Bibliographische Angabe: Haraway, Donna (2018): Unruhig bleiben: Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän. Frankfurt/New York: Campus Verlag.
Donna J. Haraway
Donna Jeanne Haraway ist eine feministische Naturwissenschaftshistorikerin aus Kalifornien, wo die emeritierte Professorin zuletzt an der University of California in Santa Cruz tätig war. Sie ist vor allem durch ihr 1985 veröffentlichtes Buch A Cyborg Manifesto: Science, Technology, and Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century bekannt geworden, in dem sie eine techno-utopische Zukunftsvision entfaltet, in deren Zentrum die Cyborg steht – ein Wesen, das Eigenschaften sowohl von Menschen als auch von Maschinen hat.1 In der Folge hat sie ausführlich zu mehr-als-menschlichen Beziehungen, unter anderem zwischen Hunden und Menschen als sogenannte Companion Species, publiziert.2

In Unruhig bleiben tauchen sowohl techno-utopische Bezüge zum Cyborg Manifesto auf, als auch Begriffe wie Kritter (Critter) als Sammelbegriff für mehr-als-menschliche Arten, den sie bereits in ihrer früheren Publikation When Species Meet verwendet. Weiterhin ist Haraway stark von Ursula Le Guins Tragetaschentheorie des Erzählens (Carrier Bag Theory of Fiction) inspiriert, wonach nicht fortschrittliche »Killergeschichten« mit einem meist männlichen Helden, sondern Lebensgeschichten (life stories) „in Rundungen“ im Zentrum der Erzählung stehen sollten.3 Von dieser post-heroischen Herangehensweise ist Haraways Methode des „spekulativen Fabulierens“ stark geprägt.4 Das Besondere am Hintergrund der Autorin ist, dass sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen als ausgebildete Biologin mit literarischen und soziologischen Ansätzen verbindet. Dabei versucht sie, Antworten auf politische Fragen der Gegenwart und immer dringlichere Zukunftsperspektiven außerhalb altgedienter – gescheiterter – Paradigmata zu finden. Die Dringlichkeit hinter dieser nicht-optionalen, normativen Suche nach Antworten auf einem beschädigten Planeten nennt sie »Responsabilität« (response-ability), was als einer ihrer Leitbegriffe immer wieder im Buch auftaucht.
Chthonisch: Alle Erdlinge sind verwandt
Wie aus dem Titel des Buches hervorgeht, ist es der Autorin um den Begriff Chthuluzän bestellt, gegen den sie das Anthropozän kritisch diskutiert. Darin steckt der taxonomische Name einer kalifornischen Spinnenart (Pimoa cthulhu). Vordergründig aber betont sie dadurch die Idee der Chthonizität alles Irdischen, was sich aus der griechischen Mythologie ableitet: Dort wird nach chthonischen und olympischen Göttern unterschieden. Letztere, die Himmelsgötter wie Zeus, Hera, Poseidon, Athene, Artemis, Ares u.a. haben im Ansehen der Menschen die Oberhand gewonnen über die erdgebundenen, ursprünglicheren, chthonischen Götter wie Hades, Persephone, Gaia, Hermes, Thanatos, Hypnos u.a. Diese – und insbesondere Gaia – sind Archetypen, die sich in anderen Namen und spezifischen Erzählungen indigener Kulturen weltweit wiederfinden.
Chthonisch stammt vom Altgriechischen kthonios, »von der Erde kommend«, und khthōn, »Erde«. Die griechische Mythologie stellt das Chthonische als die Unterwelt dar, unter der Erde; aber die Chthonischen sind viel älter (und jünger) als diese GriechInnen. Sumer bildet die Szenerie, in der eine Flusszivilisation mit großen chthonischen Erzählungen entstand, möglicherweise auch jener Erzählung der großen, kreisförmigen Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, des polysemen Ouroboros (Figur des Weiterbestehens des Lebens, eine ägyptische Figur, die schon 1600 v. Chr. In Erscheinung tritt, die sumerische SF – Verweltlichung datiert noch weiter zurück: 3500 v.Chr. oder älter). In den Chthonischen werden viele Resonanzen dieses Beitrags zusammenlaufen (…).
Anmerkung 6 (Kapitel 2), S. 237.
Haraway besteht nicht auf einer absoluten Richtigkeit des Begriffs Chthuluzän – denn, wie sie über ein etymologisches Hin- und Hersinnen durch indogermanische sowie arabisch informierte Sprachsysteme aufführt, es gäbe „so viel Verwandtschaft, nach der diese Zeit, die auf dem Spiel steht, hätte benannt werden können“5. Und Verwandtschaft bzw. das sich verwandt machen ist das zentrale Ansinnen in Haraways Buch: Alle Lebewesen, aber auch sehr viele Substanzen, die nicht zu den Lebewesen gehören – Kritter (critters), wie sie sie nennt – seien viel stärker miteinander verwandt, als gemeinhin angenommen wird. Was alle Spezies verbindet, ist ihre grundsätzliche Erdgebundenheit (ergo: chthonisch; mit Erdgebundenheit bezieht sie sich auch ausdrücklich auf Bruno Latour). Der menschliche Exzeptionalismus hat Terra verheert: Deswegen steht der Exzeptionalismus à la „Macht euch die Erde untertan“ auch als Analogie und Begleiterscheinung zum Primat der Himmelsgötter über die chthonischen Götter. Diese Weltwahrnehmung stellt bei Haraway den zentralen Holzweg des Fortschritts dar, auf dem die Menschheit seit langem dem Massensterben auf unserem beschädigten Planeten entgegen irrt – und dem stellt sie den Begriff Terrapolis entgegen (der aus meiner persönlichen Sicht dem sehr ähnelt, was ich unter Neopolis verstehe, ohne bisher einen wirklichen Begriff dafür gefunden zu haben). An mehreren Stellen, besonders in Kapitel 2 und 4, räumt sie ein, dass auch das Anthropozän seine begriffliche Daseinsberechtigung habe. Aufgrund des inhärenten Anthropozentrismus wolle sie ihn jedoch nur sparsam verwenden.
