Worum geht es am 9. Mai in Treptow heute, nachdem das von den Erbauern konzeptualisierte Narrativ einer kommunistischen, säkularen Ewigkeit obsolet geworden ist? Die Einschätzungen gehen stark auseinander: Die einen meinen, dass es sich um ein „russisches Volksfest“ handelt, während die nächsten finden, es gehe in erster Linie um eine russische Propagandaschlacht. Übersehen werde, so argumentierte Gabowitsch etwa durchaus überzeugend, dass es sich für viele um ein Gedenken von unten und auch um ethnische Selbstvergewisserung in einem durch diverse Migrationen und postmigrantischen Gruppen geprägten Einwanderungsland handle. Die Frage, worum es hier neben dem Aussähen und Einhegen von Misstrauen eigentlich geht, so meine Behauptung, lässt sich durch die Heterogenität der Assemblage gar nicht eindeutig beantworten, weil ganz offenkundig völlig unterschiedliche Anliegen und Interessen die unterschiedlichen Teilnehmer zum Treptower Ehrenmal führen. Wie ich in den folgenden Absätzen zuerst am Beispiel des quasi-religiösen Zeremoniells und einer Neuauflage der sowjetischen Idee heldenhafter Unsterblichkeit zeige, spielen in den zu beobachtenden Bricolagen der Festteilnehmer symbolische Kontinuitäten ebenso eine Rolle wie neu verbastelte Versatzstücke und Praktiken aus dem Spektrum der Religion und Transzendenz.
Wie in den kriegerischen Vorjahren war das Sowjetische Ehrenmal gut besucht.1 Im Vergleich zu den anderen Ehrenmälern fallen die Feiern in Treptow nach Zählung Gabowitschs alljährlich mit Abstand am größten aus: während es 2014 über 12.000 Teilnehmer waren, steigerte sich die Zahl 2015 (im 70. Jubiläumsjahr des Endes des Zweiten Weltkriegs) auf über 40.000 Teilnehmer.2 Die Besucher kamen auch in diesem Jahr aus unterschiedlichen, nicht nur russischen, ukrainischen und anderen postsowjetischen Hintergründen. Stark vertreten war unüberhörbar die russischsprachige Diaspora, meist als Familienausflügler mit einem Strauß roter Nelken in der Hand. Altersmäßig waren die Besucher äußerst gemischt: Es handelte sich keineswegs um eine Veranstaltung vornehmlich von Veteranen oder Anzugträger, obwohl Nachkommen gefallener Sowjetsoldaten und Veteranengruppen nicht zu übersehen waren, etwa in Gestalt singender Gruppen in den ruhigeren Randbereichen der Grabfelder.3 Die Darbringungen, zum Beispiel in Gestalt persönlicher Botschaften und kleiner Opfergaben mit Bildern, Namen und Widmungen, teils mit einem kleinen St. Georgs-Band umbunden, waren auch vier Tage nach dem Gedenktag bei einem erneuten Besuch noch überall auf dem Gelände zu sehen. Für viele Teilnehmer stellte das zentrale Ziel die Krypta auf dem Kurgan dar.

Die Krypta wirkte an diesem Tag wie von einem kultischen, pseudo-religiösen Numen umwogen. Es bildete sich eine lange Prozessionsschlange vor den Stufen. Niedergelegte Blumen schmückten alle Stufen der Treppenwangen des Kurgans, aber auch das Anbringen von Blumen an allen möglichen Ecken, Ritzen und Winkeln des Ehrenmals war zu beobachten. Noch vier Tage später zeigte sich das gesamte Gelände durch die inzwischen welken, aber vor Ort belassenen Blumen und Kränze stark verändert.4 Auf den Wangen der Kurgantreppe wurden zahlreiche Porträts gefallener Soldaten in Bilderrahmen abgelegt, oft versehen mit einem historischen oder nachkolorierten St. Georgs-Band. Hier, wo die Menschen rund um das Prozessionsritual näher zueinander rückten, konnte man ihre Gespräche, Darbringungen und Tanzaufführungen gut beobachten. Eine Gruppe von Frauen führte vor den Kränzen der GUS-Botschaften einen heiteren, russischen Tanz auf.
Im Gegensatz zum sowjetischen Pantheon nahm die sich über Stunden hinziehende Prozession direkte Anleihen bei den wiederbelebten, traditionellen Religionsgemeinschaften. Eine Frau verneigte und bekreuzigte sich am Ehrenkranz der Russländischen Föderation vor ihrer eigenen Darbringung mehrmals nach orthodoxer Art. Der Blumenhaufen vor dem Kranz der Botschaft der Russländischen Föderation war deutlich höher als vor den anderen Botschaftskränzen der übrigen GUS-Staaten, wurde aber später von unbekannter Hand auf alle Botschaftskränze gleichmäßig verteilt, wie ein Besuch vier Tage später zeigte. Es waren hauptsächlich Russisch und Deutsch zu hören. In den Vorjahren sowie am Vormittag des 9. Mai 2026 ist es hier auch zu einer zeremoniellen Segnung durch russisch-orthodoxe Popen gekommen, wie auch auf den Foto- und Videoaufnahmen der Russländischen Botschaft auf deren Facebook-Seite zu sehen ist. Die Anwesenheit von Vertretern der russisch-orthodoxen Kirche auf dem Treptower Ehrenmal ist schon für die das Jahr 1995 dokumentiert, wie aus den Bildern des Landesarchivs Berlin hervorgeht, als es sich bei der Veranstaltung um eine zahlenmäßig viel überschaubarere Zusammenkunft handelte, auf der Anzugträger dominierten. Die Sichtbarkeit der Russisch-Orthodoxen Kirche im Jahr 1995 liegt zeitlich genau zwischen der Russischen Verfassung von 1993, in der religiöse Freiheit und die Trennung von Kirche und Staat postuliert wurde, und dem Jahr 1997, als ein Gesetz über Gewissensfreiheit und religiöse Vereinigungen die „besondere Rolle der Orthodoxie in der Geschichte Russlands bei der Entstehung und Entwicklung seiner Spiritualität und seiner Kultur“ anerkannte, wie Uwe Halbach in einer Studie über Kirche und Staat in Russland feststellt.5

In der Menschenmenge vor dem Kurgan war auch eine mutmaßlich muslimische Frau mit Hijab zu sehen, die eindeutig keine Touristin war und möglicherweise einer kaukasischen, zentralasiatischen oder russländisch-muslimischen Community des Nordkaukasus, Tatarstans oder anderer Gebiete angehörte; weitere Marker nichtchristlicher Religiosität, wenn man von sowjetischer und kommunistischer Symbolik absieht, waren nicht zu sehen. Die Bilder und Filmaufnahmen der Russischen Botschaft zu den Festivitäten in Treptow sowie zwischen dem Brandenburger Tor und dem Ehrenmal in Tiergarten, die auf ihrer Facebook-Seite geteilt wurden, zeigen einen betenden, muslimischen Geistlichen sowie Menschen um ihn herum, die ebenfalls ihre Hände zum muslimischen Gebet heben, die Handflächen nach innen gewandt. Diese Bilder entsprechen der in den letzten Jahrzehnten und insbesondere unter Putin vorangetriebenen Selbstwahrnehmung der Russländischen Föderation als multireligiöser Einheit, wenn auch mit einer starken russisch-orthodoxen Dominanz.6

Eine Parallele zur sowjetischen Periode ist das Motiv der Unsterblichkeit der gefallenen Helden, wenn auch heute oft im Verbund mit der christlichen Komponente und Kreuzsymbolen. Die zahlreichen Porträts von Rotarmisten mit persönlichen Notizen erinnern an eine deanonymisierende Praxis, die unter der Bezeichnung des Unsterblichen Regiments (Бессмертный полк) bekannt geworden ist; es finden sich aber auch Porträts von verstorbenen Veteranen, deren Sterbedaten weit hinter dem Ende des Zweiten Weltkriegs liegen. Gabowitsch geht recht ausführlich auf das Unsterbliche Regiment ein, das er als eine Initiative des Gedenkens von unten beschreibt, die er in seinem Beitrag von 2017 noch als sträflich vernachlässigt durch die deutsche Öffentlichkeit wahrnimmt.7 Wie die Bilder und Videoaufnahmen vom diesjährigen Unsterblichen Regiment zwischen Brandenburger Tor und Sowjetischem Ehrenmal in Tiergarten zeigen, ist dieses Gedenken längst Teil der offiziellen Inszenierung durch die Russische Botschaft geworden: Der Botschafter Sergej Netschajew führt die Prozession an.8
Auf den Aufnahmen hinter dem Brandenburger Tor sind die Teilnehmer des Unsterblichen Regiments zu sehen, die auffällig oft sehr jung sind. Zwischen den großen, rot unterlegten Fahnen der einzelnen Fronten (z.B. 1. Belarussische Front, 4. Ukrainische Front, usw.) ist ein großes Plakat mit der russischen Aufschrift „Tag des Sieges 9. Mai“ zu sehen, das vom St. Georgs-Banner gestaltet wird.9 Die Forderung nach Deanonymisierung wurde neben dem „Unsterblichen Regiment“ und politisch engagierten, dissidentischen Gruppen gegen Geschichtsrevisionismus (weiter unten) während meiner Anwesenheit auch vom deutsch-russischen Verein „Deutsch-russische Festtage e.V.“ vorgetragen. Dieser Verein hatte einem dezidiert sachlich wirkenden Stand, neben dem unter dem Motto „Gedenken wir aller namentlich“ Fotografien gefallener Rotarmisten mit lebensgeschichtlichen Daten auf dem Boden ausgelegt waren, teilweise bedeckt von Blumengaben.10
Kosmopolitisierung und Superdiversität
Beschränkt man die Betrachtung auf die oben beschriebenen Szenen, an denen die überwiegende Mehrheit der Festteilnehmer teil hatten, dann könnte man tatsächlich von einer postsowjetischen Gedenkveranstaltung ausgehen, die teilweise den Charakter eines „Volksfests“ trug. Man käme damit wahrscheinlich dem von Gabowitsch skizzierten Bild einer Insel mitten in Berlin recht nahe. Doch damit wären ganz wesentliche, zusätzliche Aspekte, Teilnehmer und Interessen der Assemblage nicht berücksichtigt, die ebenfalls Teil waren und in wechselseitigen Misstrauensverhältnissen zueinander standen. Bevor aber die politisch engagierten Gruppen als Misstrauensgemeinschaften im Kleinen genauer dargestellt werden, haben sich die Begriffe Kosmopolitisierung und Superdiversität weitere Klärung verdient. Sie sind meiner Ansicht nach in der Assemblage der Treptower Misstrauensgemeinschaften am 9. Mai unverzichtbar, um das extraterritoriale Gefüge zu erfassen, wofür Ulrich Becks Begriff der Kosmopolitisierung eignet, und andererseits das Binnenmilieu Berlins und Deutschlands zu skizzieren, das nach Ansicht Steven Vertovec’ von Superdiversität geprägt ist. Kosmopolitisierung und Superdiversität können leicht mit zwei ähnlichen, aber in diesem Fall in die Irre führenden Begriffen verwechselt werden, nämlich Kosmopolitanismus und Diversität.

Überträgt man Kosmopolitisierung, wie Ulrich Beck sie verstanden hat, auf die Praxis des Gedenkens am Treptower Ehrenmal, dann bedeutet eine kosmopolitisierte Assemblage nicht nur, dass sich zu einer monolithisch verstandenen Gedenkkultur viele, mit der Zeit immer mehr andere (nationale, ethnische) Gedenkkulturen hinzugesellen, die fortan nebeneinander her existieren und gedenken. Ebenso wenig ist damit ein Werturteil verbunden, etwa in der Vorstellung einer konfliktfreien Diversität, die von wechselseitiger Wertschätzung geprägt wäre und womit der Begriff des Kosmopolitanismus verbunden wird, der eine weltoffene Grundhaltung suggeriert. Ulrich Beck wollte wegkommen vom nationalen Blick, den er als methodologischen Nationalismus regelrecht verabscheute, und sah hingegen die Notwendigkeit zum methodologischen Kosmopolitismus als zwingend: Er müsste seiner Ansicht nach normativ werden, denn nur so könnten die unter den Bedingungen des anthropogenen Klimawandels globalen Herausforderungen auch global gemeistert werden. Normative Kosmopolitisierung stellte also keine Option, sondern eine Zwangsläufigkeit dar, weil traditionelle Perspektiven zu eng geworden waren und die Wirklichkeit nicht erfassen konnten. Beck thematisierte ebenso die problematischen Seiten des Prozesses der Kosmopolitisierung, der im Grunde eine weitreichende Entgrenzung ist und beinhaltet, dass sich sogar Nationalisten globalisieren.11 Genau das ist der Fall, wenn sich Bündnisse neopopulistischer Regime bilden, um demokratische Staaten und Gefüge anzugreifen, die sie wiederum als Gefahr für ihr eigenes Machtprinzip sehen. Wir sehen das heute sehr viel klarer als noch 2016, als Becks letztes Buch über die Metamorphose der Welt posthum veröffentlicht wurde.12 Auch am 9. Mai am Sowjetischen Ehrenmal zu Treptow ließ sich diese weitgreifende Kosmopolitisierung wie auf einer Schaubühne beobachten.
Steven Vertovec hat den Begriff der Superdiversität für europäische Städte wie Berlin geprägt. Demnach kommt es seit Jahrzehnten viel stärker als in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu Vielstimmigkeiten, inneren und äußeren Konflikten, die nicht a priori mit einem bestimmten Qualitätsurteil betrachtet werden sollten.13 Auch Feindseligkeiten können hier entstehen oder dazukommen, die vom rechten politischen Spektrum oft aufgegriffen werden und tatsächlich in der herbeigerufenen Logik der moralischen Panik (wie sie Gabowitsch beschrieben hat) einer einseitigen Sicht auf bestimmte Gruppen kosmopolitisierter Gefüge dienlich gemacht werden. Superdiversität bedeutet, dass es keine homogenen Gruppen von Russen, Türken, Kurden, Deutschen, etc. gibt, sondern, dass es innerhalb dieser Gruppen teils so große Friktionen gibt, dass es eigentlich keinen Sinn macht, sie als „Gruppe“ wahrzunehmen. Sowohl für (post-)migrantische als auch für politische Gruppen, die oft in einer Kategorie als relativ homogen wahrgenommen werden (beispielsweise Friedensbewegte, Linke, Kommunisten, etc.), waren in Treptow die heterogenen Eigenschaften zu beobachten, die Vertovec als Superdiversität bezeichnet.14
In der Sowjetischen Zeit kannte die grenzübergreifende Sendung Moskaus recht eindeutige Adressaten. In Ostberlin war das in allererster Linie die Führung der DDR. Im internationalen Spektrum wurden linke, kommunistische, antikoloniale und antiwestliche Gruppierungen adressiert, und in Westdeutschland war insbesondere die westdeutsche Friedensbewegung eine Zielgruppe, deren ins Alter gekommene Vertreter auch 2026 am Treptower Ehrenmal anzutreffen waren. Von sowjetischer und ostdeutscher Agitation unterwandert waren in der BRD des Kalten Krieges kirchlich verwurzelte Gruppierungen der evangelischen und katholischen Kirchen ebenso wie Mitglieder der SPD und der frühen Grünen, die federführend waren für den bekannten Krefelder Appell vom 16. November 1980 – einem leidenschaftlichen Aufruf, den „Atomtod“ zu verhindern, den man in Folge des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 aufziehen sah.15 Wie zeithistorische Forschungen zeigen konnten, waren „aktive Maßnahmen“ und Einflussagenten („Einflussnehmer“) über Desinformation und einseitige, antiwestliche Agitation damals maßgeblich daran beteiligt, dass Kritik an der Sowjetunion und ihrer aggressiven Außenpolitik kaum vorkam.16
Geheimdienstliche Wissens- und Erfahrungsschätze von damals sind nicht einfach verschwunden. Die Methoden des Kremls unter Wladimir Putin, selbst ein ehemaliger KGB-Agent mit Einsatzort Deutschland, weisen laut unzähligen Studien zahlreiche Kontinuitäten auf.17 Obwohl Propaganda aus Moskau, ihre Übernahme und Reproduktion sowie explizit gemachte Gegenmaßnahmen am 9. Mai 2026 allein schon durch die Anwesenheit des St. Georgs-Banners nicht zu übersehen waren und man wohl nicht falsch läge, zu behaupten, das gesamte Event sei stark durchdrungen von russischen Propagandamaßnahmen gewesen, unterschied sich die Assemblage von Gedenksymbolik auch erheblich von jedem möglichen Setting während des Kalten Krieges. Zum einen ist die Konstellation des systemischen und bipolaren Ost/West-Konflikts des Kalten Kriegs nicht einfach gleichzusetzen mit einem „neuen Kalten Krieg“, wie der neue Konflikt mit der Russländischen Föderation und den demokratischen Staaten Europas manchmal bezeichnet wird. Zum anderen sind Berlin und Deutschland heute aus demographischer und sozialer Hinsicht stark verändert, was nicht zuletzt an den hohen Einwanderungszahlen aus den postsowjetischen Staaten seit der Wende von 1990 liegt. Die Digitale Revolution als Diskurstreiberin und entgrenzender Faktor wurde schon genannt und muss immer mitgedacht werden.
Postsowjetische Einwanderer und Superdiversität
Auch ohne genauere Erhebungen ließ sich allein auf Grundlage der sprachlichen Beobachtungen feststellen, dass Menschen mit postsowjetischem Hintergrund die dominante „Gruppe“ am 9. Mai in Treptow waren. Diese völlig uneinheitliche „Gruppe“, zu der in deutschen Statistiken und Texten sogenannte russlanddeutsche Spätaussiedler, jüdische Kontingentflüchtlinge (jeweils mit ihren Familienangehörigen) sowie Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine (letztere machen zirka 30 Prozent aus) ebenso gerechnet werden wie alle anderen Zugewanderten aus der Russländischen Föderation, den zentralasiatischen Staaten und dem Südkaukasus, bildet mit zirka 4,7 Millionen Menschen (Stand: 2024) eine der größten unter den Einwanderergruppen Deutschlands.18 In der öffentlichen Wahrnehmung werden diese Migranten trotz ihrer Heterogenität oft als eine mehr oder weniger einheitliche Gruppe gelesen, die in den öffentlichen Meinungen laut der Journalistin Ira Peter in den letzten Jahren einen regelrechten Ansehensverlust von den „Mustermigranten“ zu „Putins fünfter Kolonne“ erlebt haben.19
Hier seien nur einige Eckpunkte eines Diskurses genannt, der schon ausführlich beschrieben worden ist und in Deutschland ohnehin den meisten Lesern auf die ein andere andere Weise bekannt sein dürfte. 2016 ereignete sich der „Fall Lisa“ in deutschen und russischen Medien, was auch zu mehreren öffentlichen Protesten russlanddeutscher Gruppen führte. Der Fall stellte sich als Falschbehauptung über die Vergewaltigung eines damals 13-jährigen Mädchens aus Berlin-Marzahn durch „südländische“ Männer heraus. Die erzeugte Stimmung appellierte an Ängste und Stereotypen, die durch die Zuwanderung großer Gruppen syrischer, afghanischer und anderer Flüchtlinge während der sogenannten Flüchtlingskrise und Balkanroute 2015/2016 präsent waren und dankbar von der AfD und anderen rechten und rechtsradikalen Gruppen aufgegriffen wurden. Der Fall knüpfte implizit an die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln vom 31. Dezember 2015 auf den 1. Januar 2016 an, als es zu zirka 1200 Strafanzeigen gekommen war, die Hälfte davon wegen sexueller Übergriffe, wovon die meisten jungen Männern aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum angelastet wurden. Die ursprüngliche Falschbehauptung des Mädchens war in Deutschland gefallen, aber die Tatsache, dass russische Medien den erfundenen „Fall Lisa“ verbreitet und große gemacht haben, erinnerte einige Kommentatoren an sowjetische Desinformationskampagnen. Auch „geschulte Agitatoren“ sollen unter den Demonstranten aufgetaucht sein.20

In der Zwischenzeit ist völlig in den Hintergrund gerückt, dass die Stimmung der Furcht und Ablehnung gegenüber den Flüchtlingen zunächst nicht klar über die auch von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel vertretenen „Willkommenskultur“ dominiert hatte. Was auch immer im Gesamtbild dazu geführt hat, dass die hilfsbereite Stimmung mit Bildern von Freiwilligen, die zum Helfen an die Bahnhöfe zur Versorgung der Flüchtlinge kamen, schließlich von einer ablehnenden Stimmung überholt wurde – der „Fall Lisa“ hatte seinen Anteil daran. Bis heute profitiert die AfD vom Dauerthema der angeblich unkontrollierten Einwanderung, das immer wieder von neuen Skandalisierungen befeuert wird.
Am Image-Schaden der „Russlanddeutschen“ oder „Russen“ beteiligt war auch die Diskussion über Russia Today, einem russischen Propaganda-Outlet, das 2021 verboten wurde und von dem man nun wusste, dass es unter russlanddeutschen Einwanderern sehr beliebt war. Ähnliches gilt für weitere Medien aus dem russischsprachigen Raum. Misstrauen gegen eine große, uneinheitliche Gruppe war die Folge, was sich mit der Eskalation des Konflikts mit Putin 2022 weiter verschärfte. Das Misstrauen gegenüber Sendungen und Einflussnahmen aus Russland köchelt seit 2016 beständig weiter und wird zwischendurch mit Nachrichten über russische Bot-Fabriken, Cyber-Angriffen oder spektakulären Mordfällen wie dem Tiergartenmord 2019 immer wieder neu unterfüttert. Das Misstrauen, mit dem postsowjetische Einwanderer und ihre Nachkommen konfrontiert sind, ist allerdings nicht nur auf Propagandatätigkeiten russischer Akteure zurückzuführen, sondern auch von Stereotypen und Vorurteilen „über Russen“ geprägt, was die Angelegenheit komplex und das Misstrauensverhältnis auch nicht einfach auflösbar macht. „Russlanddeutschen“ wird pauschal besonders oft zugeschrieben, homophob, „gegen Multi-Kulti“, deutschtümelnd, gewalttätig, Teil der „Russenmafia“, AfD wählend und rassistisch zu sein. Für den Vorwurf des Rassismus erinnert Nikolai Klimeniouk an den Fall der in einem Dresdner Landgerichtssaal ermordeten Ägypterin Marwa E-Sherbini 2009 durch einen 28-jährigen Spätaussiedler, dessen Tat und Gesinnung in der Berichterstattung teilweise mit seiner Herkunft in Verbindung gebracht wurde.21

Diese kosmopolitisierte Komplexität des Misstrauens erinnert an das deutsch-türkische Gefüge, wodurch es auch die Qualität einer typischen Entwicklung gewinnt. Auch hier ist es in den letzten Jahren zu einem pauschalisierten Misstrauen gegenüber einer ethnisch gelesenen Gruppe im kosmopolitisierten, entgrenzten Gefüge gekommen, und wie im Fall Russlands und der postsowjetischen Einwanderer haben neopopulistische Propagandisten und Diskurstreiber aktiv teil. Andererseits spielen auch hier latente, rassistische Stereotypen eine Rolle, und beide Seiten scheinen sich gegenseitig zu nähren. Parallel zum immer wieder eskalierenden Verhältnis zwischen dem politischen Deutschland und dem neopopulistischen AKP-Regime in der Türkei hat sich, auffällig ähnlich zur deutsch-russischen Entfremdung, Misstrauen ausgebreitet, während es in der Presse immer wieder zu Skandalisierungen der Nähe deutsch-türkischer Personen gekommen ist: ob in Einzelfällen, wie dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen dem Profi-Fußballer Mesut Özil und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, oder rund um türkische Wahlen, deren Wahlkampf unter Einsatz von Themen und Parolen, die nicht anders als Deutschland feindlich und demagogisch bezeichnet werden können, auch in Deutschland ausgetragen wurde und zu diplomatischen Eklats geführt hat. Beide Regime, das russische und das türkische, zeigen so viele Parallelen auf, das man von autokratischem Lernen sprechen kann, wie ich in einem anderen Beitrag argumentiert habe.22
