen gegen die Menschlichkeit ins Feld geführt werden, wenn der Anthropozentrismus aufgegeben wird? Es war historisch gesehen schließlich neben den ungeheuerlichen Verbrechen der Nazis die Vorstellung der herausragenden Besonderheit des Menschen, aus der die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte hervorgegangen ist.WeiterlesenWas passiert mit den Menschenrechten, wenn der Anthropozentrismus aufgegeben wird?

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Essay Neostory

Die Misstrauensgemeinschaften von Treptow (1): Eine kosmopolitisierte Assemblage im superdiversen Berlin

Fehlendes Vertrauen kann in Gestalt organisierter Misstrauensgemeinschaften durchaus manifest und sichtbar werden. Ein Paradebeispiel dafür ist die alljährliche Gedenkveranstaltung zum 9. Mai in Berlin-Treptow am Sowjetischen Ehrenmal. Wie in Moskau und anderen postsowjetischen Städten wird an diesem Tag in Treptow der extrem verlustreiche Sieg der Roten Armee in der Schlacht um Berlin über Nazideutschland, die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Berlin-Karlshorst und das Ende des 2. Weltkriegs auf europäischem Boden gefeiert. Zu den Feierlichkeiten erschienen auch in diesem Jahr hier wie an den anderen Ehrenmälern der Stadt Vertreter des offiziellen Russlands, der Botschaften anderer GUS-Staaten und eine breite Palette von individuellen, familiären und politisch organisierten Gruppen, einander teils offen verfeindet. Diese widersprüchliche Mischung aus Mensch und Ort steht in diesem Essay im Mittelpunkt.WeiterlesenDie Misstrauensgemeinschaften von Treptow (1): Eine kosmopolitisierte Assemblage im superdiversen Berlin

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Buchtipp Neopolis

Lynn Margulis: Der symbiotische Planet

»Wir Menschen gleichen unseren Mitbewohnern auf der Erde. Wir können der Natur kein Ende setzen, sondern nur zu einer Bedrohung für uns selbst werden. Die Vorstellung, wir könnten alles Leben zerstören, einschließlich der Bakterien, die in den Wassertanks von Kernkraftwerken oder in siedend heißen Quellen gedeihen, ist lächerlich.« Dieses Zitat stammt von Lynn Margulis, der 2011 verstorbenen Evolutionsbiologin, die durch ihr lebenslanges Studium von Bakterien eine wissenschaftliche Revolution bewirkt hat. Man könnte auch sagen: Diese allerkleinsten Lebewesen haben durch Margulis‘ Vermittlung unser Denken und Wissen über Evolution grundlegend verändert. Um Lynn Margulis geht es in dieser essayistischen Rezension ihres Buches »Der symbiotische Planet – oder wie die Evolution wirklich verlief«, das auch ein wissenschaftliches Plädoyer für die Gaia-Hypothese ist.WeiterlesenLynn Margulis: Der symbiotische Planet

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Buchtipp Neopolis

Donna Haraway: Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän

Der Begriff Anthropozän navigiert seit der Jahrtausendwende durch die Öffentlichkeit, ausgehend von der Geologie und benachbarten Gefilden des Wissenschaftsdiskurses. Inzwischen hat das Anthropozän weite Verbreitung gefunden. Überall bietet es sich an, als neuer Epochenbegriff endlich alles erfassen zu können, was mit dem menschengemachten Klimawandel zu tun hat. Doch begrifflich bleibt es umstritten. Interdisziplinäre Wissenschaftler:innen begegnen dem Anthropozän mit Skepsis, gar Ablehnung: Wieder einmal wird der namensgebende Mensch (anthropos) zu stark ins Zentrum von Terra gerückt, so die Kritik. Wer diese gut nachvollziehbaren Einwände besser verstehen will und neugierig auf alternative Vorschläge ist, findet in Donna Haraways Buch »Unruhig bleiben: Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän« eine unverzichtbare, aber auch stark befrachtete Orientierungshilfe.WeiterlesenDonna Haraway: Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän