Worum geht es am 9. Mai in Treptow heute, nachdem das von den Erbauern konzeptualisierte Narrativ einer kommunistischen, säkularen Ewigkeit obsolet geworden ist? Die Einschätzungen gehen stark auseinander: Die einen meinen, dass es sich um ein „russisches Volksfest“ handelt, während die nächsten finden, es gehe in erster Linie um eine russische Propagandaschlacht. Wie ich in den folgenden Absätzen zuerst am Beispiel des quasi-religiösen Zeremoniells und einer Neuauflage der sowjetischen Idee heldenhafter Unsterblichkeit zeige, spielen bei den Festteilnehmern symbolische Kontinuitäten ebenso eine Rolle wie neu verbastelte Versatzstücke und Praktiken aus dem Spektrum der Religion. Die Frage, worum es hier neben dem Aussähen und Einhegen von Misstrauen eigentlich geht, so meine Behauptung, lässt sich durch die Heterogenität der Assemblage gar nicht eindeutig beantworten, weil ganz offenkundig völlig unterschiedliche Anliegen und Interessen die unterschiedlichen Teilnehmer zum Treptower Ehrenmal führen.WeiterlesenDie Misstrauensgemeinschaften von Treptow (4): Kosmopolitisierung, Superdiversität und Autokratisierung in Berlin
