Alle Teilnehmer der Fest-Assemblage waren informiert durch Akteure außerhalb Deutschlands. Alle waren geprägt von wechselseitigem Misstrauen, und alle stellten direkt oder indirekt Bezüge zur räumlichen, symbolischen und narrativen Komposition des Sowjetischen Ehrenmals her. Die Verwendung von Symbolen und Begriffen diverser Friedensbewegungen und des Antifaschismus gestaltete sich ausgesprochen widersprüchlich. Das Gesamtbild lässt sich am besten über die Metapher der »Bricolage« oder Bastelei erklären: Während in der Bastelkiste grundsätzlich allen die gleichen Diskursschnippsel zur Verfügung standen, griff jede Misstrauensgemeinschaft zu derjenigen Kombinationsmöglichkeit, die ihren eigenen Bedürfnissen am besten entsprach. So konnten aus den Basteleien am Ende widersprüchliche Bedeutungen von »Frieden« oder »Antifaschismus« entstehen.WeiterlesenDie Misstrauensgemeinschaften von Treptow (5): Frieden und Antifaschismus als widersprüchliche Bricolagen
Schlagwort: Bricolage
Meistens bietet sich die Treptower Anlage den versprenkelten Besuchern als gepflegter, sauberer Ort dar. Das Ehrenmal strahlt durch seine imposante Architektur, die heroische Symbolik und die lebendige Vegetationsmetaphorik zu jeder Jahreszeit eine monumentale Ruhe aus. Irritierend wirkt auf viele Besucher die mindestens sechzehnfache, unkommentierte Verbrämung Josef Stalins in kyrillischer und lateinischer Goldschrift auf jedem einzelnen der narrativ bebilderten Steinsarkophage. »So sehen wir uns heute mit dem einzigartigen Umstand konfrontiert, mitten in Berlin einem stalinistisch geprägten Gesamtkunstwerk in Reinform gegenüberzustehen.« (Peter Fibich)WeiterlesenDie Misstrauensgemeinschaften von Treptow (3): Die zentrale Dramaturgie der Verdrängung des Todes