Inhaltsübersicht der Kapitel
Der Hauptteil des Buches ist in acht unterschiedlich lange Kapitel gegliedert. In Kapitel 1: Fadenspiele mit Art-GenossInnen (S. 19-45) stehen zwei Themen im Vordergrund: Erstens, das Fadenspiel (engl. String Figures), das sie als Denkfigur, Methode und Metapher der Verweltlichung (worldling) und des „Mit-Werdens“ über Arten- und Disziplinengrenzen hinweg verwendet. Die Initialen SF aus String Figures sind – ebenso wie Science Fiction, Spekulatives Fabulieren, Science Facts, Spekulativer Feminismus, So Far (bis jetzt), Science Fantasy – konstitutiv für ihre Methode und Perspektive, die sie teils nur mit SF abkürzt.6 Zweitens nehmen Tauben als nicht-menschliche „ReiseführerInnen“ den zentralen Raum in diesem Kapitel ein, denn Haustauben können auf einen „mehrere Tausend Jahre dauernden Prozess des Mit-Werdens mit Leuten“7 zurückblicken. Tauben und Menschen sind so nicht nur enge Verbindungen eingegangen – ähnlich wie Menschen und Hunde, Katzen, Pferde und andere domestizierte Spezies – sondern ermöglichen auch Brücken der „Responsabilität“ unter allen „Leuten“ aller Arten.8

In Kapitel 2 Tentakulär denken. Anthropozän, Kapitalozän, Chthluzän (S. 47-83) rücken an die Stelle der im ersten Kapitel so ausführlich gewürdigten Tauben die sogenannten tentakulären Kritter, worunter sie alle mögliche Wesen versteht – nicht nur die Spinne Pimoa Cthulhu, die sie einmal gebissen und wohl ursprünglich auf die Idee der „Tentakulären“ gebracht hatte.9 Stattdessen macht sie sich stark für Ursula K. Le Guins Tragetaschentheorie des Geschichtenerzählens und Bruno Latours10, James Lovelocks11, Lynn Margulis’12 und Isabelle Stengers’13 Verständnis der Erde als Gaia – und damit des Orts, an dem alle Erdlinge oder Erdgebundenen miteinander leben und Bündnisse eingehen müssen. Darunter versteht sie Verwandtschaft und verwandt werden.14 In den Unterkapiteln Anthropozän (S. 66-70), Kapitalozän (S. 70-75) und Chthuluzän (S. 75-83) setzt sie sich genauer mit diesen Begriffen, ihren Urhebern und gedanklichen Alternativen auseinander, was sie in den Folgekapiteln (bes. Kapitel 4) immer wieder aufgreift, vertieft und um weitere Begriffe (wie Plantagozän) erweitert.15
Das Kapitel 3 Sympoiesis. Symbiogenese und die dynamischen Künste, beunruhigt zu bleiben (S. 85-135) ist in einen stark naturwissenschaftlich informierten, ersten Teil gegliedert (Symbiogenese, S. 85-96), sowie in einen zweiten Teil, der wiederum aus acht Unterabschnitten besteht und sich in aller Ausführlichkeit wissenschaftlich-künstlerischen Projekten zuwendet (S. 96-135). Beunruhigt bleiben bedeutet bei Haraway, die Beschädigungen des Planeten immer einzubeziehen, ohne zu resignieren oder in einen Katastrophenmodus zu geraten. Der erste, stark theorielastige Teil holt weit in die Evolutionsbiologie aus und referiert vor allem auf Lynn Margulis, die zusammen mit James Lovelock in den 1970er Jahren die Gaia-Hypothese geprägt hatte, sowie zu Beth Dempster, auf die der Begriff der Sympoiesis und sympoietischen Systeme zurückgeht.16 Weil Haraway überzeugt davon ist, „dass wissenschaftlich-künstlerische Verweltlichungen eine wichtige sympoietische Praxis des Lebens auf einem beschädigten Planeten darstellen“17, beschließt sie das Kapitel „mit vier engagierten, wissenschaftlich-künstlerischen Verweltlichungen, die sich für eine teilweise Heilung, für bescheidene Rehabilitation und für immer noch mögliche Wiederbelebungen in den schwierigen Zeiten des imperialen Anthropozäns und Kapitalozäns einsetzen.“18 Das Projekt des gehäkelten Korallenriffs von Christine und Margarete Wertheim aus Australien19 hat laut Haraway das Potenzial, eine „sorgende Öffentlichkeit“ herzustellen (das gilt auch für die übrigen Projekte, die aus Platzgründen hier nicht aufgeführt sind).20
Im kurzen Kapitel 4 Sich verwandt machen. Anthropozän, Kapitalozän, Plantagozän, Chthuluzän (S. 138-142) greift Haraway die in Kapitel 2 eingeführten Diskussionen rund um Anthropozän, Kapitalozän, Plantagozän und Chthuluzän erneut auf und elaboriert endlich auch etwas genauer über ihre zentrale Forderung des »sich verwandt machens« aller Erdlinge (ergo: sym-chthonisch):
„Wir müssen uns symchthonisch, sympoietisch verwandt machen. Ganz egal, wer und was wir sind, wir müssen mit-machen – mit-werden, mit-komponieren – mit den Erdgebundenen (danke für diesen Begriff, Bruno Latour).“21
Die „seltsamen Verwandten“ aus anderen Krittern, die nicht durch Geburt und Kategorien gebildet werden, bezeichnet sie auch als oddkin – was allerdings weit über die Entwicklung hinausgeht, Haustiere wie Hunde als Familienmitglieder zu betrachten.22 Für Haraway können auch Insekten (z.B. nordamerikanische Monarchfalter) oddkin sein, wie in Kapitel 8 im Fall der fiktiven Figur der fünf Generationen von Camilles.23
