Haargenau ein Jahr vor der beispiellosen Hitzewelle in Europa hat die AfD zwei Gesetzesentwürfe in den Deutschen Bundestag eingebracht, die forderten, alle Maßnahmen zu stoppen oder rückgängig zu machen, die den Folgen des anthropogenen Klimawandels Rechnung tragen. Stattdessen soll wieder billiges Gas aus Russland kommen, weshalb die AfD als wichtigste kremlnahe Partei Deutschlands gilt. Trotzdem ließ sich die Partei am 9. Mai nicht am Sowjetischen Ehrenmal blicken: Zur Schlacht um Berlin und zum Zweiten Weltkrieg insgesamt werden in der rechtspopulistischen Partei diametral andere Ansichten gepflegt als in Moskau. Über die Widersprüche einer angeblich »ostdeutschen Partei« – im sechsten Teil des Essays über neopopulistische Misstrauensgemeinschaften.WeiterlesenDie Misstrauensgemeinschaften von Treptow (6): Die abwesende AfD zwischen Klimawandelfolgenleugnung, Revisionismus und Russland
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Fehlendes Vertrauen kann in Gestalt organisierter Misstrauensgemeinschaften durchaus manifest und sichtbar werden. Ein Paradebeispiel dafür ist die alljährliche Gedenkveranstaltung zum 9. Mai in Berlin-Treptow am Sowjetischen Ehrenmal. Wie in Moskau und anderen postsowjetischen Städten wird an diesem Tag in Treptow der extrem verlustreiche Sieg der Roten Armee in der Schlacht um Berlin über Nazideutschland, die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Berlin-Karlshorst und das Ende des 2. Weltkriegs auf europäischem Boden gefeiert. Zu den Feierlichkeiten erschienen auch in diesem Jahr hier wie an den anderen Ehrenmälern der Stadt Vertreter des offiziellen Russlands, der Botschaften anderer GUS-Staaten und eine breite Palette von individuellen, familiären und politisch organisierten Gruppen, einander teils offen verfeindet. Diese widersprüchliche Mischung aus Mensch und Ort steht in diesem Essay im Mittelpunkt.WeiterlesenDie Misstrauensgemeinschaften von Treptow (1): Eine kosmopolitisierte Assemblage im superdiversen Berlin
Wählen benachteiligte Gruppen in demokratischen Gesellschaften ihren eigenen Henker? Sind Menschen fehlgeleitet, wenn sie in vermeintlichen oder echten Krisenzeiten für Populisten stimmen? Anlass gibt es genug, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, auch wenn es in vielen Ländern längst nicht mehr um Wahlen geht, wie am eindrucksvollsten die Verheerungen des Populismus in den USA zeigen. Der Begriff der »fehlgeleiteten Ideologie« bietet sich als eine Möglichkeit an, Erklärungen für den Erfolg von Populisten zu bündeln. Quasi als Gegenteil der viel beschworenen Wissensgesellschaft basieren hohe Zustimmungswerte für Populisten auf der erfolgreichen Konstruktion von »Pseudo-Umwelten«. Das Erfolgsrezept ist ein Cocktail aus Wissenschaftsfeindlichkeit, Vermarktung von Gefühlen auf sozialen Medien und Streuung von populistischem Gegenwissen.WeiterlesenFehlgeleitete Ideologie (I): Wie wissenschaftsfeindliche Populisten mit viel Gefühl Pseudo-Umwelten herstellen