Beide Beispiele zeigen, dass jeder Erklärungsversuch, der einseitig und selektiv auf die Handlungsebene einer „deutschen Mehrheitsgesellschaft“, der „Russlanddeutschen“, der „Türken“ oder der jeweiligen neopopulistischen Regime der Russländischen Föderation und der Türkei hinausläuft, zwangsläufig zu kurz greift. Dabei bleiben außerdem andere Aspekte unberücksichtigt, die über die schnelle Erklärung, es handle sich bei der Ablehnung anderer Einwanderergruppen ausschließlich um kulturelle, ethno-religiöse und letztlich rassistische Dünkel schnell aus dem Blickfeld geraten können. Wie Sozialraumanalysen im benachbarten Berlin-Neukölln 2024 gezeigt haben, die in anders gelagerten Milieus durchgeführt wurden, spielen Etablierte-Außenseiter-Figurationen unter verschiedenen Einwanderergruppen eine ebenso große Rolle. In einem Artikel in der Welt werden zwei postsowjetische Personen namens Mischa und Mascha wiedergegeben:
Was sie über die Flüchtlingskrise denken? „Man hat diese vergewaltigenden Bastarde reingelassen, füttert sie durch, gibt ihnen Geld und Essen, und sie kommen immer straffrei davon, auf Geheiß der großen Politik.“ Sagt Mischa. „Und uns? Uns gibt man gar nichts!“23
Man kann diese Äußerung natürlich in erster Linie als Ausdruck einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit lesen, aber sie kann ebenso als Versuch einer Gruppe verstanden werden, die sich selbst durch ihre frühere Ankunft in Deutschland als etablierter wahrnimmt und damit Rechte einfordert, die anderen in ihren Augen zu unrecht gewährt wurden, während man sich selbst in der benachteiligten Position sieht. Norbert Elias und John L. Scotson haben dies beispielhaft am anonymisierten englischen Arbeitervorort Winston Parva gezeigt, wo die Frage der Ankunft und Etablierung im Miteinander unterschiedlicher Gruppen, wenn auch in diesem Fall ohne ethnische Markierung, bei der Fremd- und Selbstwahrnehmung über Lob- und Schmähklatsch teilweise stärker ins Gewicht fiel als sozioökonomische Unterschiede.24
In den Neuköllner Großsiedlungen High-Deck-Siedlung und Weiße Siedlung, die beide von einem sehr hohen Anteil postmigrantischer Bevölkerung und Transferleistungsbezieher geprägt sind, wurden in zwei Sozialraumanalysen Misstrauen, Unbehagen und Dünkel gegen andere Gruppen geäußert, die nach der eigenen Ankunft zugezogen waren. Aus den Interviews und Feldnotizen geht beispielsweise hervor, dass sich Angehörige türkeistämmiger Einwohner teilweise abfällig über arabischstämmige Nachbarn äußerten und dabei kulturell argumentierten, aber gleichzeitig sich selbst als etablierter, „sauberer“, zugehöriger fühlten.25 Im Fall der ukrainischen Flüchtlinge ist es 2022 zu einer Reihe von „Sonderrechten“ gekommen, die auch bei der Public History-Veranstaltung von 2022 in vergleichender Perspektive zu den 1990er Jahren und der Ankunft von Flüchtlingen aus Bosnien-Herzegowina und anderen postjugoslawischen Ländern angesprochen wurden: Während Kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien durch den Duldungsstatus nicht arbeiten durften, wurden ukrainischen Flüchtlingen Vergünstigungen wie kostenloser Eintritt ins Schwimmbad oder Anspruch auf Arbeitslosengeld II gewährt. Im kollektiven Gedächtnis einer Gruppe können solche Unterschiede schnell in Ressentiment umschlagen – besonders, wenn sie von findigen Populisten auf´gegriffen und skandalisiert werden.26
Autokratisches Lernen
Obwohl Menschen mit postsowjetischem Hintergrund am 9. Mai vor allem im Bereich vor dem Kurgan dominierten, präsentierte sich Berlin auf dem restlichen Gelände in vielerlei Hinsicht superdivers. Auf dem gesamten Gelände waren auch griechische, mexikanische, italienische, moldawische, kasachische und andere Flaggen zu sehen, aber auch kommunistische, pro-russische oder pro-palästinensische Formationen, deren (National-)Symboliken nicht unter das Verbot der polizeilichen Allgemeinverfügung fielen. Keine dieser Flaggenpräsenzen muss Auskunft geben über die mögliche Nähe oder Sympathie zum Keml-Regime, sondern kann, wie im Fall eines befragten moldawischen Teilnehmers, einfach bedeuten, „seinen“ Anteil an der Schlacht um Berlin durch die eigene Flagge markieren zu wollen.
In einem anderen Beispiel hingegen deutete alles auf eine Solidaritätsbekundung zum Kreml hin: Links der Treppenstufen zur Krypta wurde ein gerahmtes Bild mit serbisch-kyrillischer Beschriftung niedergelegt, das folgende Botschaft enthält: „»Ausdauer und Zeit sind die zwei größten Krieger« Der Bruder für den Bruder“.27 Das Bild erinnert daran, dass das serbische Vučić-Regime ein enger Verbündeter in den Propagandaschlachten des Kreml ist und immer wieder die Bruderschaft zwischen Russland und Serbien beschwört. Diese Formel kann auch als Dankesbekundung für die proserbische Haltungen Russlands während der Jugoslawienkriege der 1990er Jahre gelesen werden: Die aus serbischer Sicht unbefriedigenden Ergebnisse, besonders der Verlust Kosovos, bestimmen auch heute noch das außenpolitische Kalkül Serbiens stark, dessen Führung sich meistens offen pro-russisch positioniert und Serbien grundsätzlich das Misstrauen anderer europäischer Länder einbringt. Neuere Arbeiten zeigen, wie groß die Parallelen zwischen der russischen außenpolitischen Vision Russki Mir (Russische Welt) und dem serbischen Pendant Srpski Svet (Serbische Welt) sind.28 Auch hier sind die Parallelen so augenfällig, dass die Rede von autokratischem und neopopulistischem Lernen probat erscheint. Man sieht an diesem Beispiel, das um weitere wie – bis vor kurzem – Ungarn erweiterbar wäre, dass Misstrauen auch im Kleinen viel mit außen- und geopolitischen Verwerfungen und Misstrauensverhältnissen zu tun hat.

