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Essay Neostory

Die Misstrauensgemeinschaften von Treptow (5): Frieden und Antifaschismus als widersprüchliche Bricolagen

Alle Teilnehmer der Fest-Assemblage waren informiert durch Akteure außerhalb Deutschlands. Alle waren geprägt von wechselseitigem Misstrauen, und alle stellten direkt oder indirekt Bezüge zur räumlichen, symbolischen und narrativen Komposition des Sowjetischen Ehrenmals her. Die Verwendung von Symbolen und Begriffen diverser Friedensbewegungen und des Antifaschismus gestaltete sich ausgesprochen widersprüchlich. Das Gesamtbild lässt sich am besten über die Metapher der »Bricolage« oder Bastelei erklären: Während in der Bastelkiste grundsätzlich allen die gleichen Diskursschnippsel zur Verfügung standen, griff jede Misstrauensgemeinschaft zu derjenigen Kombinationsmöglichkeit, die ihren eigenen Bedürfnissen am besten entsprach. So konnten aus den Basteleien am Ende widersprüchliche Bedeutungen von »Frieden« oder »Antifaschismus« entstehen.

In den folgenden Abschnitten illustriere ich diese widersprüchlichen Bricolagen am Beispiel der Stände, ihrer Botschaften, der geführten Gespräche, aufgenommener Fotografien, weiterer Beobachtungen und Hintergrundinformationen, die sich in jedem der beschriebenen Fälle noch weiter ausbauen ließen. Obwohl es teilweise Schnittmengen unter den Gruppen gibt, habe ich Teilnehmer, die sich mit politischen Botschaften symbolisch auszeichneten, drei Gruppen zugeordnet. Im ersten Abschnitt gruppiere ich deutsche, ukrainische und russische Akteure, die sich vornehmlich gegen den Ukraine-Krieg sowie die geschichtsrevisionistische Vereinnahmung des Gedenkens am 9. Mai durch den Kreml und russische Propaganda einsetzten. Anschließend betrachte ich eine ebenfalls heterogene Gruppe, deren größte Gemeinsamkeit darin bestand, sich selbst als Akteure für Frieden und gegen Faschismus verstehen, auch wenn sie unter Frieden und Antifaschismus unterschiedliche Dinge verstanden oder vorgaben, zu vertreten.

Die dritte und letzte Gruppe besteht aus eindeutig oder zumindest überwiegend pro-russischen Gruppen, unter denen neben der augenscheinlich abwesenden Alternative für Deutschland (AfD) die verschwörungsideologisch auftretende Gruppe staatenlos.info besondere Beachtung erfährt: Obwohl es sich um eine kleine, marginale Fraktion im Gesamtgefüge der öffentlichen politischen Meinungen Deutschlands handelt, stach sie nicht nur durch die Größe des Stands heraus, sondern auch, weil sie Symbole wie das St. Georgs – Banner direkt übernommen und das Handwerk der symbolischen Bricolage auch in jeder anderen Hinsicht weit auf die Spitze getrieben hatte.
Diese Gruppe bekommt aus Gründen des Umfangs einen eigenen Teil (6) .

Gruppen gegen den Ukrainekrieg

Die Grünen: Werteorientierte Außenpolitik zwischen Butscha und Gaza

Ich habe das Gelände des Sowjetischen Ehrenmals über den Triumphbogen des Eingangs an der Straße Am Treptower Park betreten, wo mir neben der deutschen Polizei sofort ein Stand der Grünen (Bündnis 90/Die Grünen) in die Augen fiel. Bei den Grünen war man beruhigt über die Präsenz der Polizei, war doch der im Eingangsbereich befindliche Stand dem feindseligen Spott vorbeilaufender, deutschsprachiger Besucher ausgesetzt. „Nie wieder die Grünen!“, zischte ein vorbeigehender Mann mittleren Alters in Richtung des Stands, als sei diese deutsche Partei höchstpersönlich für die Opfer der Schlacht um Berlin verantwortlich. Die Parteimitglieder, die sich auf der großen politischen Bühne Deutschlands sehr eindeutig gegen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie den Geschichtsrevisionismus des Kremls positionierten, waren auch hier mit dieser Botschaft angetreten. Sie hatten unter anderem ein dreisprachiges Quiz (Deutsch, Russisch, Ukrainisch) mit sechs Wissensfragen über das Ehrenmal Treptow sowie zum Zweiten Weltkrieg, zur Roten Armee und zu Nationalitäten und Geschlecht der Soldaten ausgelegt. Das Quiz signalisierte einerseits, dass man das Ehrenmal in seiner Bedeutung als Grabstätte für die gefallenen Rotarmisten wertschätzte, andererseits hoben die Fragen Aspekte hervor, die von der Idealisierung der Roten Armee und der Sowjetunion durch den Kreml gerne ausgespart werden. Auf einem Aufsteller mit dem Slogan „Für Geschichtsbewusstsein. Gegen Propaganda“ war die Forderung zu lesen, „7200 Soldat*innengräber kenntlich machen“ und „Würde des Ortes wahren – Totenruhe respektieren“. Musik, Alkohol und Picknicks seien auf dem gesamten Gelände aus Pietätsgründen zu verbieten.

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Die Grünen gelten in Deutschland als die jüngste unter den etablierten Volksparteien und haben eine interessante Geschichte hinter sich, besonders hinsichtlich ihrer Positionierung zu Krieg und Frieden. Nach anfänglich noch recht großen Sympathien bei den Bundestagswahlen 2021, die ihnen Regierungsbeteiligung in der sogenannten Ampelkoalition (2021-2024) mit dem großen Partner SPD und dem kleineren Partner FDP einbrachte, mussten sie aus vielen Gründen empfindliche Vertrauensverluste hinnehmen. Meines Erachtens ist es schwer, ein einziges Hauptthema für den Vertrauensverlust der Grünen zu benennen: Nicht nur Krieg und Frieden, Umwelt und Energieversorgung hatten ihren Anteil daran, sondern auch „Triggerpunkte“ wie die sogenannte gendersensible Sprache, Klassenfragen und Kulturkämpfe im weiteren Sinne.

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Trotzdem liegt man nicht falsch, wenn man Außen- und Sicherheitspolitik, die wiederum stark mit dem Themenfeld der Energiewende zusammenhängen, als zentrales Momentum begreift. Durch den Gaza-Krieg seit Oktober 2023 und die deutsche pro-israelische Haltung über die letzten Jahre hinweg hat das Feld der Außenpolitik beim Vertrauensverlust der Grünen im Vergleich zu anderen Parteien ein ganz besonderes Gewicht mit einer eigentümlichen Dynamik angenommen. Will man verstehen, warum die Grünen in den öffentlichen Meinungen oft mit einer besonderen Vehemenz für ihr außenpolitisches Auftreten abgestraft werden – obwohl sie im Vergleich zu den anderen Volksparteien keine besonders radikale Haltung einnehmen – so muss eine besondere Wende der Grünen noch einmal beleuchtet werden, zu der es in den späten 1990er Jahren gekommen ist.

Es heißt oft, die Grünen hätten sich von der Friedenspartei zur Kriegspartei gewandelt.1 Vor allem in traditionell nach Russland orientierten, (pseudo-)linken Milieus, aber auch in radikal pazifistischen Segmenten der öffentlichen Meinung wird dabei meist die erste Regierungsbeteiligung der Grünen im rot-grünen Kabinett Schröder I (1998-2002) angesprochen. In dieser Zeit lag der Bosnienkrieg (1992-1995) mit dem genozidalen Massaker von Srebrenica (Juli 1995) gerade erst hinter Europa, während sich das serbische Milošević-Regime im Kosovo mit der albanischen Paramiliz UÇK im offenen Krieg befand und es erneut zu Massakern an der Zivilbevölkerung kam. Die NATO beschloss, noch unter dem Eindruck der Entwicklungen in Bosnien, zu intervenieren, und Deutschland brach mit seinem nach dem Zweiten Weltkrieg lang gehegten Prinzip, sich nicht selbst aktiv an Kriegseinsätzen im Ausland zu beteiligen.