Doch bevor Haraway auf gewissermaßen „ideale“ Beispiele von verwandt werden zwischen so unterschiedlichen Arten wie Menschen und Insekten eingeht, demonstriert sie in den Kapiteln 5 und 6 an zwei völlig verschiedenen Beispieltypen, welche Formen von Symbionten es bereits gibt und wie stark sogenannte Kritter unterschiedlicher Spezies enge Verbindungen miteinander eingegangen sind, die teilweise stärker an Cyborgs oder auch Parasiten erinnern. So geht sie in Kapitel 5 Überschwemmt von Urin. DES und Premarin in artenübergreifender Responsabilität (S. 143-159) von der Inkontinenz ihrer Hündin aus, die sie mit einem Hormonpreparat auf Grundlage des Hormonhaushalts anderer Kritter lindert. Hier thematisiert sie ausführlich die Geschichte der menschlichen Ausbeutung (bzw. Parasitierung) schwangerer Stuten, deren östrogenreiches Urin zur Gewinnung von Premarin genutzt und menschlichen Frauen in der Menopause verabreicht wird. Weibliche Pferde, Menschen und Haustiere wie Haraways Hündin sind durch Hormontransfer Spezies übergreifend miteinander verbunden, was zwar eine gewisse Ähnlichkeit zu den utopischen Praktiken des verwandt Werdens in Kapitel 8 zeitigt, aber schwerlich als wirklich „verwandt geworden“ bezeichnet werden kann.
In Kapitel 6 Welten säen. Eine Tüte Samen für das Terraforming mit irdischen Anderen (S. 161-173) präsentiert Haraway praktische Beispiele des Mit-Werdens und der Verwandtschaft völlig unterschiedlicher, nicht-menschlicher Spezies, so zum Beispiel von Akazien und Ameisen, die sich durch Bereitstellung handlicher Fruchtkörperanhänge (seitens der Akazien) und die entsprechenden Ernährungsgewohnheiten (seitens der Ameisen) perfekt aufeinander abgestimmt haben und eine Symbiose bilden.
In Kapitel 7 Eine neugierige Praxis (S. 175-185) greift Haraway die Forschungshaltung der belgischen Philosophin und Vertreterin der Animal Studies Vinciane Despret auf, die sie mit einem Zitat einleitet:
„Interessante Forschung ist Forschung, die unter Bedingungen durchgeführt wird, die Wesen interessant machen.“24
Gemeint ist damit eine Art der achtsamen, respektvollen, „höflichen“ Forschung, die sich aus der Praxis des möglichst unvoreingenommenen Besuchens und Beobachtens zusammensetzt, die Haraway auch als „wilde Tugend der Neugierde“ bezeichnet.25 Durch eine solche Haltung könnten Eigenschaften und Verhaltensweisen von Krittern offenbar werden, die, wie die Beobachtungen der Graudrosslinge in der Negev-Wüste gezeigt haben, „die orthodoxen Ideen dessen, was Vögel tun sollten, trotzten, selbst als die Wissenschaftler vom wissenschaftlichen Script abwichen. (…) Die altruistischen Praktiken der Graudrosslinge waren so zahlreich, dass sie in kein Schema passten.“26
Im achten und letzten Kapitel 8 Camilles Geschichten. Die Kinder der Kompostisten (S. 187-229) schließlich richtet sich die Perspektive der Autorin in die Zukunft. Hier demonstriert sie endlich, wie konkret ein narratives Ergebnis von „SF“ aussehen könnte. Die spekulative Fabulation bringt in diesem Fall eine drehbuchartige Geschichte von Camille(s) über fünf Generationen von 2025 bis 2425 hervor.27 Alle Camilles leben in sogenannten Kompostistengemeinschaften in den Appalachen, die unter anderem ein interspezifisches Familienmodell leben. Es gibt nach wie vor Eltern und Kinder, aber in den Kompostistengemeinschaften wird ein Drei-Eltern-Modell verfolgt, nachdem die Zunahme der menschlichen Bevölkerung als ernsthaftes Problem anerkannt worden ist. Unter Kompostistengemeinschaften werden Gruppen verstanden, in denen die Menschen das sich verwandt Machen mit anderen Arten zum Prinzip erklärt und den menschlichen Exzeptionalismus aufgegeben haben. Wechselseitige Verwandtschaft und das Sorge tragen über Speziesgrenzen hinweg wird dort praktiziert, indem zum Beispiel Menschen mit Nicht-Menschen enge Beziehungen eingehen. Unter Kompostieren ist tatsächlich auch zu verstehen, dass es einen Umgang mit toter Materie gibt, die als Teil des Lebenskreislaufs integriert wird.

Haraway: Unruhig bleiben, S. 50.
In den Kompostistengemeinschaften gibt es Personen, die einen nicht-menschlichen Symbionten haben, die sogenannten „Syms“, deren Erbgut genetisch modifiziert wird; und es gibt weiterhin solche ohne Symbionten, sie sogenannten „Non-Syms“. Camille war von Anfang an symbiontisch mit den Monarchfaltern, die in Nordamerika alljährlich auf zwei Hauptrouten vom nördlichen Nordamerika (Kanada, USA) ins südliche Nordamerika (Mexiko) migrieren. In der vierten Camille-Generation war der äußere Zustand des symbiontischen Menschen schon relativ stark an den nicht-menschlichen Symbionten angenähert, was sich etwa über Hautverfärbungen und Musterungen abzeichnete. In dieser Generation zeichnete sich aber auch das Aussterben der Monarchfalter ab.