Die Türkei und Russland bilden im Berliner Gefüge besondere Fälle, weil beide Staaten und Regime die Möglichkeit haben, sich zu Vertretern großer Diasporen zu erklären und über (para-)staatliche Organisationen und Medien-Outlets mit Mitgliedern „ihrer“ jeweiligen Dispora zu kommunizieren und sie zu beeinflussen. Dazu gehören im russischen Fall die Nachtwölfe, der bereits genannte, ultranationalistische und kremltreue russische Motorradklub, dessen Mitglieder wie in den Vorjahren anwesend waren, wenn auch in deutlich geringerer Zahl als in den Vorjahren.29 Auch sie müssen zum kosmopolitisierten, superdiversen Berlin gerechnet werden. Ihre Teilnehmer reisen nicht alle aus Russland an, sondern müssen in anderen europäischen Ländern wie Deutschland längst als locals gelten, wo sie zum Beispiel in Baden-Württemberg besonders stark vertreten sind.30 Weil sie weiterhin eng mit russischen Akteuren in Kremlnähe verbunden bleiben, könnte man sie als Produkt der Kosmopolitisierung bezeichnen.
Die Nachtwölfe ähneln fast schon wie Abziehbilder türkischen Formationen aus dem rechten bis rechtsradikalen Milieu. Darunter wären besonders die in Deutschland inzwischen verbotenen »Osmanen Germania«, die »Osmanlı Ocakları« (Osmanische Herde) oder die »Grauen Wölfe« (Bozkurtlar) zu nennen, die inzwischen als eine der größten, rechtsradikalen Vereinigungen in Deutschland eingestuft werden.31 Diese und weitere Gruppen sind eng verwoben mit politischen Akteuren in anderen Ländern, die ihre eigenen Möglichkeiten der Sendung bestens begriffen haben. Will man die Assemblage von Misstrauensgemeinschaften und die in ihr relevanten Dynamiken begreifen und benennen, dann hat es nichts mit moralischer Panik zu tun, die Existenz und das Handeln dieser Gruppen kritisch zu beobachten und zu benennen – solange das freilich nicht bedeutet, eine ganze Bevölkerungsgruppe unter Verdacht zu stellen oder rassistische Stereotypen zu bemühen. Dennoch tun sich nach wie vor viele Kommentatoren schwer, passende Begriffe für das Geschehen zu finden, gerade, wenn sie sich einer identitätspolitischen Sichtweise verpflichtet fühlen.32

Aus den genannten Gründen bezeichne ich das Ensemble von Akteuren und Raum hier als kosmopolitisierte Assemblage von Misstrauensgemeinschaften einer superdiversen Gesellschaft. Würfelt man die diversen, teils harmlosen und friedensmotivierten, teils offen verfeindeten Gruppen, Individuen, Blumenopfer, Flaggen, Broschüren, Stände und Bücher, mitgebrachten Porträts und Symbole zusammen, deren wechselseitige Bezüge nicht immer klar, oft widersprüchlich und teils äußerst schräg erscheinen, ergibt sich dennoch ein Gesamtbild – so verwirrend und widersprüchlich es sein mag. Ob explizit demokratische und liberale Akteure, ob rechte, linke, kommunistische, ukrainische, antifaschistische, russische, postsowjetische, nationalistische, deutsche, DDR-nostalgische und andere Gruppen, Individuen oder Familien: die Logik der alten Links-Rechts-Binarität greift hier nicht. Identitätsstiftende Labels wie »Friedensaktivisten« oder »Antifaschisten« – auch sie versagen als einfache Erklärung, weil sie uneindeutig sind. In der menschlich-dinglichen Assemblage zwischen steinernen sowjetischen Zitaten, monumentalen Skulpturen, anonymen Grabfeldern, zu Metaphern gewachsenen Bäumen und Festteilnehmern gibt es nicht die eine einzige Erklärung, warum all diese Menschen am 9. Mai hierher kommen. Das Verbindende scheint einzig aus dem wechselseitigen Misstrauen zu bestehen – sowie aus völlig unterschiedlichen Bezügen zum Raum des Ehrenmals und seiner in die Perfektion getriebenen Dramaturgie.
Die Misstrauensgemeinschaften von Treptow (2): Zwischen alten und neuen Kriegen
Die Misstrauensgemeinschaften von Treptow (3): Die zentrale Dramaturgie der Verdrängung des Todes
Fußnoten
1Gehrke, Christian u. a.: „‚Tag des Sieges‘: Russen und Ukrainer geraten aneinander, Polizei schlichtet“, in: Berl. Ztg. (2022), https://www.berliner-zeitung.de/article/9-mai-berlin-live-tag-des-sieges-polizei-mit-grossaufgebot-im-einsatz-226766 (abgerufen am 13.05.2026); Heinze, Jana: „‚Am Nachmittag wird es unangenehm, vielleicht sogar gefährlich auf dem Gelände‘ (Interview mit Jana Heinze von Memorial)“ (2025); Mai, Marina: „Gedenken 9. Mai: Auch die Rocker waren wieder da“, in: Tagesztg. Taz (2024), https://taz.de/Gedenken-9-Mai/!6006282/ (abgerufen am 13.05.2026); rbb24.de: „Vor allem russische Besucher erinnern in Treptow und Tiergarten an das Kriegsende“, in: rbb24.de (09.05.2025), https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/05/9-mai-kriegsende-russland-erinnern-berlin-ehrenmal-denkmal.html (abgerufen am 13.05.2026); Tagesspiegel: „Gedenken an Ende des Zweiten Weltkriegs : ‚Nachtwölfe‘ besuchen Sowjetische Ehrenmale in Berlin“, in: Tagesspiegel Online (2024), https://www.tagesspiegel.de/berlin/gedenken-an-ende-des-zweiten-weltkriegs-nachtwolfe-besuchen-sowjetisches-ehrenmal-in-berlin-tiergarten-11638202.html (abgerufen am 13.05.2026).
2Gabowitsch, Mischa: „Insel Treptow. Praktische Aneignung und mediale Kartographien sowjetischer Gedenkorte in Berlin und Wittenberg“, in: Gabowitsch, Mischa u. a.: Kriegsgedenken Als Event, hrsg. v. Cordula Gdaniec, Mischa Gabowitsch und Ekaterina Makhotina, Brill | Schöningh 2017, S. 203–277, hier S. 229.
3Auch Gabowitsch schreibt, dass sich ein Interviewpartner überrascht zeigte, dass so viele junge Leute anwesend waren. Ebd., S. 240.
4Ebd., S. 232-233.
5Halbach, Uwe: Kirche und Staat in Russland: nationale und außenpolitische Akzente von Orthodoxie, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, German Institute for International and Security Affairs 2019 (S 08).