Der damalige deutsche Außenminister Joschka Fischer ist bis heute wahrscheinlich einer der bekanntesten Grünen-Politiker Deutschlands, der in seinem Amt voll und ganz aufzugehen schien. Er begründete die Beteiligung an der NATO-Intervention im Kosovo und Restjugoslawien mit einer ethischen Haltung: Nicht trotz, sondern wegen Auschwitz müsse man intervenieren, nämlich um heute auf der Grundlage der Lehren der Vergangenheit einen Genozid zu verhindern. Damit stellte sich Fischer im Prinzip in die Tradition Rafael Lemkins, der den Begriff des Genozids als juristische Kategorie genau mit dieser in die Zukunft gerichteten Intention des „Nie wieder!“ geprägt hatte. Man mag zur Legitimität und zur völkerrechtlichen Grundlage der NATO-Intervention in Restjugoslawien bis heute unterschiedlicher Meinung sein, doch wichtig im Lichte der gegenwärtigen Entwicklung ist, dass sich Deutschland mit dem expliziten Bezug auf Auschwitz damit eine Verantwortung nicht einfach zu militärischer Enthaltsamkeit oder Aktion aufgetragen hat – sondern, konsequent gedacht, auch zur Bekämpfung von Faschismus und Genozid über seine eigenen Landesgrenzen hinaus. Problematisch ist dabei in der Praxis, dass die Vergangenheit völlig variabel für politische Zwecke eingespannt werden kann, wie der Autor Daniel Marwecki in seinem Buch über die deutsche Staatsräson hinsichtlich Israel feststellt.2 Denn was heißt es, wenn Auschwitz einmal zur Legitimierung eines Auslandseinsatzes argumentativ eingespannt wird – obwohl der Holocaust ansonsten als singulär und nicht vergleichbar gilt – ein anderes Mal aber nicht? Vor solchen und ähnlichen Gefahren hatte das französische Historikerkollektiv um Pierre Nora bereits 2005 in der Petition Liberté pour l’histoire gewarnt.3

Oft wird konstatiert, die Grünen säßen „in der Moralfalle“, weil sie die selbst verkündeten Werte nicht einhalten könnten.4 Werte und Widersprüche der Grünen wurden schon vor der Regierungsbeteiligung der sogenannten Ampelkoalition (Dezember 2021 – November 2024) und der Besetzung des Ressorts Außenpolitik durch die Grüne Annalena Baerbock als problematisch erörtert. Doch in Baerbocks Amtszeit als Außenministerin fielen zwei große Einschnitte, die den vorgetragenen Wertekodex einer sogenannten feministischen und explizit werteorientierten Außenpolitik besonders exponierten und deren Folge äußerst harsche Urteile waren: Erstens, der zweite russische Angriffskrieg gegen die Ukraine am 24. Februar 2022; zweitens, der Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 mit dem sich anschließenden, brutalen israelischen Zerstörungskrieg gegen Gaza, der sich bis heute auf Zerstörungen der Westbank und Libanons ausgeweitet hat und mit weiteren Eskalationsspiralen vereint hat.5

Bildquelle: Thomas Schad, 2024.

Diese doppelte Eskalation an zwei Kriegsschauplätzen, die sich zwangsläufig stark auf die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Deutschland auswirken musste, wäre für jedes Kabinett und jede Besetzng des Außenressorts eine extreme Herausforderung gewesen. Im Fall der Grünen kamen aber die nicht enden wollenden, sprachlichen und sachlichen Pannen der Außenministerin hinzu, die sich ihrer Rolle nicht gewachsen zeigte und wie wenige andere Regierungsmitglieder immer wieder am Pranger der öffentlichen Meinungen stand. Baerbock flog in ihrer Amtszeit nach dem 7. Oktober 2023 insgesamt zehn mal nach Israel, ohne in den Augen der Öffentlichkeit sichtbare, diplomatische Erfolge zu verbuchen. Trotz ihrer oft belehrend wirkenden Mahnungen zur Einhaltung der Menschenrechte hielt sich Baerbock letztlich im Umgang mit Israel immer an die ungeschriebene Doktrin der deutschen Staatsräson, wonach Israel Deutschlands grundsätzliche Unterstützung zu gelten habe.

Der wichtigste internationale Kritikpunkt an Deutschlands Israel- und Palästina-Politik betrifft – nachvollziehbarerweise – die deutschen Waffenlieferungen nach Israel: seit 1967 rangiert Deutschland hinter den USA auf Platz zwei der wichtigsten Waffenlieferanten an Israel, das seitdem in mehrere Kriege, Landenteignungen, im Bau illegaler Siedlungen auf fremdem Grund, kollektiver Entrechtungen sowie in immer wieder aufflammende Gewalteskalationen mit den Palästinensern und arabischen Nachbarn involviert ist.6 Die Waffenexporte nach Israel wurden insbesondere ab 2024 strengeren Überprüfungen unterzogen, ohne jedoch je eingestellt zu werden. Seitens der Opposition (CDU) und der Jüdischen Allgemeinen Zeitung wurde kurz vor dem Koalitionsbruch kritisiert, dass zwischen März und Oktober 2024 keine Waffen mehr nach Israel geliefert worden seien, was verdeutlicht, dass die entschiedene Position der deutschen Staatsräson hinsichtlich Israels sehr breit in der Parteien- und Lobbylandschaft verankert ist und nicht ohne weiteres geändert werden kann.

Auch wenn sich Israel nachweislich Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig macht, des Genozids und „ethnischer Säuberung“ beschuldigt wird, konnte oder wollte sich die grüne deutsche Außenministerin – wie die Bilanz der letzten Jahre zeigte – trotz ihrer Selbstverpflichtung auf wertebasierte und feministische Außenpolitik dem nicht effektiv entgegenstellen. Der Effekt glich dem Fall vom hohen Ross. Annalena Baerbock und die Grünen wurden neben aller berechtigter Kritik aber auch zum beliebten Ziel massiver, rechtspopulistischer Hetze, die zentrale, gesellschaftliche Triggerpunkte aufgriffen und mit der missglückten Besetzung des Auswärtigen Amts verband.7 Die öffentliche Meinung schert sich nicht unbedingt um eine faktenbasierte, gerechte oder ausgewogene Sicht. Was das Misstrauen gegen die Grünen womöglich viel stärker steigerte als jede nüchterne Bilanz ist der immer wieder zu lesende, vernichtende Vorwurf der Bigotterie. Die ungleiche Haltung bei der eindeutigen Verurteilung Russlands wegen der Ukraine einerseits und der ausbleibenden Solidarität mit den Palästinensern andererseits schlug innen- wie außenpolitisch als eklatanter Fall von Doppelmoral zu Buche.8 Auf die nicht zu unterschätzenden, sozialen Effekte des Palästina-Diskurses im superdiversen Berliner Gefüge werde ich weiter unten noch genauer zurückkommen.

Ukrainische Gruppen und eine russisch-ukrainische Konfrontation

Ukrainische Gruppen waren am 9. Mai in Treptow von überall her sichtbar, was besonders an den heliumgefüllten Ballons in den ukrainischen Nationalfarben Blau und Gelb lag, die in der Luft standen. Auch größere und kleinere Flaggen der Ukraine waren hie und da anzutreffen. Das stand im klaren Gegensatz zum Verbot, die russische und sogar die sowjetische Flagge zu zeigen, denn „[d]as Zeigen von Fahnen und Flaggen mit russischem Bezug sowie Symbolen der ehemaligen Sowjetunion, Belarus oder Tschetschenien“ war in der polizeilichen Allgemeinverfügung zum 8. und 9. Mai explizit untersagt, was mit dem Schutz der öffentlichen Ordnung und Sicherheit begründet wurde.9

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Das Zeigen der ukrainischen Flagge war 2022 und 2023 ursprünglich aus denselben Gründen auch untersagt worden, was aber zu heftigen Kontroversen führte.10 2023 wurde das Verbot der ukrainischen Nationalsymbolik durch Entscheid des Verwaltungsgerichts wieder gekippt,11 und auch in diesem Jahr war das Zeigen der ukrainischen Flagge erlaubt. Die Begründung lautete, dass es sich bei der Ukraine um ein angegriffenes Land handle, das nicht, wie die Russländische Föderation, ein propagandistischer und proaktiver Kriegstreiber sei. Vielmehr ist die Ukraine symbolisches wie tätliches Missbrauchsopfer des russischen Geschichtsrevisionismus. So nachvollziehbar diese Begründung erscheinen mag, wirft dieses eindeutig parteiische Verbot russischer Nationalsymbolik natürlich trotzdem Probleme und weitere Fragen auf: Warum ist davon auch die historische, sowjetische Flagge betroffen? Und ist es nicht vorstellbar, dass sich Russinnen und Russen, die nicht aus geschichtsrevisionistischen Gründen am 9. Mai zum Sowjetischen Ehrenmal kommen, dadurch ungerecht behandelt fühlen – und damit sogar noch stärker in den Sog der Sendung des Putin-Regimes gedrängt werden?