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Das Beispiel der trotz allen Sorge tragens durch die Kompostisten aussterbenden Monarchfalter zeigt, dass sich die Vermächtnisse der Vergangenheit auch in späteren Jahrhunderten noch auswirken. Deshalb muss auch ein Umgang mit dem Tod gefunden werden, der in den Kompostistengemeinschaften des Chthuluzäns stark von den Aussterbewellen aus dem Anthropozän und Kapitalozän gezeichnet ist. Das Aussterben von Arten wird als „doppelter Tod“ bezeichnet.28 Das Prinzipat des Menschlichen über des Mehr-als-menschliche wird auch dadurch aufgegeben, dass der Verlust nicht-menschlicher Arten aktiv in die Trauerarbeit und Erinnerungskultur integriert wird, wodurch es auch kohärent erscheint, dass Haraway von (nicht-menschlichen) Genoziden spricht. Schon in Kapitel 2 diskutiert Haraway ausführlicher die schwerwiegenden Fallstricke der „Verweigerung von Wissen und der Kultivierung von Responsabilität“29, was sie unter Referenz auf Hannah Arendts Beobachtungen aus dem Eichmann-Prozess als Gedankenlosigkeit und letztlich „aktive Teilnahme am Genozid“ problematisiert; unter Genozid versteht sie dabei nicht „nur“ Völkermord an Menschen, sondern auch das anthropogene Artensterben.30
Methodik und Stil
Sprachlich ist das Buch ausgesprochen voraussetzungsreich. Oft ist es abstrakt, schwer verständlich und immer wieder von Barrieren unterbrochen; dabei ist es allerdings auch spielerisch und experimentell in der Sprache, was durchaus reizvoll und erfrischend sein kann. Man muss bei Haraway aber einige Grundbegriffe und Grundgedanken kennen (oder sie sich oft umständlich aneignen), um ihren Ausführungen wirklich folgen zu können, was von der Leserin Beharrlichkeit abverlangt: Vieles, was beim ersten Lesen rätselhaft war, erklärt sich erst, nachdem man sich ganz durch das Buch gearbeitet hat. Dazu gehört auch unbedingt, die Anmerkungen nicht als optional zu verstehen, die sich einer spezifischen Haraway’schen Unsitte entsprechend teilweise über vier Seiten hinziehen und in viele Absätze gliedern können, so zum Beispiel Anmerkung 20 von Kapitel 3 (S. 282-285). Diese kleiner gesetzten Endnoten – ärgerlicherweise alle hintereinander am Ende des Buches kapitelweise auf 78 Seiten verteilt – enthalten nämlich keineswegs nur „ergänzendes“ Wissen: In einer Endnote – und nicht etwa im Fließtext, wo es besser aufgehoben wäre – wird beispielsweise erklärt, was Kritter sein sollen. Wer sich in die Lektüre dieses Buchs wagt, ohne von Anfang an mit dem gleichen Wissen wie die Autorin ausgestattet zu sein, steigt womöglich schnell wieder aus. Teils gewinnt man als Leser, der die früheren Bücher Haraways wie das Cyborg Manifesto nicht gelesen hat (oder parallel zur Lektüre erst in diese einsteigt), den Eindruck, man müsste das Buch eigentlich noch einmal zur Seite legen und sich gewissermaßen zuvor erst einmal „die Grundlagen“ aneignen. Weil es dem Buch dadurch zwischenzeitlich an Kohärenz und Kohäsion mangelt, droht Lektüreabbruch.
Eigentlich bräuchte das Buch ganz dringend ein Glossar: Denn auch, wenn man denkt, man habe den Haraway’schen Begriffsapparat endlich verinnerlicht, verwirrt sie zwischendurch erneut durch ihren teils chaotischen Schreibstil und durch das um sich Schleudern mit teil etablierten, teils neu gebildeten Fremdwörtern oder Namen aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Auch ein Index stünde dem Buch für die vertiefte Arbeit daher gut. Begriffe wie Kritter, IT-Kritter, Kompostisten, tentakulär, SF, Cyborg, Oddkin u.v.m. ließen sich so besser nachschlagen und wieder ins Gedächtnis rufen. Dadurch wäre das Buch zugänglicher, weniger elitär und abgehoben.
Teilweise arbeitet sich Haraway auch an Begrifflichkeiten ab, die die Leserschaft unnötig in die Irre führen und von der konkreten Problematik ablenken, die sie beschreibt – so etwa bei der Einführung des absolut merkwürdigen Begriffs der „Cyborg-Wurfgeschwister“, die am Ende überhaupt keine Cyborgs und auch keine Mensch-Maschinen sind; man mag sich fragen, ob es sich bei diesen sprachlichen Abenteuern nicht eher um ein lautes, nicht redigiertes (und letztlich überflüssiges) Sinnieren der Autorin über einen ihrer liebgewonnen, alten Begriffe aus den 1980er Jahren handelt, von denen sie partout nicht ablassen kann.31 Das ganze Buch ist außerdem durchzogen von den immer gleichen, mantrahaften Formeln, die stets aufs Neue beginnen mit „Es ist von Gewicht“. Damit scheint die Autorin in einer rituellen Formel die Leserschaft einschwören zu wollen. Das repetitive Insistieren mag sein Wirkung entfalten und womöglich tatsächlich zu einer Bewusstwerdung beitragen: dass wir im falschen Paradigma leben, das letztlich aus anthropozentrischen Killergeschichten hervorgegangen ist. Es kann aber auch als nervig, redundant und belehrend gelesen werden.