6Soroka, George: „International Relations by Proxy? The Kremlin and the Russian Orthodox Church“, in: Religions 13/3 (2022), S. 208; Pizzuto, Dario: „Putin’s Russia: Commitment to Religious Ideals and Worldviews or Religion as Political Pragmatism?“, in: Syd. Open J. 34/2 (2024).
7„Das Unsterbliche Regiment ist eine seit 2012 in Russland stattfindende Aktion, bei der Menschen mit Porträts von Verwandten, die am Krieg teilgenommen haben, durch Stadtzentren marschieren.“, Gabowitsch: „Insel Treptow. Praktische Aneignung und mediale Kartographien sowjetischer Gedenkorte in Berlin und Wittenberg“, S. 243.
8Hoyer, Isabella: „Der Botschafter marschiert mit“, https://jungle.world/artikel/2026/20/russland-berlin-propaganda-der-botschafter-marschiert-mit (abgerufen am 31.05.2026).
9Ebd.; Russische Botschaft in Deutschland: Tag des Sieges in Berlin, 9. Mai 2026 Wir gratulieren allen herzlich zu diesem Feiertag! @RusBotschaft #GroßerSieg.
10„‚Gedenken wir aller namentlich‘ – Namenstafeln für die gefallenen Sowjetsoldaten“.
11Beck, Ulrich: „The Cosmopolitan Condition: Why Methodological Nationalism Fails“, in: Theory Cult. Soc. 24/7–8 (2007), S. 286–290; Beck, Ulrich: The Metamorphosis of the World: How Climate Change is Transforming Our Concept of the World, Polity Press 2016.
12Beck: „The Cosmopolitan Condition: Why Methodological Nationalism Fails“; Beck: The Metamorphosis of the World: How Climate Change is Transforming Our Concept of the World; Beck, Ulrich u. a.: Reflexive Modernisierung: eine Kontroverse, 1. Auflage Aufl., Frankfurt am Main: Suhrkamp 2019 (Edition Suhrkamp, 1705 = N.F., 705).
13El-Mafaalani greift diesen Gedanken zu Diversität auf, der meist mit einem positiven Urteil verbunden wird, während Superdiversität auf die Diversifizierung von Diversität deutet, dass nämlich innerhalb der diversen „Communities“ und zwischen ihnen oft Konflikte bestehen, aber von Außenstehenden übersehen bleiben. Das hat natürlich auch Implikationen fü die sogenannte Mehrheitsgesellschaft, die in Deutschland als ethnisch deutsch vorgestellt wird. El-Mafaalani, Aladin: „Demografie und Migration | Demografie“, in: bpb.de (17.04.2026), https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/demografie-2026/577158/demografie-und-migration/ (abgerufen am 28.05.2026); Vertovec, Steven: „Super-diversity and its implications“, in: Ethn. Racial Stud. 30/6 (2007), S. 1024–1054.
14Vertovec: „Super-diversity and its implications“; Vertovec, Steven: Superdiversität: Migration und soziale Komplexität, übers. von. Alexandra Berlina, Erste Auflage, deutsche Erstausgabe Aufl., Berlin: Suhrkamp 2024.
15Gellissen, Karl-Wilhelm: „Der Krefelder Appell“, in: Heim. 77 (2006), S. 161–164.
16Becker-Schaum, Christoph u. a. (Hrsg.): The nuclear crisis: the arms race, Cold War anxiety, and the German peace movement of the 1980s, New York Oxford: Berghahn Books 2019 (Protest, culture and society, volume 19); „Wie russische Einflussnehmer die deutsche Friedensbewegung unterwanderten“ (2025); Rid, Thomas: Active measures: the secret history of disinformation and political warfare, First edition Aufl., New York: Farrar, Straus and Giroux 2020.
17Dazu schreibt Julia Smirnova: „Die moderne russische Desinformation weist auf strategischer und taktischer Ebene eine Reihe von Ähnlichkeiten mit dem sowjetischen Ansatz auf. Die Schwächung und Destabilisierung geopolitischer Gegner sowie die Unterstützung der russischen Außen- und Sicherheitspolitik sind nach wie vor die zentralen Ziele russischer Einflussversuche im Ausland. Taktiken wie die Fälschung von Dokumenten, die Inszenierung von Aktionen unter falscher Flagge oder die Anwerbung von Einflussagent:innen aus den Reihen prorussischer Aktivist:innen und Politiker:innen werden auch heute von russischen Desinformationsakteuren eingesetzt.“ Smirnova, Julia: „Schild, Schwert – und Social Media | Propaganda und Desinformation“, in: bpb.de (19.09.2025), https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/propaganda-und-desinformation-2025/570925/schild-schwert-und-social-media/ (abgerufen am 29.05.2026).
18Panagiotidis, Jannis: Postsowjetische Migration in Deutschland: eine Einführung, First edition Aufl., Weinheim: Beltz Juventa 2020; Panagiotidis, Jannis: „Postsowjetische Migranten in Deutschland. Perspektiven auf eine heterogene ‚Diaspora‘ | Fremd in der Heimat?“, in: bpb.de (10.03.2017), https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/243862/postsowjetische-migranten-in-deutschland-perspektiven-auf-eine-heterogene-diaspora/ (abgerufen am 30.05.2026); Der Mediendienst Integration bezieht sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamts von 2025 (Statistischer Bericht – Bevölkerung nach Migrationshintergund – Erstergebnisse 2024, Tabelle 12211-05)] Mediendienst Integration: „Wie viele postsowjetische Migranten leben in Deutschland?“, in: Medien. Integr. (10.12.2025], https://mediendienst-integration.de/bevoelkerung/postsowjetische-migranten-in-deutschland/wie-viele-postsowjetische-migranten-leben-in-deutschland/ (abgerufen am 30.05.2026].
19Peter, Ira: „Einwanderung: Was lernen wir von den Russlanddeutschen?“, in: FAZ Online (2026), https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/einwanderung-was-lernen-wir-von-den-russlanddeutschen-accg-200670161.html (abgerufen am 30.05.2026).