Man musste nicht lange suchen, um Zeuge konfrontativer Szenen zwischen ukrainischen und offenkundig pro-russischen Gruppen zu werden. Manche dieser Szenen wirkten wie Ausschnitte aus dem russisch-ukrainischen Krieg, was sie im Grunde ja auch waren. Die unterschiedlichen Grüppchen mit ukrainischen Symbolen und Farben benötigten Mut, waren sie doch besonders durch die Farbsymbolik von überall her gut sichtbar. Auch mit alkoholisierten, potenziell gewaltbereiten Teilnehmern war erfahrungsgemäß zu rechnen: „Am Nachmittag wird es unangenehm, vielleicht sogar gefährlich auf dem Gelände“, übertitelte ein Beitrag des RBB das Interview mit einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation Memorial zum vergangenen 9. Mai 2025.12 Eine ähnliche Spannung war an diesem 9. Mai zu spüren, obwohl offensichtlich alkoholisierte Besucher in einem ganz wörtlichen Sinn eine Randerscheinung blieben.

An mehreren Stellen sprach ich mit Ukrainerinnen und Ukrainern und ihre Sympathisanten, hielt mich aber an allzu exponierten Stellen zurück. In der Nähe des Kurgans etwa erschien mir die Stimmung heikel, zumal ich fast der einzige Mensch ohne Begleitung war. In den Randbereichen, wo steinerne Bänke stehen, wurden vereinzelt Wodka-Picknicks zelebriert. Ein muskulöser, junger Mann mit soldatischem Habitus brüllte bei einer dieser alkoholisierten Zusammenkunft aus ganzem Leib ein martialisches Lied auf Russisch, was einige bewundernde Blicke auf sich zog und mich zügig weiterlaufen ließ. Alle Ukrainer und ihre Unterstützer, die ich unterwegs sprach, sagten mir immer wieder dasselbe: Man wolle das Feld nicht widerstandslos der russischen Seite überlassen, denn schließlich sei die Ukraine das größte Opfer des Zweiten Weltkriegs unter allen Sowjetrepubliken gewesen.

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Zu einer offenen Konfrontation kam es auf der Plattform zwischen den Pylonen der oberen Ebene und den Flammenfeldern der unteren Fläche. Die Szene, die ich wie viele andere Teilnehmer filmen und fotografieren konnte, spielte sich hauptsächlich zwischen einer Gruppe (pro-)ukrainischer, männlicher Demonstranten und einer Gruppe russischsprachiger Frauen ab. Der Konflikt entzündete sich praktisch beiläufig: Zunächst gingen sie sich einander mit ironischen, provokativen Fragen an, worüber sie immer lauter wurden. Die Russinnen, sichtlich erfreut über die schwache Position der wenigen ukrainischen Männer, beendeten die verbale Auseinandersetzung und stimmten stattdessen einen einladenden Sprechchor an, dem sich immer mehr Menschen um sie herum anschlossen. Die Parole bestand aus einem einzigen Wort: „Rossi-ja! Rossi-ja! Rossi-ja!“, was wie in einem Fußballfanchor skandiert wurde: Russ-land! Russ-land! Russ-land! Ohne weitere Eskalation löste sich der extraterritoriale Frontabschnitt schließlich wieder auf.

Russische Dissidenten und das Bündnis »Gedenken gegen den Krieg«

Unabhängig davon, ob es auch ohne die Präsenz ukrainischer Flaggen zu Konfrontationen gekommen wäre: Die beschriebene Szene zeigte aufs neue, dass die gesamte Veranstaltung hochgradig kosmopolitisiert war. Obwohl durch das Verbot, die russische Flagge zu zeigen, weniger offensichtlich war, welche Gruppen sich der Russländischen Föderation zugehörig fühlten, waren schon im Eingangsbereich Konflikte zu beobachten, in denen zwar der Krieg gegen die Ukraine eine Rolle spielte, die sich aber unter russischen Teilnehmern abspielten. Der Einfachheit halber bezeichne ich diese Gruppe hier zusammengefasst als russische Dissidenten.

Zwischen dem Stand der Grünen und der Mutter Heimat wehte mir eine weiß-blau-weiße Flagge ins Gesicht, deren Bedeutung mir bis dahin entgangen war. Dazu genauer nachfragend erklärte mir ein Mann aus der dissidentischen Gruppe, der sich als Russe vorstellte, dass es sich um die „alternative russische Flagge“ handle: Sie sei befreit von der Farbe Rot, die nach Ansicht der Gruppe für das viele Blut stehe, das an Russlands Händen klebe.Ich stellte mich genauer vor und zeigte meine Forschungswebsite über Neopopulismus, um das allgegenwärtige Misstrauen abzubauen und mehr zu erfahren. Denn woher wollten diese Leute wissen, mit welcher Agenda ich hierher gekommen war? Eine Organisatorin der Gruppe Gedenken gegen den Krieg nahm sich Zeit, um mir die Anliegen ihrer Initiative zu erklären.13 Während die wachen Augen der Organisatorin immer wieder zu einer anderen Dissidentin wanderten, die gerade von der deutschen Polizei kontrolliert wurde, erklärte sie (übereinstimmend mit den ukrainischen Aktivisten), dass man den Putin-Anhängern diesen wichtigen Gedenktag nicht einfach so überlassen wolle. Die Gefallenen seien schließlich aus allen Bevölkerungsgruppen der Sowjetunion, besonders viele – die meisten Opfer sogar – aus der Ukraine.

Dass die Ukraine im Zweiten Weltkrieg die höchsten Opferzahlen aller ehemaligen Sowjetrepubliken zu verzeichnen hatte, war in der öffentlichen Auseinandersetzung der letzten Jahre zu einem wichtigen, faktischen Argument gegen die russische Propaganda geworden, die selektiv ukrainische Kollaboration mit den Nazis fokussierte und damit die heutige Ukraine zu diskreditieren versuchte.14 Um sich die Ehrerweisung durch die Putin-Anhänger nicht aus der Hand nehmen zu lassen, würde die Gruppe auch selbst im Anschluss noch zur Krypta gehen. Genau darüber wurde parallel zu unserem Gespräch mit den Polizeibeamten der richtige Zeitpunkt verhandelt.

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Die Dissidenten rund um die weiß-blau-weiße Flagge gruppierten sich als Bündnis mehrerer Vereine. Darunter waren Vertreter des Menschenrechtsvereins Memorial Deutschland, der als Memorial in der Glasnost-Periode gegründet worden war, um die Verbrechen der Stalin-Zeit aufzuklären. Heute ist Memorial in Russland verboten, was darauf zurückgeführt wird, dass die Arbeit des Vereins der Sicht Putins auf die sowjetische Geschichte zuwiderläuft.15 Der zweite Verein nennt sich Demokrati-JA e.V., der wie die Gruppe Gedenken gegen den Krieg eine eigene Website führt.16 Wie den Stellwänden, Materialien und einem Programm zu entnehmen ist, waren am Vormittag weitere Persönlichkeiten aus der Kommunalpolitik und anderen Vereinen beteiligt. Die Initiative Gedenken gegen den Krieg hat es sich laut ihres Manifests in neun Punkten aus dem Vorjahr zum Ziel gesetzt, das Gedenken durch historische Kontextualisierung zu entstalinisieren, zu deimperialisieren, zu demilitarisieren, zu deanonymisieren, zu individualisieren, zu dialogisieren und diversifizieren.17

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Dem Aufruf zur Belebung des Gedenkens konnte direkt vor Ort über eine schwarze Tafel nachgegangen werden, die mit individuellen Gedenkgeschichten beschriftbar war. Es gab außerdem eine Filzwand, an der mit Sicherheitsnadeln Fotos und persönliche Archivmaterialien angeheftet werden konnten. In vielen der Sprachen, die in der ehemaligen Sowjetunion gesprochen wurden, von Ukrainisch, Weißrussisch, den zahlreichen Turksprachen, Rumänisch bis hin zu den kaukasischen Sprachen und Westsprachen fand sich das Motto „Gedenken für den Frieden“ auf einem großen Paneel. Auf einer langen Stellwand wurden unterrepräsentierte Aspekte des Zweiten Weltkriegs hervorgehoben, die in der russischen Propaganda keine Berücksichtigung finden, wie zum Beispiel das Massaker von Katyn, bei dem zirka 4400 gefangene Polen durch Angehörige des sowjetischen Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten erschossen wurden, was bis 2010 jedoch weitgehend geheimgehalten worden und in Russland bis dahin nur wenigen Menschen bekannt war. Mit den großen Lettern „Gedenken gegen den Krieg“ (Память против войны / Пам’ять проти війни) forderte das Bündnis dazu auf, die Erinnerung in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg zu reflektieren.18