Logischer Aufbau und Beitrag zum Anthropozän-Diskurs
Einerseits ist das Buch sehr theorielastig, voraussetzungsreich und abstrakt – andererseits aber auch verspielt und heiter. Der Aufbau mit der Anordnung der Kapitel an sich ist einleuchtend, was natürlich ganz besonders für die Platzierung des letzten Kapitels über die Kompostistengemeinschaften rund um die fiktive Figur Camille gilt: Es ist in die Zukunft gerichtet und baut auf dem gesamten Ideenwerk auf. Andererseits hätte dem Buch mehr Disziplin in der Einführung grundlegender Gedankengänge nicht schaden können – zumindest aus Sicht der nicht initiierten Leserschaft.
Viele Ideen, die Haraway hat, sind im Kern sehr überzeugend:
Sehr wichtig und harausragend ist Kapitel 2, wo zentrale Begriffe wie Sympoiesis, Autopoiesis, Holobiont, Symbiont, Holobiom, symchthonisch und vor allem die Theorie der symbiogenetischen Evolution erklärt werden, wonach wir „niemals Individuen waren“, sondern uns (ebenso wie alle anderen Kritter) schon immer in inniger symbiotischer Verwicklung mit anderen Arten entwickelt haben.32 Mit Begrifflichkeiten wie Multispezies-Assemblagen liefert sie auch Denkfiguren, die interdisziplinär nutzbar sind und wichtige Analysewerkzeuge bilden können.
Für die Historiographie kann das Buch wichtige Impulse liefern, weil nach wie vor anthropozentrische Perspektiven auf Geschichte überwiegen, in der nicht-menschliche oder mehr-als-menschliche Forschungsdesigns Raritäten darstellen; der kulturell tief verankerte, menschliche Exzeptionalismus wird narrativ-wissenschaftlich reproduziert. Immer wieder richtet Haraway ihre Kritik auf diese anthropozentrischen Verengungen der Weltwahrnehmung, was sich letztlich in den erzählten Geschichten spiegelt:
„Das ist eine tragische Geschichte mit nur einem wirklichen Akteur, mit nur einem wirklichen Weltenmacher, dem Helden; das ist die maskulin menschenmachende Erzählung des Jägers, der aufbricht, um zu töten und die schreckliche Beute zurückzubringen. Es ist die messerscharfe, kampfbereite Fabel der Aktion, die das Leben klebriger, im Boden rottender Passivität über das Erträgliche hinaus stundet. Alle anderen in dieser dummen, phallischen Geschichte (prick tale) sind Requisiten, Gelände, Raum der Spielhandlung oder Opfer. Sie sind egal; es ist ihre Aufgabe, im Weg zu sein oder der Weg zu sein, der Kanal zu sein oder überwunden zu werden, aber sie sind keine Reisenden und auch nicht der Erzeuger. Das Letzte, was der Held hören möchte, ist, dass seine schönen Worte und Waffen ohne eine Tasche, ohne ein Behältnis, ohne ein Netz wertlos sind.“33
Ganz in diesem Sinn könnte man etwa Historiographien von Bodenreformen, Flurbereinigungen, Landenteignungen oder anderer Agrar- und Forstreformen verstehen, die sich nicht die Mühe machen, die Perspektive nicht-menschlicher Kritter als Akteure einzunehmen. Haraway referiert dazwischen auch immer wieder auf gelungene Gegenbeispiele, so zum Beispiel die Geschichte eines „pinguin-geschichtlichen Orts“ in Sydney, verfasst von Thom van Dooren34:
Es ist von Gewicht, welche Gedanken Gedanken denken; es ist von Gewicht, welche Erzählungen Erzählungen erzählen. In dem Buchkapitel »Urban Penguins. Stories for Lost Places«, das von den kleinen Pinguinen (Eudyptula minor) im Hafen von Sydney handelt, gelingt es van Dooren, eine nichtanthropomorphe, nichtanthropozentrische Version eines von Geschichten erfüllten Orts herauszuarbeiten. Durch ihre radikal »philopatrischen« (heimatliebenden) Lebenspraktiken, wie dem Nestbau, erzählen diese urbanen Pinguine, diese realen, spezifischen Vögel, diesen Ort, nicht irgendeinen Ort. Die Wirklichkeit und eindringliche Spezifik eines pinguin-geschichtlichen Orts herzustellen, ist eine große materiell-semiotische Leistung. Das Erzählen passt dann nicht mehr in die Schachtel des menschlichen Exzeptionalismus.“35
Ebenfalls ist gut nachvollziehbar und inspirierend, Ideen zu mehr-als-menschlichen Perspektiven künstlerisch umzusetzen, wie Haraway in Kapitel 3 anhand einzelner künstlerischer Praktiken und für meinen Geschmack etwas überproportional ausführlich demonstriert (ab Wissenschaftlich-künstlerische Verweltlichungen, um unruhig zu bleiben, S. 101 ff.). Andererseits gibt es Stellen, wo sie von „Praktiken“ oder „riskanten Praktiken“ schreibt, zum Beispiel in „Praktiken des erfolgreichen Offenhaltens von Raum für andere Kritter“36 – ohne dabei auszuführen, was diese Praktiken konkret – und nicht nur als Idee oder Forderung – sein könnten. Vieles an ihrem Denken erscheint sehr offen. Das mag Absicht sein, und doch ist es schade, dass einige Denkstücke nicht noch konsequenter und verständlicher ausgeführt werden. Immer wieder driftet Haraway teilweise so heftig und unvermittelt in völlig andere Welten und mythische Fährten ab, dass man das Buch schon sehr gut gelesen haben und gewissermaßen „bibelfest“ sein muss, um zu wissen, an welcher Stelle nachzuschlagen ist, um eine Chance zu haben, zu verstehen, was die Autorin meinen könnte. Eine dieser kryptischen, überfrachteten Stellen sei hier nur beispielhaft zitiert:
