Der Positivismus lebt vom festen Glauben an Daten. Oft kommt es dabei zu einer folgenreichen, ungenauen Vermischung von „Daten“ und „Fakten“. Aufgrund der um sich greifenden, begrifflichen Verwässerungen, die heute sogar ihre unabdinglichen Analyseinstrumente betreffen, sind Geistes- und Sozialwissenschaftler:innen mehr denn je auf linguistische Kernkompetenzen angewiesen. Daten — wörtlich: die Gegebenen, les données, von lat. dare, datum est, data — sind nämlich nicht unbedingt Fakten. Besonders, wenn die Menge der „Gegebenen“ besonders groß und dicht ist, kann ein Effekt eintreten, den die Metapher des Waldes recht gut trifft, den man bekanntlich vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Neopopulistische Demagogen und Plattformlenker wissen um diese Effekte bestens Bescheid, während Sozial- und Geisteswissenschaftler:innen oft noch die Nachhut kehren.WeiterlesenVom Glauben, Daten seien Fakten
Monat: Dezember 2025
Public Diplomacy erfährt gerade durch die Angriffe auf die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann neue Aufmerksamkeit, weil neben individuellen Meinungen orchestriert erscheinende Diffamierungsstrategien zum Einsatz kommen. Dabei geht es wenig darum, was die Journalistin tatsächlich gesagt oder gemeint hat. Die Auseinandersetzung auf Plattformen wie Instagram spiegelt auf Kosten der Journalistin vielmehr ein Kampffeld mit zwei Haupteinsätzen wieder: Zum einen geht es um identitätsgebundene, selektive Solidarität, wodurch Solidarität als Wert an sich verwässert wird. Zum anderen kämpfen identitäre Akteure unterschiedlicher Couleur, zwischen Pop-Islamisten und Hasbara-Aktivisten, um Aufmerksamkeit für sich selbst und ihre eingeengte Sicht. Die Herausforderung besteht darin, nicht aus Identitätsgründen an Kritik zu sparen und Solidarität von Identität zu entkoppeln. Unsere Gesellschaft braucht dringend Vertrauen, und das ist nur über die Verpflichtung auf die allgemeinen, universellen Menschenrechte zu erreichen. Eines von zahlreichen Plädoyers gegen Identitätspolitik.WeiterlesenZwischen Hasbara und Pop-Islamismus: Solidarität als diskursives Schlachtfeld