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.
Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Frieden und Antifaschismus: alles eine Frage der Interpretation

Dass neben den bereits genannten noch viele weitere der anwesenden Gruppen und Akteure motiviert von Bezugnahmen auf Frieden und Antifaschismus waren, ließ sich nicht übersehen. Die folgenden Gruppen bezogen sich zwar auch auf den Ukraine-Krieg, aber die meisten brachten einen geschichtlich weiter zurückreichenden Hintergrund und allgemeinere Zugänge zu Friedensengagement mit, weshalb sie als eine gesonderte Gruppe betrachtet werden. Dabei ist bemerkenswert, dass die Forderung nach Frieden in den kriegerischen Kontexten der Gegenwart sofort Misstrauen hervorbringt, was auch an allmählich in Vergessenheit geratene Konflikte der Friedensbewegungen der 1980er Jahre in der BRD erinnert, als ebenfalls der Kreml und andere internationale Kräfte und Konfliktgemenge involviert waren. Trotzdem erscheint die Polyphonie der heutigen Unstimmigkeiten und Widersprüche wesentlich komplexer als während der bipolaren Grundordnung des Kalten Krieges. In den superdiversen, kosmopolitisierten Bricolagen aus alter, neuer und vor allem neu verbastelter Symbolik im heutigen Berlin ist alles andere als klar, was sich hinter dem unschuldig wirkenden Wort »Frieden«, aber auch hinter Referenzen zu »Antifaschismus« alles verbergen kann. Die folgenden Beobachtungen, die ich mit einer Ausnahme im Bereich zwischen den Triumphbögen, der Mutter-Heimat Figur und den Pylonen gemacht habe, zeigen, dass Frieden und Antifaschismus oft mit Hashtags der Social Media Welt vergleichbar sind: Einmal angeklickt, öffnen sich völlig unterschiedliche Threads, in denen jeder etwas anderes darunter versteht.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e.V.) ist die älteste und größte überparteiliche, antifaschistische Organisation in Deutschland, die bereits 1947 gegründet wurde. Ihre Vertreter waren nicht am 9. Mai, sondern bereits am Vortag an den Berliner Gedenkstätten präsent, dem Gedenktag nach deutschem Kalender und Berliner Zeitrechnung.19 Die VVN-BdA ist aus dem Kreis von KZ-Überlebenden und anderen Dissidenten des deutschen Nazi-Regimes entstanden und war am Anfang sehr heterogen: Unter ihren prominentesten Gründungsmitgliedern befand sich zum Beispiel Konrad Adenauer, der jedoch bald austrat, weil sich die Vereinigung für den Geschmack des ersten, christlich-konservativen deutschen Bundeskanzlers zu kommunistisch orientierte. Der Konsens der VVN-BdA besteht bis heute in der Berufung auf den „Schwur von Buchenwald“ – einem starken Statement für Entnazifizierung, Entmilitarisierung, Entmonopolisierung, Demokratisierung, Sozialstaatlichkeit, Völkerverständigung und antifaschistische Einheit in ganz Deutschland.20

Im Gegensatz zu den anschließend zu beschreibenden Friedensinitiativen, die am 9. Mai 2026 in Treptow anzutreffen waren und Blumen oder Gestecke niedergelegt haben, positioniert sich die VVN-BdA eindeutig gegen Putins Angriffskrieg. Das machten die VVN-BdA-Vertreter auch auf ein sehr geschickte Art sichtbar: An vielen einzelnen, niedergelegten Blumen war das Dreicks-Logo der VVN-BdA angebracht, ergänzt um die einfache, russische Botschaft „Nein zum Krieg!“ (Нет Боиине). Das widerspricht schon der offiziellen russischen Rhetorik, dass es sich beim Ukraine-Krieg nicht um einen Krieg, sondern um eine Spezialoperation handle. Neben den einzelnen roten Nelken hatte die VVN-BdA auch Gestecke abgelegt, zum Beispiel an der Mutter Heimat Figur. Zeitnah nach dem zweiten russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die VVN-BdA mehrere kritische Podiumsveranstaltungen zum Geschichtsrevisionismus organisiert, der sich schnell rund um die russischen Ansprüche auf die Ukraine entfaltete. Dabei ging es nicht nur um die Rhetorik des Kremls, die Aggression als Kampf gegen Nazis in der Ukraine darzustellen, sondern auch um eine kritische Hinterfragung der Tendenz der Gegenseite: Putin wurde oft mit Hitler gleichgesetzt, russische Kriegsverbrechen wie in Butscha als Fortsetzung der deutschen Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg bezeichnet.21

Bildquelle: Thomas Schad, 13. Mai 2026.

Friedenskoordination Berlin (FRIKO)

Die Friedenskoordination Berlin (FRIKO) betrachtet sich selbst als Teil der deutschen Friedensbewegung seit 1980 und als Plattform für Friedensgruppen, Gewerkschaften, Kirchen und Weltanschauungsorganisationen, Frauen- und Jugendverbänden, Parteien, aus antifaschistischen Gruppen, aus dem Bereich der Migrations- und Flüchtlingsarbeit aber auch Einzelpersonen.“22 Damit teilt die FRIKO zwar gemeinsame Bezüge mit den Grünen und anderen (west-)deutschen Friedensinitiativen, hat sich aber im Gegensatz zu ersteren auf einen Russland-affinen Pfad festgelegt: in der öffentlichen Debatte wird die FRIKO oft in die Nähe Russlands oder pro-russischer Positionen gerückt, auch wenn das von der Initiative teilweise abgestritten wird. Die öffentlichen Statements lesen sich teils wie Appeasement gegenüber Russland, teils eindeutig parteiisch: Aufrufe zu Veranstaltungen wie der Kundgebung „Russland ist nicht unser Feind“ am 20. Juni 2026 im Russischen Haus in der Berliner Friedrichstraße sprechen in dieser Hinsicht für sich.23

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Laut den Selbstdarstellungstexten auf der Website sieht sich die FRIKO in der Kontinuität eines Teils der Friedensbewegungen der frühen 1980er Jahre: Das Netzwerk ist demnach aus dem Protest gegen den Nachrüstungsbeschluss der NATO mit der Stationierung der Pershing II und Cruise Missiles (NATO-Doppelbeschluss von 1979) hervorgegangen. Die FRIKO ist offensichtlich von einem sehr selektiven Verständnis motiviert, welche Kriege Anlass für friedenspolitisches Engagements erfordern – und welche anderen Kriege sie ignoriert: Die FRIKO „initiierte beim Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999 eine Mahnwache und führte sie vom ersten bis zum letzten Tag des Krieges an der Gedächtniskirche durch“24, so ihe Selbstdarstellung, was sie in einen klaren Gegensatz zu den Grünen stellt, für die der NATO-Doppelbeschluss ebenfalls ein wichtiger initialer Referenzpunkt war. Anders als die Grünen, die sich 1999 für die militärische Intervention gegen Restjugoslawien/Serbien aussprachen und sich dabei explizit auf Srebrenica, Auschwitz und drohenden Genozid bezogen, wird bei der FRIKO dem Bosnienkrieg kein einziges Wort gewidmet – was der Chronologie und dem realen Blutzoll der Kriege in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens Hohn spricht. Es mag sein, dass die Hinwendung zu Russland, das damals – wenn auch geschwächt – auf der Seite Serbiens stand, hier starken Auftrieb genommen hat. Liest man sich alle von der FRIKO auf der Website aufgeführten Aktionen durch, so ergibt sich ein sehr klares Profil: die Gegner sind grundsätzlich die NATO, die USA und die von Westmächten geführten Kriege, die NATO-Osterweiterung, diverse Aufrüstungsbeschlüsse und die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Russland, Serbien oder andere Mächte geraten dagegen nie in den Problemfokus der FRIKO.

Auf dem zirka vier Meter breiten, hellblauen Banner der FRIKO auf dem Ehrenmal war eine Friedenstaube abgebildet, daneben die einnehmende Parole „Wir danken den Sowjetischen Soldaten für die Befreiung vom Faschismus“. Mit demselben Banner war die Gruppe auch am Vortag schon am Sowjetischen Ehrenmal in Tiergarten vertreten, wie aus den veröffentlichten Fotos und Selbstdarstellungen der Website hervorgeht. Mit der Botschaft ihres Banners knüpfte die FRIKO an die Dankesrhetorik an, die Fibich in der dualen Gedenkdynamik des Sowjetischen Ehrenmals vor dem Mauerfall auf Seiten der DDR-Eliten beschreibt. Die Rednerin Barbara Majd Amin, die im FRIKO-Umfeld offenbar einen hohen Bekanntheitsgrad genießt, bildet als DKP-Mitglied auch eine enge Verbindung zur nächsten Gruppe, die sich ebenfalls mit antifaschistischer, friedensbewegter und dabei mehr oder weniger starr an Russland ausgerichteter Rhetorik hervortat.