„Um situierte, endliche, virale Arten von Weisheit zu erforschen, müssen wir uns Ursula K. Le Guin und Octavia Butler zuwenden. Es ist von Gewicht, welche Geschichten wir erzählen, um andere Geschichten zu erzählen; es ist von Gewicht, welche Konzepte wir denken, um andere Konzepte mitzudenken. Es ist von Gewicht, wo/wie Ouroboros seine Fabel wieder verschluckt. So kommt die Verweltlichung in Drachenzeit mit sich klar. Das sind so einfache und so schwierige Koans. Wir werden sehen, welche Art Nachkommen (get) sie werfen.“37
Was ein „Koan“ ist – nämlich „bestimmte Sentenzen, die aus dem Buddhismus stammen und zunächst paradox oder sinnlos klingen, aber einer inneren Logik folgen (…)“, und man mag in ihrem Buch dabei vielleicht zuerst an das Mantra „Es ist von Gewicht“ denken – wird hier offenbar vorausgesetzt bzw. muss durch die Übersetzerin in einer der endlosen Anmerkungen unter Referenz auf einen Wikipedia-Eintrag erklärt werden.38 Es ist bedauerlich, dass Haraway den selbst aufgespannten, kosmologischen Rahmen der griechischen sowie der zahlreichen indigenen (v.a. nordamerikanischen) Mythologien – denen sie immerhin die Mastertrope des Chthonischen verdankt – nicht in größerer Kohäsion und Kohärenz durcherzählt.
Fazit
Auch wenn das Buch alles andere als leicht zugänglich ist und nicht in jeder Hinsicht überzeugend sein mag, liefert es neben dem kreativen Input der Autorin beharrlichen Leser:innen eine gute Einstiegsmöglichkeit in die Tiefen und Möglichkeiten des interdisziplinären Diskursfelds rund um den Begriff des Anthropozäns. Dieses Feld ist noch relativ jung und wenig bestellt. Aufgrund der ungebrochenen Aktualität und Relevanz der Thematik dürfte es aber künftig eine viel größere Rolle spielen, auch weit außerhalb der Geowissenschaften. Besonders „in Zeiten, die Anthropozän genannt werden“, in denen Konzepte von Post- und Transhumanismus aus menschenfeindlichen, techno-faschistischen Redaktionen sich auszubreiten drohen, „ist es von Gewicht“, wie Haraway es vielleicht nennen würde, welche Gedanken einer mehr-als-menschlichen Geschichte, Geologie, Politikwissenschaft oder Soziologie erfolgreich weiter entwickelt werden.
Haraways Buch ist weniger für Leser:innen mit wenig Zeit, begrenzter Geduld und mangelnder Offenheit für eine ganze Flut von Neologismen, Fachwortschatz und Kofferworten zu empfehlen. Die Bereitschaft, sich auf einen wilden Mix aus (Evolutions-)Biologie, nordamerikanischem Feminismus, sprachlicher Akrobatik, Philosophie und Anthropologie einzulassen, ist unabdinglich. Ganz hervorragend dürfte sich das Buch eignen für Lesezirkel und natürlich für Hochschulseminare, die das Fadenspiel Haraways kollaborativ abnehmen, weitergeben und in andere – hoffentlich verständlicher formulierte – Denkfiguren übersetzen. Es bleibt zu hoffen, dass der Paradigmenwechsel weg vom Anthropozentrismus gelingt. Donna Haraway werden mit Sicherheit ein paar Fäden in diesem riskanten Spiel zu verdanken sein.
Mein persönliches Resümee aus der gewinnbringenden Lektüre, auch hinsichtlich des Nutzens für das Neopopulismus-Projekt: Es sind nicht so sehr Haraways Begriffsvorschläge, die mich überzeugen und die ich aus dem Buch mitnehme. Am wenigsten gilt das für den ausgesprochen unhandlichen Begriff Chthuluzän, den die Autorin bereits im Jahr 2014 das erste Mal veröffentlicht hatte und der seitdem außerhalb ihrer eigenen Schriften und Repliken kaum Verbreitung gefunden hat. Viel fruchtbarer wäre es aus meiner Sicht, den von ihr ebenso verwendeten Begriff Terrapolis stärker auszubauen und mit anderen Ansätzen zusammenzuführen, wie beispielsweise der Kosmopolis. Dieser Begriff steckt in Ulrich Becks Kosmopolitisierungsforderung, die der Autor in seinem letzten (posthum veröffentlichten) Buch Die Metamorphose der Welt stark gemacht hat. Doch vor diesen abschließenden, begrifflichen Fragen ist es das Denken von Haraway, das uns vom Anthropozentrismus wegführt und hilfreich ist, an einem längst überfällligen Paradigmenwechsel mitzuwirken. Es bleibt zu hoffen, dass die von Haraway vertretene, mehr-als-menschliche Denkweise – die ich im Neopopulismus-Projekt unter dem Begriff der interspezifischen Sicherheit in anderem sprachlichen Gewand vertrete – in Zukunft Forschungsfragen und -Designs über alle Wissenschaftsdisziplinen hinweg umgestalten und zu neuen, relevanzbasierten Ergebnissen führen kann. Sie werden dringend gebraucht.