20Banse, Dirk und Michael Ginsburg: „‚Man hat die reingelassen. Und uns gibt man nichts!‘“, in: WELT (31.01.2016), https://www.welt.de/politik/deutschland/article151685379/Russlanddeutsche-Wie-Moskau-Spaetaussiedler-aufwiegelt.html (abgerufen am 30.05.2026); Schroeder, Wolfgang und Lukas Drolshagen: „Putins Verbündete in Deutschland?“, in: Neue Ges. Frankf. Hefte 7/8/2022 (2022), https://www.frankfurter-hefte.de/artikel/putins-verbuendete-in-deutschland-3469-1/ (abgerufen am 30.05.2026).
21Klimeniouk, Nikolai: „Fleißige deutsche Opfer, frustrierte russische Täter | Russlanddeutsche“, in: bpb.de (11.10.2018), https://www.bpb.de/themen/migration-integration/russlanddeutsche/276854/fleissige-deutsche-opfer-frustrierte-russische-taeter/ (abgerufen am 30.05.2026).
22Schad, Thomas: „Autokratisches Lernen – Parallelen des russischen und türkischen Neopopulismus“, in: Südosteur.-Mitteilungen 62/5–06 (2022), S. 103–117.
23Banse/Ginsburg: „Russlanddeutsche“.
24Elias, Norbert und John L. Scotson: Etablierte und Außenseiter, übers. von. Michael Schröter, 10. Auflage Aufl., Frankfurt am Main: Suhrkamp 2020 (Suhrkamp-Taschenbuch 1882).
25Riese, Sarah u. a.: Berliner Forum Gewaltprävention Nr. 81 Perspektiven von Bewohnerinnen und Bewohnern und Fachkräften, Berlin: Camino gGmbH / Bezirksamt Neukölln (Abt. Jugend/Jugendamt) / Berliner Landeskommission gegen Gewalt 2024 (, hrsg. v. Landeskommission Berlin gegen Gewalt); Schad, Thomas und Sarah Riese: Soziale und kulturelle Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in der Weißen Siedlung, Berlin: Camino gGmbH / Bezirksamt Neukölln (Abt. Jugend/Jugendamt) 2024.
26Bosnien 1992 – Ukraine 2022: Zivilgesellschaftliche Reaktionen auf den Krieg, Gemeinschaftshaus Gropiusstadt 2022.
27„»Два најмоћнија ратника су стрпљење и време« Брат за Брата“.
28Galijaš, Armina: „Serbien und Russland: Ein Diskursvergleich zweier hegemonialer Projekte“, in: Stand. (03.06.2022), https://www.derstandard.de/story/2000136187795/serbien-und-russland-ein-diskursvergleich-zweier-hegemonialer-projekte (abgerufen am 29.05.2026).
29Onken, Henning und Julius Geiler: „Rocker-Gedenken ans Weltkriegsende: Pro-russische ‚Nachtwölfe‘ rollen durch Berlin und Brandenburg“, in: Tagesspiegel Online (2024), https://www.tagesspiegel.de/berlin/rocker-gedenken-ans-weltkriegsende-pro-russische-nachtwolfe-rollen-durch-berlin-und-brandenburg-11622617.html (abgerufen am 13.05.2026).
Onken, Henning und Julius Geiler: „Rocker-Gedenken ans Weltkriegsende: Pro-russische ‚Nachtwölfe‘ rollen durch Berlin und Brandenburg“, in: Tagesspiegel Online (2024), https://www.tagesspiegel.de/berlin/rocker-gedenken-ans-weltkriegsende-pro-russische-nachtwolfe-rollen-durch-berlin-und-brandenburg-11622617.html (abgerufen am 13.05.2026).
30Beres, Eric: „Putin-Rocker ‚Nachtwölfe‘: Russlands langer Arm reicht bis nach Baden-Württemberg“, in: SWR Aktuell (09.05.2025), https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/putins-rocker-russische-nachtwoelfe-in-bw-100.html (abgerufen am 31.05.2026).
31Schnell, Lisa: „Verfassungsschutz hat türkische Rocker im Visier“, in: Süddeutsche.de (10.04.2017), https://www.sueddeutsche.de/bayern/kriminalitaet-verfassungsschutz-hat-tuerkische-rocker-im-visier-1.3457516 (abgerufen am 24.05.2026); Die Linke: „DIP – Der türkische Präsident Erdogan, Osmanli Ocaklari und die Rockerclubs Osmanen Germania und Turkos MC“; Bozay, Kemal: „Graue Wölfe – eine der größten rechtsextremen Organisationen in Deutschland | Rechtsextremismus“, in: bpb.de (19.08.2024), https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/260333/graue-woelfe-eine-der-groessten-rechtsextremen-organisationen-in-deutschland/ (abgerufen am 31.05.2026).
32Vgl. Ortner, Martina Susanne: „Heimatliebe, Nationalstolz und Rassismus – Einzelmeinungen oder Trend? | Rechtsextremismus“, in: bpb.de (24.11.2017), https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/260324/heimatliebe-nationalstolz-und-rassismus-einzelmeinungen-oder-trend/ (abgerufen am 28.05.2026); Kleff, Sanem, Eberhard Seidel und Toralf Staud: „‚Einen einseitigen Blick auf Rechtsextremismus kann sich ein Einwanderungsland nicht leisten‘ | Rechtsextremismus“, in: bpb.de (24.11.2017), https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/260312/einen-einseitigen-blick-auf-rechtsextremismus-kann-sich-ein-einwanderungsland-nicht-leisten/ (abgerufen am 28.05.2026).
Referenzen
Bosnien 1992 – Ukraine 2022: Zivilgesellschaftliche Reaktionen auf den Krieg, Gemeinschaftshaus Gropiusstadt 2022.
„Wie russische Einflussnehmer die deutsche Friedensbewegung unterwanderten“ (2025).
Banse, Dirk und Michael Ginsburg: „‚Man hat die reingelassen. Und uns gibt man nichts!‘“, in: WELT (31.01.2016), https://www.welt.de/politik/deutschland/article151685379/Russlanddeutsche-Wie-Moskau-Spaetaussiedler-aufwiegelt.html (abgerufen am 30.05.2026).
Beck, Ulrich: „The Cosmopolitan Condition: Why Methodological Nationalism Fails“, in: Theory Cult. Soc. 24/7–8 (2007), S. 286–290.
Beck, Ulrich: The Metamorphosis of the World: How Climate Change is Transforming Our Concept of the World, Polity Press 2016.
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Soroka, George: „International Relations by Proxy? The Kremlin and the Russian Orthodox Church“, in: Religions 13/3 (2022), S. 208.
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