Deutsche Kommunistische Partei (DKP)

Am Stand der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) mit seinem roten Zelt-Pavillon überwog eindeutig das Thema Kriegsdienstverweigerung und Wiedereinführung der Wehrpflicht, das in Deutschland gerade außerhalb dieses Parteienspektrums erstaunlich geringe Beachtung findet. Daneben fanden sich klassische aktivistische Literaturauslagen, Publikationen zu klassischen Friedensthemen und die Symbolik der Friedenstaube. Zu Russland und zum Angriffskrieg äußerte sich die die Partei im Verlauf des Jahres 2022 unterschiedlich und widersprüchlich. Auch innerhalb der Partei scheint es zu einigen Konflikten gekommen zu sein, wie aus einem nachdenklichen, selbstkritischen Blog-Post der DKP Saarland hervorgeht.25 Allerdings hatte die DKP direkt am 23. Februar 2022, also unmittelbar in Folge der ersten (erneuten) Kriegshandlungen durch Russland, eine eindeutig pro-russische Pressemitteilung herausgegeben, in der sie zur „Anerkennung der beiden Volksrepubliken im Donbass“ aufruft und damit russischen Geschichtsrevisionismus reproduzierte. Außerdem wurde die russische Rhetorik übernommen, wonach die Schuld am Krieg grundsätzlich der „aggressiven NATO-Osterweiterung“ sowie der erwogenen EU-Mitgliedschaft der Ukraine zugeschrieben wird. Auch die Rede vom „Putsch unter Einbeziehung faschistischer Kräfte und mit Duldung der NATO, der EU und Deutschlands“ – gemeint ist der für Russland unerfreuliche Regierungswechsel in der Ukraine und die Präsidentschaft Wolodymyr Selenskijs – wird hier ungefiltert reproduziert, während gleichzeitig „für Frieden und Abrüstung“ geworben wird.26

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)

Zwischen dem DKP-Stand mit seinen roten Zelt-Pavillons und der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD), ebenfalls mit einem kommunistisch-roten Stand, schmetterte bei meinem Besuch eine Frau in ihren Dreißigern ein sentimentales, russisches Kriegslied als Solo-Einlage ins Mikrofon. Im Hintergrund saßen mutmaßlich deutsche Männer und Frauen fortgeschrittenen Alters mit rot-weißen und schwarz-weißen Kufiyas, links des DKP-Stands hielt sich eine sitzende Gruppe junger Leute aus dem kosmopolitischen Berliner Milieu auf, die ebenfalls Kufiyas mit sich führten. Die MLPD rahmte ihren Stand mit zwei großen Flaggen: links die eigene, knallrote Flagge, die der Flagge der Sowjetunion zum verwechseln ähnlich sieht, und auf der rechten Seite eine ebenso große Palästina-Flagge.

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

In ihren eigenen Publikationen und Verlautbarungen zum Ukraine-Krieg 2022 äußerte sich die MLPD durchaus kritisch gegenüber Russland, dessen Angriffskrieg sie als imperialistischen Akt bezeichnete, Russland selbst wurde dabei als imperialistische Macht neben anderen bezeichnet. Die NATO und die restlichen kapitalistischen Länder, zu denen auch die Ukraine gerechnet werden, bekamen ebenso Kritik. In vielerlei Hinsicht wirken die mündlichen und schriftlichen Statements wie „All-Sideism“.27 Von wie auch immer dosierter Kritik an Russland schien in Treptow nichts geblieben zu sein: Auf der Veranstaltung am 9. Mai 2026 betrieb die MLPD eine ganz eindeutige Täter-Opfer-Umkehr und eine unverhohlene Glorifizierung Russlands, was sie über den Slogan „Stoppt den Krieg gegen Russland“ sichtbar machte, der sich sowohl auf einem großen Paneel als auch auf einer Broschüre fand, die verteilt wurde. Erweitert wurde die Bricolage noch durch die willkürlich wirkende Tagline „Solidarität mit Iran, Kuba, Palästina / Für die Niederlage des NATO-Imperialismus“ in weißer Schrift auf rotem Grund, was besonders hinsichtlich der Bezugnahme auf Iran reichlich absurd erschien. Wie Folklore fügten sich noch die vom Zelt-Pavillon herabhängenden Flaggen Kubas und der DDR in das kommunistische Bastelwerk ein.

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Andererseits positioniert sich die MLPD aber auch gegen die AfD, die wiederum in weiten Teilen als genauso pro-russisch gilt wie die MLPD und DKP. Im Diskursverlauf beider kommunistischer Kleinstparteien wird deutlich, dass sich diese Parteien nie von einer eingeübt wirkenden Hinwendung zur UdSSR emanzipiert haben, was sie wie ein aus der Zeit gefallener Anachronismus wirken lässt. Der Verbleib der UdSSR scheint in dieser rot gefärbten Zeitkapsel immer wieder in der Russländischen Föderation als Rechtsnachfolgerin gesucht zu werden – was angesichts aller Widersprüche und irreführender Bricolagen kommunistischer, imperialistischer, geschichtsrevisionistischer und nationalistischer Symbolik seitens des Kreml-Regimes keine nennenswerte Resonanz zu erzeugen vermag. Selbst wenn in einzelnen Foren-Beiträgen im Netz Kritik an Russland auftaucht, neigen die altkommunistischen Kleinstparteien wie in einem Reflex immer wieder dazu, die Kritik an der NATO als „eigentlich Schuldige“ am Krieg ins Zentrum zu rücken. Im Zweifel wird an der alten Binarität festgehalten, was im Verbund mit der roten Symbolik aus dem 20. Jahrhundert ein wenig an eine nostalgische Formation erinnert.28

Palästina als Friedens- und Misstrauensthema

Beim Internationalistischen Bündnis Berlin, kurz Inter Bündnis, war der Standbetreuer bei meinem Besuch gerade damit beschäftigt, eine palästinensische Kufiya unter dem Sonnenschirm anzubringen. Die Solidarität mit Palästina ist das Hauptthema das Inter Bündnisses, was sich auch im Logo widerspiegelt, das sich aus Kufiya-Elementen und den palästinensischen Nationalfarben zusammensetzt. Das Bündnis hat sich 2025 gegründet und beruht nach Selbstdarstellung auf den Grundsätzen des Kufiya-Netzwerks.29 Letzteres ist wie das Inter Bündnis ein breiter Zusammenschluss zahlreicher kleinerer Initiativen aus dem Spektrum der Palästina-Solidarität, der BDS-Kampagne, linker und queerer Gruppen,30 wobei die Mitgliedergruppen des Inter Bündnis viel stärker aus einzelnen Basis- und Bezirksgruppen der Linken (z.B. Linke Neukölln), SDS Berlin sowie überregionalen Gruppen wie Mera25 bestehen. Das Bündnis wendet sich gegen Waffenlieferungen an Israel und setzt sich für einen akademischen Boykott israelischer Universitäten und Forschungseinrichtungen ein, was mit klassischen antikapitalistischen, kommunistischen und linken Argumenten untermauert wird. Das wurde auch an den Literaturauslagen des Stands sichtbar, wo sich neben MLPD-Publikationen zahlreiche Klassiker und antiquarische Literatur aus dem kommunistischen Kanon und antifaschistischer Literatur fand. Von Lenin, Marx, Engels, Thälmann über Wolfgang Langhoffs Die Moorsoldaten bis hin zu Esther Bejaranos Erinnerungen an Auschwitz war hier alles vertreten.