Fußnoten
1 Schon technische Implantate und Hörhilfen etc. reichen bei Haraway aus, um zum Cyborg zu qualifizieren. Das Cyborg Manifesto befindet sich auch in folgender Publikation: Haraway, Donna Jeanne: Manifestly Haraway, Minneapolis: University of Minnesota Press 2016 (Posthumanities 37).
2 Haraway, Donna J.: The Companion Species Manifesto: Dogs, People, and Significant Otherness, Chicago: Prickly Paradigm Press 2003; Haraway, Donna Jeanne: When species meet, Minneapolis: University of Minnesota Press 2008 (Posthumanities 3).
3 Le Guin, Ursula K.: Am Anfang war der Beutel: warum uns Fortschritts-Utopien an den Rand des Abgrunds führten und wie Denken in Rundungen die Grundlage für gutes Leben schafft: Essays, Reden und ein Gedicht, übers. von. Matthias Fersterer, 3., überarbeitete Auflage Aufl., Klein Jasedow: ThinkOya 2023 (Akt 10).
4 Genauer zur spekulativen Narration bzw. zu spekulativem Fabulieren bei: Debaise, Didier u. a.: „Speculative Narration“, in: PARSE J. (2017), https://parsejournal.com/article/speculative-narration/ (abgerufen am 13.04.2026).
5 Anmerkung 6 (Kapitel 2) Haraway, Donna: Unruhig bleiben: Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän, übers. von. Karin Harrasser, 1. Auflage Aufl., Weinheim: Campus Verlag 2018, S. 238.
6 Eine der vielleicht eindeutigeren Erklärungen der Autorin zur Bedeutung von Fadenspielen findet sich in folgendem Zitat: „Fadenspiele sind Praktiken des Denkens und des Machens, pädagogische Übungen und kosmologische Darbietungen. Manche Navajo-Denker beschreiben die Fadenfiguren als Schemata, um hózhó wiederherzustellen; eher mangelhafte Annäherungen an dieses Wort wären Harmonie, Schönheit, Ordnung oder »die richtigen Verhältnisse von der Welt«, was auch die richtigen Verhältnisse zwischen Menschen und Nicht-Menschen impliziert. Nicht in der Welt, sondern von der Welt.“, ebd., S. 26.
7 Ebd., S. 27.
8 „Die verwilderten Tauben, »Luftratten« genannt, werden beschimpft und bekämpft, aber sie sind auch geschätzte, opportunistische GefährtInnen, die überall auf der Welt eifrig beobachtet und gefüttert werden. Domestizierte Felsentauben haben als Nachrichten überbringende Spione fungiert, als Wettkampfvögel, als Attraktionen auf Messen und Märkten, als Nahrung für Arbeiterfamilien, als Testsubjekte in der Psychologie, als Darwins GesprächspartnerInnen bei Fragen der künstlichen Selektion und vieles mehr. Verwilderte Tauben sind die Lieblingsspeise städtischer Räuber, etwa für Wanderfalken.“, ebd., S. 27-28.
9 Eine genauere Beschreibung dessen, was Haraway unter Tentakulären versteht, findet sich in diesem Zitat (obwohl der Begriff trotzdem teeilweise kryptisch bleibt): „Die Tentakulären sind keine entkörperten Figuren; sie sind Nesseltiere, Spinnen, fingernde Wesen, beispielsweise Menschen und Waschbären, Tintenfische, Quallen, neuronale Extravaganzen, faserige Gebilde, Peitschenwesen, myofibrilläre Verflechtungen, verfilzte mikrobische und fungale Gewirre, sondierende Kriecher, anschwellende Wurzeln, emporstrebende Kletterranken. Die Tentakulären sind auch Netze und Netzwerke, IT-Kritter, innerhalb und außerhalb von Wolken. Tentakularität handelt vom Leben entlang von Linien – nicht vom Leben an Punkten oder in Sphären. »Die BewohnerInnen der Welt, Geschöpfe verschiedenster Art, menschliche und nichtmenschliche, sind Wanderer.« Generationen ähneln verschlungenen Pfaden. Alles Fadenspiele.“ ebd., S. 49-50.
10 Latour, Bruno: „Refugium Europa“, in: Geiselberger, Heinrich (Hrsg.): Große Regres. Eine Int. Debatte Über Geist. Situat. Zeit, Sonderdr., Orig.-Ausg.,1. Aufl Aufl., Berlin: Suhrkamp 2017, S. 135–148; Löffler, Petra: „Gaias Fortune. Kosmopolitik und Ökologie der Praktiken bei Latour und Stengers“, in: Friedrich, Alexander u. a. (Hrsg.): , meson press 2018; Latour, Bruno: „Telling Friends from Foes in the Time of the Anthropocene“, in: Hamilton, Clive, Christophe Bonneuil und François Gemenne (Hrsg.): Anthr. Glob. Environ. Crisis, 1. Aufl., Routledge 2015, S. 145–155.
11 Lovelock, James E.: Das Gaia-Prinzip: die Biographie unseres Planeten, Zürich München: Artemis & Winkler 1991; Lovelock, James: The ages of Gaia: a biography of our living earth, 1st ed Aufl., New York: Norton 1988 (The Commonwealth Fund Book Program); Lovelock, James E.: Unsere Erde wird überleben. Gaia – Eine optimistische Ökologie., übers. von. Constanze Ifantis-Hemm, München, Zürich: Piper 1982; Lovelock, James: The revenge of Gaia: earth’s climate in crisis and the fate of humanity, New York: Basic Books 2006.