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Wie bereits am Beispiel der Grünen und ihres Vertrauensverlusts deutlich wurde, spielte die palästinensische Frage an diesem Tag für viele weitere Teilnehmer eine direkte oder subtile Rolle, woran die Palästina-Flaggen und Kufiyas erinnerten. Wenn es um Krieg und Frieden und in diesem Zusammenhang um Vertrauensfragen geht, dann ist das Thema Palästina heute in Deutschland nicht auszublenden. Es geht dabei um weit mehr als den Ansehensverlust einer einzelnen Partei wie der Grünen, von denen viele liberale und linke Stimmen eine andere Haltung erwartet hätten. Weiter gefasst steht dabei die von Parteien unabhängige Gedenk- und Erinnerungskultur Deutschlands im Kreuzfeuer. Bis vor kurzem international oft lobend hervorgehoben, ist diese in den letzten Jahren immer stärker in die Kritik geraten.31Das mit Sicherheit prominenteste Thema in diesem Zusammenhang betrifft die bereits genannte deutsche Staatsräson und die default pro-israelische Haltung im deutschen Politik-Establishment, wie sie Daniel Marwecki in ihrer historischen Gewordenheit spätestens seit dem berühmten Handschlag zwischen Konrad Adenauer und David Ben-Gurion analysiert hat.32

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Von palästinensischen, pro-palästinensischen, muslimischen und anderen Gruppen werden immer wieder Vergleiche zwischen der ungleich ausgeprägteren Ukraine-Solidarität Deutschlands und der weitgehenden Ignoranz des palästinensischen Geleits angemahnt: Was ist mit Palästina, wo bleiben die eindeutigen Verurteilungen Israels? – so wird regelmäßig gefragt. Zählen die Menschenrechte palästinensischer Kinder, Frauen, Männer etwa weniger als die israelischer Hamas-Opfer? Besonders im kosmopolitischen Berlin mit der größten palästinensischen Community außerhalb des Mittleren Ostens wirken sich Enttäuschung und Vertrauensverlust stark aus, wobei Berlin gleichzeitig die Stadt mit den größten jüdischen und israelischen Gruppen Deutschlands ist. Rechnet man in diese Figuration die Gruppe der Deutschen mit ein, die sich mit der Schuld ihre Großeltern auseinandersetzt und den Diskurs als dominante Kraft mitgestaltet, so ergibt sich ein komplexes Beziehungsgefüge, wie Sa’ed Atshan und Katharina Galor in ihrer ethnographischen Monographie über dieses Dreiecksgeflecht zeigen.33

Die Aufarbeitung der Schuld in der eigenen Herkunftsfamilie bewirkt dabei keineswegs nur kathartische Effekte. Die Anthropologin Esra Özyürek will in Deutschland unter migrantischen Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund sogar beobachtet haben, dass diese von der deutschen Praxis der Holocaust-Erinnerung in die Rolle der „Stellvertreter der Schuld“ gedrängt werden.34 Die jüdische Autorin Deborah Feldman, die durch ihre Lebensgeschichte unter dem Titel Unorthodox zu großer Bekanntheit gelangte und nach dem Verlassen ihres chassidischen Herkunftsmilieus und ihrer Familie in New York in Berlin eine neue Heimat gefunden hatte, attestiert Deutschland inzwischen einen „Judenfetisch“: In Folge einer deutschen Schuldprojektion werde alles Jüdische idealisiert, Israel nicht realistisch betrachtet und deshalb auch nicht kritisiert. Die Erinnerungskultur diene oft eher der eigenen Entlastung und moralischen Selbstvergewisserung, und jüdische Heterogenität werde kein Raum gewährt.35 Auch Omri Boehm, einer der wichtigsten Philosophen und Fürsprecher des radikalen Universalismus der Gegenwart, wirft deutschen Denkern vor, das Denken auszusetzen, sobald es um Juden geht (genauer dazu in den Beiträgen über Omri Boehm).

Beschränkt man diese Problematisierung nicht auf die deutschen Projektionen und hört Menschen zu, die direkte familiäre Verbindungen nach Palästina und Israel haben, dann lassen sich Enttäuschung und Misstrauenszuwachs ganz konkret in vielen Winkeln des Berliner Alltagskontexts beobachten. Der Zuwachs von Misstrauen bildet sich nicht nur auf den zahlreichen Demonstrationen in Berlin und anderen Orten ab, wo das Phänomen freilich explizit und offensichtlich ist, und zwar in einem viel größeren Ausmaß als am Treptower Ehrenmal, wo die Russland/Ukraine/Deutschland-Dynamik ganz klar im Vordergrund stand. In einer Sozialraumanalyse in der Neuköllner High-Deck-Siedlung36, deren Erhebungen unter Jugendlichen und Fachkräften aus dem sozialen Bereich vor und nach dem 7. Oktober 2023 stattfanden, wurde Vertrauensverlust als Enttäuschung durch Jugendliche sehr klar benannt. In der High-Deck-Siedlung gelten Palästinenser heute als die größte der Bevölkerungsgruppen.

„Sie sehen ja, es gibt paar Leute, die auf Demos falsch reagieren. Ich finde das nicht gut, Sachen kaputt zu machen und die Polizei anzugreifen und so. Aber ich bin enttäuscht von Deutschland, wie die sich dazu äußern. Das geht nicht.… Ich habe Familienmitglieder, die weinen jeden Tag.“37

Viele der im Erhebungszeitraum getroffenen Maßnahmen an Schulen und im öffentlichen Raum, aber auch das allgemeine mediale Echo, in dem die deutsche Solidarität mit Israel omnipräsent, die Lage der Palästinenser hingegen absolut unterrepräsentiert waren, wurden von den Jugendlichen als Affront gegen sie selbst empfunden. Verbote von Demonstrationen, des Tragens der Kufiya und das sofortige Entfernen von Graffiti sorgten für Empörung. In mehreren Interviews wurde benannt, dass es dabei auch zu Gewalt gekommen sei und dass „Autos wegen Palästina gebrannt“ hätten.38 Wie aus der Einleitung der Studie hervorgeht, war die Stimmung in der High-Deck-Siedlung, wo der palästinensische Bevölkerungsanteil auch im Vergleich zu anderen Berliner Stadtteilen besonders hoch ist, so aufgeheizt, dass der Zugang zum Sozialraum über Wochen stark eingeschränkt war.39 Das Thema des Vertrauensverlusts und der Misstrauenszunahme durch die Palästinafrage verdient mit Sicherheit viel genauere Analyse und mag an dieser Stelle womöglich sogar überproportional gewichtet erscheinen. Durch die Präsenz der palästinensischen Symbolik am 9. Mai und die Juxtaposition der unterschiedlich verteilten, sich wechselseitig untergrabenden Solidarität darf das Thema andererseits aber auch hier nicht ausgeblendet werden, wenn es darum gehen soll, die Dynamik des Misstrauenszuwachses zu ergründen.

Bildquelle: Thomas Schad, Januar 2024.

Doch auch im Palästina-Diskurs wird ersichtlich, dass sich Misstrauen nicht nur in eine Richtung entwickelt. Palästina-Solidarität und Israel-kritische Haltungen können auch zu Entfremdungen innerhalb explizit antifaschistischer, friedensmotivierter Milieus führen. Ich sprach am 9. Mai mit einer deutschen Frau, die als eine der wenigen Besucher des Ehrenmals an diesem Tag ebenfalls alleine unterwegs war. Sie hatte schon in den 1980er Jahren am 8. Mai demonstriert, was auch aus ihrem Poster hervorging, das die Überschrift „1945 – 8. Mai – 1985“ trug und eine historische Fotografie der Begegnung sowjetischer und amerikanischer Soldaten an der Elbe in Torgau im April 1945 zeigte. Nach ihrer Mission und Gruppenzugehörigkeit genauer befragt, sagte sie, sie käme aus Westdeutschland und sei „immer schon Kommunistin“, gehöre jedoch keiner der kommunistischen oder linken Parteien in Deutschland an. Um mir den Grund für ihre Parteilosigkeit zu demonstrieren, holte sie mit vielsagendem Blick einen Davidstern hervor, der an ihrer Halskette verborgen unter dem Ausschnitt ihres Oberteils hing. Sie stehe treu auf Seiten Israels, weshalb sie sich in den kommunistischen Parteien nicht gut aufgehoben fühle. Auch der Umstand, dass sie den für sie wichtigen Davidstern verborgen hielt und erst einem an ihrer Botschaft interessierten Gesprächspartner vorzeigte – der ihr offenbar vertrauenswürdig erschien – kann als typischer Ausdruck der allgemeinen Misstrauensentwicklung gedeutet werden.

Bildquelle: Thomas Schad, 9. Mai 2026.

Misstrauen als Stimmung

Nach meiner ersten Runde zu den Ständen, die rund um die Mutter Heimat aufgebaut waren, ging es in einem zweiten Gespräch unter den russischen Dissidenten noch einmal um die Nachtwölfe am Eingang, die schließlich auch im Inneren gesichtet wurden. Ein Mann aus der Gruppe, mit dem ich mich unterhielt, kommentierte die Anwesenheit der Nachtwölfe so: „Das sind nicht die Gefährlichsten. Die wirklich Gefährlichen sind sowieso schon alle da“ – und deutete weit ausholend hin zur allgemeinen Besuchermasse. Zum Abschied drückte er meine Hand ganz fest, blickte mich eindringlich an und sagte: „Bitte passen Sie gut auf sich auf.“ Eine weitere Gesprächspartnerin sagte mir: „Bleiben Sie bitte gesund“. Das war womöglich nur eine einfache, gut gemeinte Floskel, die mich aber trotzdem leicht misstrauisch werden ließ: Sah ich etwa so ungesund aus? Oder wollte sie andeuten, dass es hier gefährlich sein könnte? An einem der kommunistischen Stände, wo ich mir die Literatur und Broschüren zur Wiedereinführung der Wehrpflicht und zu Friedensaufrufen genauer angeschaut habe, wurde ich von zwei Personen mit grimmigem Blick mehrmals direkt ins Gesicht fotografiert. Das ging alles andere als diskret vonstatten: Vielmehr warteten die Fotografen ab, bis ich sie ansah. Erst, als sie sich sicher sein konnten, dass ich ihre Übergriffigkeiten auch bemerkt hatte, ließen sie mich aus den Augen. Eine subtile Warnung? Vielleicht hatten sie gesehen, wie ich mich zuvor länger mit den russischen Dissidenten, mit den Polizisten und am Stand der Grünen unterhalten hatte. Es wird offen bleiben müssen. Misstrauen, soviel war spätestens jetzt jedenfalls klar, war nicht nur eine Angelegenheit der anderen Festteilnehmer.

Fußnoten

1 Nohl, Arnd-Michael:Die Bündnisgrünen zwischen Krieg und Frieden“, in: bpb.de (27.03.2026), https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/pazifismus-2026/576559/die-buendnisgruenen-zwischen-krieg-und-frieden/ (abgerufen am 18.06.2026); Albrecht, Jan Philipp: „Warum die Grünen auf Dialog setzen müssen, um Vertrauen neu zu gewinnen | Heinrich-Böll-Stiftung“, in: Heinrich Böll Stifung , https://www.boell.de/de/2025/07/15/warum-die-gruenen-auf-dialog-setzen-muessen-um-vertrauen-neu-zu-gewinnen (abgerufen am 31.05.2026).

2 Marwecki, Daniel: Absolution? Israel und die deutsche Staatsräson, Göttingen: Wallstein Verlag 2024, S. 150.

3 Deloye, Yves u. a.: „Liberté pour l’histoire“, in: Rev. Fr. Sci. Polit. 59/5 (2009), S. 1080–1081.

4 Schläger, Catrina: „In der Moralfalle“ (12.07.2022), https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/gruene-moralfalken-6059/ (abgerufen am 31.05.2026).

5 Monath, Hans: „Werte und Widersprüche grüner Außenpolitik | Internationale Politik“, in: Int. Polit. Mag. Für Glob. Denk. (01.09.2021), https://internationalepolitik.de/de/werte-und-widersprueche-gruener-aussenpolitik (abgerufen am 31.05.2026).

6 Vor 1967, als die USA schließlich diese Rolle einnahmen, war Deutschland sogar der größte Waffenlieferant des neu gegründeten Staats Israel, wie Daniel Marwecki in seinem Buch nachzeichnet. Vgl. Marwecki: Absolution?

7 Mau, Steffen, Thomas Lux und Linus Westheuser: Triggerpunkte: Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft, Erste Auflage, Originalausgabe Aufl., Berlin: Suhrkamp 2023 (Edition Suhrkamp. Sonderdruck).

8 Grimm, Jannis Julien und Marcus Schneider: „Staatsräson vs. Weltordnung: Gaza als Feuerprobe wertebasierter Außenpolitik im Globalen Süden“, in: Z. Für Außen- Sicherheitspolitik 18/1 (2025), S. 115–143.

9 Polizei Berlin: „Allgemeinverfügung zum 8. und 9. Mai 2026“ (07.05.2026), https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/2026/pressemitteilung.1669044.php (abgerufen am 18.05.2026).

10 Alberti, Stefan: „Kritik an Umgang mit 8.-Mai-Gedenken: Giffey stellt sich Protest“, in: Tagesztg. Taz (2022), https://taz.de/Kritik-an-Umgang-mit-8-Mai-Gedenken/!5850721/ (abgerufen am 28.05.2026).

11 Salmen, Ingo und Alexander Fröhlich: „Bilder von Putin bleiben untersagt: Gericht erlaubt ukrainische Flaggen bei Weltkriegsgedenken in Berlin“, in: Tagesspiegel Online (2023), https://www.tagesspiegel.de/berlin/verwaltungsgericht-berlin-hebt-verbot-ukrainischer-flaggen-an-sowjetischen-ehrenmalen-auf-9768953.html (abgerufen am 28.05.2026).

12 Heinze, Jana: „‚Am Nachmittag wird es unangenehm, vielleicht sogar gefährlich auf dem Gelände‘ (Interview mit Jana Heinze von Memorial)“ (2025).

13 Vom vergangenen Jahr gibt es ein ausführliches Video, das ein im Kern fast identisches Programm der Gruppe zeigt. Vgl. Gedenken gegen den Krieg: 80th anniversary of the end of WWII: May 8/9, 2025, Soviet War Memorial in Treptower Park, Berlin. 2026.

14 Kappeler, Andreas: Kleine Geschichte der Ukraine, 5. Auflage Aufl., München: C.H.Beck 2022; Jobst, Kerstin S.: Geschichte der Ukraine, Stuttgart: Reclam 2015 (Reclams Universal-Bibliothek 18729); Mishnev, Alexander: „Vereinnahmungsversuche: Die Ukraine als Teil der ‚Russischen Welt‘“, in: Relig. Ges. Ost West 10 (2021), S. 18–19; Prochorova, Irina: „Der autoritäre Virus und das Unterbewusstsein Europas“, in: Raabe, Katharina, Manfred Sapper und Jevhenija Belorusecʹ (Hrsg.): Testfall Ukr. Eur. Seine Werte Hrsg. Von Katharina Raabe Manfred Sapper Mit Einem Fotoessay Von Yevgenia Belorusets, 3. Auflage Aufl., Berlin: Suhrkamp 2022 (Edition Suhrkamp : Sonderdruck), S. 149–163; Schlögel, Karl: „Lob der Krise. Die Ukraine und die Sprachlosigkeit der Historiker“, in: Raabe, Katharina und Manfred Sapper (Hrsg.): Testfall Ukr. Eur. Seine Werte, Originalausgabe, 3. Auflage Aufl., Berlin: Suhrkamp 2022 (Edition Suhrkamp Sonderdruck), S. 165–175.

15 Memorial Deutschland: „Das sowjetische Ehrenmal in Treptow: Friedhof ohne Gräber, Befreiung ohne Freiheit“, in: Gerbergasse 18 3 (2025), https://geschichtswerkstatt-jena.de/images/stories/GW-pdf/GG18_H116_Leseprobe3.pdf (abgerufen am 23.05.2026); Burkhardt, Fabian: „Der Fall Memorial: Ist das russische »Ausländische-Agenten«-Gesetz reformierbar?“; Lezina, Evgenija und Vera Ammer: „‚Memorial‘ und seine Geschichte: Russlands historisches Gedächtnis“, in: Osteur. Stuttg. 64/11/12 (2014), S. 165–176; Schröder, Hartmut: „Das 20. Jahrhundert und der ‚Krieg der Erinnerungen‘ Ein Aufruf von MEMORIAL“, in: Osteur. Stuttg. 58/6 (2008), S. 77–84.

16 Demokrati-JA: Demokrati-JA“; Gedenken gegen den Krieg: „Veranstaltungen – Remembrance Against War“; Gedenken gegen den Krieg: 80th anniversary of the end of WWII.

17 Gedenken gegen den Krieg:Veranstaltungen – Remembrance Against War“.

18 Ebd.

19 VVN-BdA: „Veranstaltungen zum 8. Mai 2026, 81. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus“.

20 Die Linke / PDS:Zum 60. Jahrestag der Gründung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN – BdA)“ (16.02.2007), https://web.archive.org/web/20160923100555/http://archiv2007.sozialisten.de/partei/geschichte/view_html/n2/bs1/zid35144 (abgerufen am 29.05.2026).