12 deutschlandfunkkultur.de: „Lynn Margulis: ‚Der symbiotische Planet‘ – Bakterien werden alles überleben“, in: Dtschl. Kult. (02.03.2018), https://www.deutschlandfunkkultur.de/lynn-margulis-der-symbiotische-planet-bakterien-werden-100.html (abgerufen am 08.04.2026); Clarke, Bruce: Gaian systems: Lynn Margulis, neocybernetics, and the end of the anthropocene, Minneapolis: University of Minnesota Press 2020 (Posthumanities 60).
13 Stengers, Isabelle: „Accepting the Reality of Gaia“, in: Hamilton, Clive, Christophe Bonneuil und François Gemenne (Hrsg.): Anthr. Glob. Environ. Crisis, 1. Aufl., Routledge 2015, S. 134–144.
14 Haraway: Unruhig bleiben, S. 59-65.
15 Moore, Von Jason W: „Planetarische Gerechtigkeit im Kapitalozän“; Gladić, Mladen: „Andreas Malm – Im Kapitalozän“, in: Freitag , https://www.freitag.de/autoren/mladen-gladic/im-kapitalozaen (abgerufen am 22.03.2026); Malm, Andreas und Alf Hornborg: „The geology of mankind? A critique of the Anthropocene narrative“, in: Anthr. Rev. 1/1 (2014), S. 62–69.
16 Dempster, Beth: „Sympoietic and autopoietic systems: A new distinction for self-organizing systems“ (2000).
17 Haraway: Unruhig bleiben, S. 96.
18 Ebd., S. 101.
19 Ebd., S. 108-113.
20 Ein Korallenriff zu häkeln – statt durch Tauchgänge zu erforschen und zu fotografieren – sei eine „Praxis der Sorge, ohne dass die Berührung durch eine Kamera notwendig wird“. Dieses Kunstprojekt wurde auch in Deutschland (in Baden-Baden) ausgestellt, nachdem es eine große Zahl häkelnder Personen zur Mitgestaltung hatte motivieren können. Ebd., S. 112.
21 Ebd., S. 141.
22 Darüber genauer in ihrem Buch über sog. Companion Species, Haraway: The Companion Species Manifesto: Dogs, People, and Significant Otherness.
23 In Anmerkung 20 (Kapitel 4), Haraway: Unruhig bleiben, S. 283.
24 Ebd., S. 175.
25 Ebd., S. 176.
26 Ebd., S. 177.; Genauer bei: Despret, Vinciane: „The Becomings of Subjectivity in Animal Worlds“, in: Subjectivity 23/1 (2008), S. 123–139.
27 Die Idee zum Namen Camille der Hauptprotagonistin sei eine Gemeinschaftsleistung eines Workshops bei Isabelle Spengers unter dem Titel Narration spéculative gewesen, an dem neben Haraway auch Vinciane Despret und Fabrizio Terranova beteiligt waren: „Wir wurden gebeten, uns ein Baby auszudenken und das Kind durch fünf menschliche Generationen zu bringen. In unserer Zeit, die Tod für Individuen und für ganze Arten im Überfluss bereithält, können schon fünf menschliche Generationen als unmöglich lang erscheinen, wenn es darum geht, sich das Gedeihen mit und für eine erneuerte Multispezies-Welt vorzustellen. Im Laufe der Woche schrieben die Gruppen in einem wilden Spiel mit literarischen Formen vielerlei Arten von möglichen Zukünften.“, Haraway: Unruhig bleiben, S. 187.
28 Ebd., S. 223.
29 Ebd., S. 54.
30 Ebd., S. 54-55.
31 Ebd., S. 143-144.
32 Sehr gut erklärt bei Barla, Josef: „Feministische spekulative Fabulation und die Frage der Bevölkerung im Anthropozän“.
33 Haraway: Unruhig bleiben, S. 162-163.
34 Vgl. Van Dooren, Thom: Flight ways: life and loss at the edge of extinction, Paperback edition Aufl., New York: Columbia University Press 2016 (Critical perspectives on animals theory, culture, science, and law).
35 Haraway: Unruhig bleiben, S. 59.
36 Ebd., S. 198.
37 Ebd., S. 162.
38 In Anmerkung 4, Kapitel 6, ebd., S. 289.
Referenzen
Coverbild: European Organisation for the Exploitation of Meteorological Satellites (Attribution or Attribution), via Wikimedia Commons
Barla, Josef: „Feministische spekulative Fabulation und die Frage der Bevölkerung im Anthropozän“.
Clarke, Bruce: Gaian systems: Lynn Margulis, neocybernetics, and the end of the anthropocene, Minneapolis: University of Minnesota Press 2020 (Posthumanities 60).
Debaise, Didier u. a.: „Speculative Narration“, in: PARSE J. (2017), https://parsejournal.com/article/speculative-narration/ (abgerufen am 13.04.2026).
Dempster, Beth: „Sympoietic and autopoietic systems: A new distinction for self-organizing systems“ (2000).
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Haraway, Donna: Unruhig bleiben: Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän, übers. von. Karin Harrasser, 1. Auflage Aufl., Weinheim: Campus Verlag 2018.
Haraway, Donna J.: The Companion Species Manifesto: Dogs, People, and Significant Otherness, Chicago: Prickly Paradigm Press 2003.
Haraway, Donna Jeanne: When species meet, Minneapolis: University of Minnesota Press 2008 (Posthumanities 3). Haraway, Donna Jeanne: Manifestly Haraway, Minneapolis: University of Minnesota Press 2016 (Posthumanities 37).
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Le Guin, Ursula K.: Am Anfang war der Beutel: warum uns Fortschritts-Utopien an den Rand des Abgrunds führten und wie Denken in Rundungen die Grundlage für gutes Leben schafft: Essays, Reden und ein Gedicht, übers. von. Matthias Fersterer, 3., überarbeitete Auflage Aufl., Klein Jasedow: ThinkOya 2023 (Akt 10).
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