21 VVN-BdA: „NS-Vergleiche in der deutschen Debatte um den Krieg in der Ukraine“.

22 FRIKO Berlin: „Über uns – Frikoberlin“.

23 FRIKO Berlin: „Kundgebung ‚Russland ist nicht unser Feind‘ (Juni 20 @ 13:00 – 15:00)“.

24 FRIKO Berlin: „Über uns – Frikoberlin“.

25 DKP Saarland: „Gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russland – Für Frieden und Abrüstung“.

26 Ebd.; Unsere Zeit: „DKP zur Anerkennung der beiden Volksrepubliken im Donbass durch Russland und den Verträgen mit der Russischen Föderation“.

27 Bundeszentrale für politische Bildung: „Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands | Europawahl 2024“, in: bpb.de (07.05.2024), https://www.bpb.de/themen/parteien/wer-steht-zur-wahl/europawahl-2024/548028/marxistisch-leninistische-partei-deutschlands/ (abgerufen am 02.06.2026); MLPD: „Der Ukrainekrieg und die offene Krise des imperialistischen Weltsystems“, in: Rote Fahne 13 (2022), S. 15–42; MLPD: „Zeit für eine neue Friedensbewegung – gegen jede imperialistische Aggression“, in: MLPD (25.03.2022), https://mlpd.de/videos/zeit-fuer-eine-neue-friedensbewegung-gegen-jede-imperialistische-aggression (abgerufen am 02.06.2026).

28 Wehr, Andreas: „Russland – ein imperialistisches Land?“, in: Telepolis (01.05.2022), https://www.telepolis.de/article/Russland-ein-imperialistisches-Land-7070732.html (abgerufen am 02.06.2026).

29 Inter Bündnis Berlin: „Wer wir sind – Internationalistisches Bündnis Berlin“.

30 Kufya Netzwerk: „Kufya Netzwerk Statement“.

31 Vgl. Moses, A. Dirk:Der Kate­chismus der Deutschen“; Moses, A. Dirk: „Blindness and Bourgeois Coldness“, in: Berl. Rev. 17 (2026), https://blnreview.de/en/ausgaben/2026-02/a-dirk-moses-blindness-and-bourgeois-coldness (abgerufen am 08.02.2026); Rothberg, Michael: Rethinking German memory culture“, in: Berl. Ztg. (2021), https://www.berliner-zeitung.de/open-source/gegen-opferkonkurrenz-es-gibt-auch-in-deutschland-kein-isoliertes-gedenken-li.141816 (abgerufen am 16.11.2025); Zimmerer, Jürgen und Michael Rothberg: „Erinnerungskultur: Enttabuisiert den Vergleich!“, in: Zeit (2021), https://www.zeit.de/2021/14/erinnerungskultur-gedenken-pluralisieren-holocaust-vergleich-globalisierung-geschichte (abgerufen am 16.11.2025); Rothberg, Michael: Multidirektionale Erinnerung: Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung, übers. von. Max Henninger, 2. Auflage Aufl., Berlin: Metropol Verlag 2024; Feldman, Deborah: Judenfetisch, 1. Auflage Aufl., München: Luchterhand 2023.

32 Marwecki: Absolution?

33 Atshan, Saʼed, Katharina Galor und Kocku von Stuckrad: Israelis, Palästinenser und Deutsche in Berlin: Geschichten einer komplexen Beziehung, 1. Aufl., Boston: De Gruyter 2021.

34 Özyürek, Esra: Stellvertreter der Schuld: Erinnerungskultur und muslimische Zugehörigkeit in Deutschland, hrsg. v. Eva Menasse, übers. von. Elsbeth Ranke, 1. Auflage 2025 Aufl., Stuttgart: Klett-Cotta 2025.

35 Feldman: Judenfetisch.

36 Die High-Deck-Siedlung ist eine der kleinsten Großsiedlungen und befindet sich am südlichsten Ende der Neuköllner Sonnenallee.

37 Riese, Sarah u. a.: Berliner Forum Gewaltprävention Nr. 81 Perspektiven von Bewohnerinnen und Bewohnern und Fachkräften, Berlin: Camino gGmbH / Bezirksamt Neukölln (Abt. Jugend/Jugendamt) / Berliner Landeskommission gegen Gewalt 2024 (, hrsg. v. Landeskommission Berlin gegen Gewalt), S. 42.

38 Ebd.

39 Ebd., S. 11–12.

Referenzen

Alberti, Stefan: „Kritik an Umgang mit 8.-Mai-Gedenken: Giffey stellt sich Protest“, in: Tagesztg. Taz (2022), https://taz.de/Kritik-an-Umgang-mit-8-Mai-Gedenken/!5850721/ (abgerufen am 28.05.2026).

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Atshan, Saʼed, Katharina Galor und Kocku von Stuckrad: Israelis, Palästinenser und Deutsche in Berlin: Geschichten einer komplexen Beziehung, 1. Aufl., Boston: De Gruyter 2021.

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Özyürek, Esra: Stellvertreter der Schuld: Erinnerungskultur und muslimische Zugehörigkeit in Deutschland, hrsg. v. Eva Menasse, übers. von. Elsbeth Ranke, 1. Auflage 2025 Aufl., Stuttgart: Klett-Cotta 2025.

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Prochorova, Irina: „Der autoritäre Virus und das Unterbewusstsein Europas“, in: Raabe, Katharina, Manfred Sapper und Jevhenija Belorusecʹ (Hrsg.): Testfall Ukr. Eur. Seine Werte Hrsg. Von Katharina Raabe Manfred Sapper Mit Einem Fotoessay Von Yevgenia Belorusets, 3. Auflage Aufl., Berlin: Suhrkamp 2022 (Edition Suhrkamp : Sonderdruck), S. 149–163.

Riese, Sarah u. a.: Berliner Forum Gewaltprävention Nr. 81 Perspektiven von Bewohnerinnen und Bewohnern und Fachkräften, Berlin: Camino gGmbH / Bezirksamt Neukölln (Abt. Jugend/Jugendamt) / Berliner Landeskommission gegen Gewalt 2024 (, hrsg. v. Landeskommission Berlin gegen Gewalt).

Rothberg, Michael: „Rethinking German memory culture“, in: Berl. Ztg. (2021), https://www.berliner-zeitung.de/open-source/gegen-opferkonkurrenz-es-gibt-auch-in-deutschland-kein-isoliertes-gedenken-li.141816 (abgerufen am 16.11.2025).

Rothberg, Michael: Multidirektionale Erinnerung: Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung, übers. von. Max Henninger, 2. Auflage Aufl., Berlin: Metropol Verlag 2024.

Salmen, Ingo und Alexander Fröhlich: „Bilder von Putin bleiben untersagt: Gericht erlaubt ukrainische Flaggen bei Weltkriegsgedenken in Berlin“, in: Tagesspiegel Online (2023), https://www.tagesspiegel.de/berlin/verwaltungsgericht-berlin-hebt-verbot-ukrainischer-flaggen-an-sowjetischen-ehrenmalen-auf-9768953.html (abgerufen am 28.05.2026).

Schläger, Catrina: „In der Moralfalle“ (12.07.2022), https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/gruene-moralfalken-6059/ (abgerufen am 31.05.2026).

Schlögel, Karl: „Lob der Krise. Die Ukraine und die Sprachlosigkeit der Historiker“, in: Raabe, Katharina und Manfred Sapper (Hrsg.): Testfall Ukr. Eur. Seine Werte, Originalausgabe, 3. Auflage Aufl., Berlin: Suhrkamp 2022 (Edition Suhrkamp Sonderdruck), S. 165–175.

Schröder, Hartmut: „Das 20. Jahrhundert und der ‚Krieg der Erinnerungen‘ Ein Aufruf von MEMORIAL“, in: Osteur. Stuttg. 58/6 (2008), S. 77–84.

Unsere Zeit: „DKP zur Anerkennung der beiden Volksrepubliken im Donbass durch Russland und den Verträgen mit der Russischen Föderation“.

VVN-BdA:NS-Vergleiche in der deutschen Debatte um den Krieg in der Ukraine“.

VVN-BdA: „Veranstaltungen zum 8. Mai 2026, 81. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus“.

Wehr, Andreas: „Russland – ein imperialistisches Land?“, in: Telepolis (01.05.2022), https://www.telepolis.de/article/Russland-ein-imperialistisches-Land-7070732.html (abgerufen am 02.06.2026).

Zimmerer, Jürgen und Michael Rothberg: „Erinnerungskultur: Enttabuisiert den Vergleich!“, in: Zeit (2021), https://www.zeit.de/2021/14/erinnerungskultur-gedenken-pluralisieren-holocaust-vergleich-globalisierung-geschichte (abgerufen am 16.11.2025).

Eine Antwort auf „Die Misstrauensgemeinschaften von Treptow (5): Frieden und Antifaschismus als widersprüchliche Bricolagen“

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